60 Minuten: Aion - Fantasywelt mit fantastischer Grafik
Besonders lange dauert es nicht, bis die Verkaufsversion von Aion installiert ist: Die beiden DVDs sind nach gut zehn Minuten aufgespielt, dann lädt der "NC Launcher" noch einmal rund 400 MByte an Daten aus dem Internet nach. Parallel dazu rubbeln wir den Zugangscode von einer kleinen Plastikkarte frei und geben die Daten mit den üblichen weiteren Informationen ein. Nach gut einer halben Stunde kann es dann losgehen – Probleme oder auch nur relevante Wartezeiten wegen überlasteter Server hatten wir, nachdem viele Spieler über einen holprigen Vorabstart berichtet hatten, am eigentlichen Eröffnungstag nicht.
Im Spiel selbst steht zunächst die Auswahl eines Servers an. Hier sorgt Aion dann tatsächlich für schlechte Laune: In fast allen der Onlinewelten können wir nicht, wie beabsichtigt, einen Charakter im dunklen Volk der Asmodier erstellen, sondern müssten die engelsgleichen Elyos wählen. Offenbar haben sich schon zu viele Spieler vor uns für die Asmodier entschieden, und weil das Programm automatisch auf ausgeglichene Kräfteverhältnisse zwischen den beiden achtet, sind die düsteren Kreaturen vorübergehend gesperrt.
Nach ein paar Versuchen finden wir dann aber einen geeigneten Server und erstellen in wenigen Minuten mit der nicht weiter auffälligen Charaktergenerierung einen glatzköpfigen, zauselbärtigen und dezent übergewichtigen Krieger namens "Golempeter". Und teleportieren uns dann in die Fantasywelt von Atreias.
Wir stehen in einem grasbewachsenen Tal, um uns herum befinden sich ein paar Dutzend weitere Einsteiger. Wer World of Warcraft kennt, findet sich zumindest jetzt noch problemlos in Aion zurecht: Die grundlegende Steuerung ist fast identisch, die Nutzeroberfläche wirkt vertraut, und weitere Details erklärt nach einem Klick auf ein Fragezeichensymbol ein nett animiertes Pop-up.
Wenige Meter vor uns leuchtet ein türkisfarbenes Symbol über dem Kopf eines NPCs namens Vandar – das muss ein Anzeichen dafür sein, dass bei ihm womöglich die erste Quest wartet. Und so ist es dann auch: Vandar erzählt uns per Textfenster etwas über faule Sprigg-Arbeiter, was wir uns genauso wenig wie in anderen MMORPGs durchlesen, und dann haben wir trotzdem den ersten Auftrag. Wir müssen fünf kugelige Minibiester in der Nähe erledigen. Das machen wir – dank der ebenfalls an den Blizzard-Konkurrenten erinnernden Kampfsteuerung ist das ebenfalls kein Problem. Dann kehren wir zu Vandar zurück und bekommen die nächste Quest.
Die folgenden – nicht weiter spektakulären – Liefer- und Sammelaufträge schicken uns dann etwas schneller weg vom Startpunkt, als es in World of Warcraft der Fall ist. Das sorgt zuerst für Verwirrung, weil wir nicht sicher sind, ob wir womöglich etwas übersehen haben, aber anscheinend war alles in Ordnung. Klasse: Bei den Questtexten sind die Namen von relevanten Personen oder Gegnern oft unterstrichen. Ein Klick darauf öffnet die Weltkarte mit einer Markierung, wo die Gesuchten zu finden sind. Zwischendurch schaffen wir die ersten beiden Levelaufstiege – was aber noch keine weitergehende Bedeutung zu haben scheint.
Rasch landen wir so auf dem Dorfplatz von Ardelle. Hier ist richtig viel los! Jede Menge andere Spieler und NPCs warten auf uns. Allmählich merken wir, wie sich die Spielewelt vergrößert und die Möglichkeiten zunehmen. So können wir bei einem gewissen Minu, seines Zeichens der örtliche Kriegerausbilder, die ersten Handbücher mit neuen Fähigkeiten kaufen. Eine heißt "Robuster Hieb", die andere "Schildabwehr". Beide landen natürlich im Inventar und dann mit einem weiteren Klick im Charakterprofil unseres stämmigen Kriegers.
Eine Quest von Bacorerk, dem Würfelhersteller, schickt uns an den Tunapre-See direkt hinter der nächsten Ecke – und hier holen wir erstmals tief Luft, denn das Gewässer mit seinem riesigen bunten Baum sieht tatsächlich atemberaubend aus. Viel Zeit für Sightseeing ist allerdings nicht, wir überfallen wie beauftragt die Netz-Slinks und mopsen das von Bacorerk benötigte Öl. Und stellen fest, dass wir die gelernten Kampffähigkeiten jetzt irgendwie miteinander kombinieren können – jedenfalls leuchtet im Befehlsmenü deutlich mehr auf als vorher, und wenn wir markierte Felder auswählen, sind die Gegner viel fixer platt. So ganz verstehen wir das noch nicht, aber das kommt wohl mit der Zeit.
Im Dorf Ardelle zurück werden wir neugierig auf die Reisemöglichkeiten. Etwas abseits stehen zwei Typen an einem Teleportiergerät, das wir aber – so erklärt uns der eine – nicht benutzen dürfen, weil es uns momentan noch zerreißen würde. Also reden wir mit dem andern Kerl, und der lässt uns fliegen – womit in diesem Fall das Gegenstück etwa zu einem automatisch ablaufenden Greifenflug in World of Warcraft gemeint ist. Allerdings befinden wir uns in einer Art Geisterkurier, mit dem wir durch Wälder zum nächstgelegenen Stützpunkt sausen, den wir übrigens vorher noch nicht besucht und haben – in Aion scheint das auch ohne das sonst übliche Freischalten zu gehen.
Die ersten 60 Minuten sind um, wir beenden Aion vorerst. Der Einstieg hat Spaß gemacht, war nicht zu kompliziert und auch technisch gab es keine Probleme. Golem.de wird die nächsten Tage und Wochen weiterspielen.
In der Rubrik "60 Minuten" nimmt Golem.de aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe – Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen. Er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.