Spieletest: Halo 3 ODST - die große Actionspiel-Abzocke
In der Kampagne von Halo 3 ODST lernt der Spieler ein paar dieser Marines persönlich kennen – denn anders als bislang in der Halo-Reihe steuert man dort nicht den Master Chief aus der Ich-Perspektive, sondern abwechselnd die Mitglieder eines kleinen Kampftrupps. Das Programm sollte ursprünglich als Erweiterung für Halo 3 erscheinen, jetzt hat es Microsoft in Form einer um Multiplayerinhalte erweiterten, selbstständig lauffähigen und zwei DVDs umfassenden Version veröffentlicht.
Die Handlung von ODST (Orbital Drop Shock Troopers) ist vor Teil 3 der Reihe angesiedelt, ebenfalls in der Erdenstadt New Mombasa. Spieler steuern zuerst den "Anfänger", also ein neues Mitglied der Shock Trooper, die sich mit kleinen Kapseln direkt in den Kampfschauplatz befördern lassen. Im aktuellen Fall läuft etwas schief, der Spieler steht allein in einem Geschäftsviertel und hat die Aufgabe, nach und nach seine Kameraden zu finden. Nach ein paar Gefechten springt die Handlung zu einer dieser anderen Personen, und so geht es dann – immer wieder mit dem Anfänger als zentralen Punkt – reihum; der heißt im englischen Original übrigens Rookie, was freundlicher und cooler klingt als in der deutschen Übersetzung.
Die Stimmung in ODST ist die meiste Zeit gedrückt, immer wieder hat es der Spieler mit Tod und Verlust zu tun – die ruhige Musik passt hervorragend zu der Atmosphäre. Die Action geht trotzdem unbeschwert von der Hand und orientiert sich durchgehend an Halo 3: Mit dem Sturmgewehr oder erbeuteten Alienwaffen in der Heldenfaust liefert sich der Spieler die bekannten Gefechte mit Aliens. Er hat es mit kleinen, leicht erschreckbaren Zwerggegnern ebenso zu tun wie mit riesigen Kampfkreaturen; zwischendurch geht es gelegentlich auch mal im Vehikel an die außerirdischen Kragen. Wer mag, tritt mit einem Kumpel im Zweier-Koopmodus an.
Während die Kämpfe, Animationen und vor allem die KI immer noch auf Höhe der Zeit sind, wirken viele Umgebungen grafisch veraltet: Spieler verbringen die meiste Zeit an Orten, die viel weniger Details als in anderen aktuellen Programmen verwenden. Die Texturen wirken langweilig und außerdem nutzen die Leveldesigner immer noch allzu gerne die gleichen Orte mehrfach, was regelmäßig die "War ich hier nicht schon"-Frage aufwirft und die Orientierung unnötig erschwert.
Zusätzlich zur Kampagne befindet sich in ODST ein neuer – allerdings bei Gears of War 2 abgeschauter – Multiplayermodus namens Feuergefecht, oder Firefight in der US-Fassung. Darin treten bis zur vier menschliche Mitstreiter gemeinsam gegen computergesteuerte Horden von Covenant an. Anfangs sind das kleinere und schwächere Aliens, später gesellen sich immer öfter die ganz dicken Brummer mit dazu. Das Match läuft so lange, bis die maximal acht Zusatzleben der Spieler verbraucht sind – was für richtig viel Spannung sorgt. Auf der zweiten DVD in der Verpackung befinden sich 24 Multiplayer-Maps für Halo 3 – drei davon sind neu.
Die offizielle Preisempfehlung von Microsoft für Halo 3 ODST liegt bei rund 50 Euro. Das exklusiv für Xbox 360 erhältliche Programm enthält neben den Spiele-DVDs noch einen Zwei-Tages-Probegutschein für Xbox Live Gold. Außerdem können Spieler mit der Multiplayer-DVD voraussichtlich ab Anfang 2010 an der Multiplayer-Beta von Halo Reach teilnehmen, dem nächsten echten Neubeitrag zur Reihe. Die USK hat Halo 3 ODST ab 18 Jahren freigegeben, die deutsche Version enthält nur die deutsche Sprachausgabe.
Fazit
In der Kampagne erzählt Halo 3 ODST eine bewegende, durchaus interessante Geschichte – aber spielerisch wirken die Einsätze wie die Fortsetzung eines zwei Jahre alten Spiels, das man in- und auswendig kennt. Außerdem haben die Entwickler dem Zahn der Zeit nichts entgegensetzt: Die Gefechte machen wegen der nach wie vor erstklassigen Halo-KI zwar Spaß, aber die Umgebungen wirken im Vergleich zu aktuelleren Spielen grafisch viel zu trist. Dass Bungie sogar alte Copy-and-Paste-Sünden beim Leveldesign wiederholt, ist heutzutage angesichts der liebevoll gebauten Einsatzorte etwa in der Call-of-Duty-Reihe nicht mehr nachzuvollziehen.
Ein Highlight ist nur der Firefight-Modus. Wer Halo 3 regelmäßig mit anderen und gegen andere spielt, kommt allein deshalb kaum um ODST herum – dann rechnet sich der Kaufpreis auch langfristig. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn Microsoft die Feuergefechte für diese besonders treuen Fans des Spiels einfach als günstigen Download in Xbox Live angeboten hätte.
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