Spieletest: NHL 10 - Prügel um den Puck

Nachdem die NHL-Reihe in den letzten Jahren durch eine Reihe von Neuerungen einen kräftigen Qualitätssprung nach vorne gemacht hat, fallen die Veränderungen 2010 unauffälliger aus. EA spricht zwar vollmundig von "200 Gameplay-Optimierungen" - viele davon werden den meisten Spielern aber wohl kaum auffallen.
In puncto Ligen bietet NHL 10 fast das gleiche Bild wie die Vorjahresversion. Neben der nordamerikanischen Profiliga warten einige weitere Meisterschaften mit ihren Originalteams, etwa die deutsche DEL oder ihr Schweizer Pendant. Die russischen Teams hingegen flogen wieder raus. Bei den Modi herrscht ebenfalls größtenteils das gewohnte Bild: Ein kurzes Freundschaftsspiel, eine komplette Saison oder das langjährige Management eines einzelnen Teams - alles ist möglich. Wer sich nicht zu lange mit Ligaspielen aufhalten will, kann diesmal sofort in die Play-offs einsteigen und um die Meisterschaft kämpfen. Der bekannte "Be A Pro"-Modus, in dem sich der Spieler einen einzelnen Charakter herauspickt, steuert und individuell immer besser macht, steht wie schon im Vorgänger zur Verfügung.
Die grundsätzliche Bedienung hat sich kaum geändert, ein paar Optimierungen gibt es allerdings beim Passsystem. Reichte früher ein grob in die richtige Richtung vollbrachtes Anspiel, verlangen die 360-Grad-Pässe nun ein deutlich besseres Timing und Zielnehmen vom puckführenden Spieler. Generell lässt sich der Schwierigkeitsgrad aber variieren - die Angriffszüge gelingen dann entweder arcadelastig einfach oder verlangen im Hardcoremodus auch in puncto Passgeschwindigkeit nahezu Perfektion.
Einen Schwerpunkt legten die Entwickler diesmal auf Zweikämpfe. Mitspieler an der Bande einkesseln und den Puck per Fuß spielen ist ebenso möglich wie nach dem Schiedsrichterpfiff noch auf die Kontrahenten loszugehen, zu pöbeln und die Fäuste zu schwingen - NHL 10 schaltet dann gar in die Ego-Perspektive und mimt ein Boxspiel light. Dem Spielfluss ist das allerdings nicht zuträglich; Eishockey-Puristen werden mit dieser Option wenig anfangen können.
Passend zur gesteigerten Spieleraggressivität ist auch das Publikum lebhafter geworden: Pfeifen, Johlen und das heftige Klopfen gegen das Plexiglas verbessern die Atmosphäre spürbar. Ansonsten verharrt die Präsentation auf hohem Niveau: sehenswerte Grafik, gelungene Soundkulisse, aber eben nur Detailunterscheide zu NHL 09 . In puncto Langzeitmotivation hingegen überzeugt NHL 10; auch dank des umfangreichen Multiplayermodus, in dem die meisten Optionen der Einzelspielerkarriere ebenfalls verfügbar sind.
NHL 10 ist für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich und kostet etwa 60 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten, während die Vorjahresversion noch ohne Altersbeschränkung verfügbar war - wohl eine Folge der gesteigerten Aggressivität.
Fazit
Dezente Neuerungen, die aber größtenteils sinnvoll sind - NHL 10 macht nicht vieles anders als der Vorgänger, aber einiges besser. Das neue Passsystem verlangt Einarbeitungszeit, funktioniert dann aber klasse. Die gesteigerte Intensität kommt der Atmosphäre zugute. Über den Sinn von Kämpfen nach dem Schiedsrichterpfiff lässt sich diskutieren - Eishockey-Fans werden aber so oder so wohl auch dieses Jahr nicht um NHL herumkommen.



