Britische Musikwirtschaft beharrt nicht auf Internetsperren

Filesharer sollen zur Nutzung legaler Angebote ermutigt werden

UK Music verzichtet neuerdings auf die Forderung nach einer Three-Strikes-Lösung mit Internetsperren für Filesharer.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Die Töne in der britischen Peer-to-Peer-Debatte werden moderater. In seiner jüngsten Erklärung zu den Plänen der britischen Regierung zum Umgang mit P2P-Nutzern verzichtet UK Music darauf, erneut Internetsperren für Filesharer zu fordern. Stattdessen heißt es jetzt, die zuständige Medien-Regulierungsbehörde Ofcom solle "entsprechende und angemessene Kompetenzen bekommen", um den "extrem willkommenen Regierungseinfluss" im "sich entwickelnden Markt für lizenzierte digitale Musik" auszuüben. Das Ziel ist in den Augen von UK Music, "Nutzer nicht lizenzierter P2P-Netzwerke dazu zu ermuntern, existierende und zukünftige digitale Musikangebote zu nutzen".

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UK Music ist ein Zusammenschluss verschiedener Interessengruppen der britischen Musikwirtschaft, darunter der Vereinigung Unabhängiger Musikunternehmen (AIM), der Verwertungsgesellschaft PRS for Music und der Musikergewerkschaft (MU).

Der Erklärung war am 10. September eine Pressemitteilung des Musikerverbandes Featured Artists Coalition (FAC) vorausgegangen. Die FAC hatte Pläne des britischen Wirtschaftsministers Lord David Mandelson für eine britische Gesetzgebung zu Internetsperren nach französischem Vorbild scharf attackiert. Mandelson hatte entsprechende Pläne Ende August nach einem Ferienaufenthalt beim Medienunternehmer und Dreamworks-Mitbegründer David Geffen überraschend wieder aus der Versenkung geholt.

Die FAC, zu deren Mitgliedern unter anderem Billy Bragg, Tom Jones, Pink Floyd, Blur und Radiohead gehören, hatten Mandelsons Pläne als "völlig unangemessen" kritisiert. Wörtlich sagte die FAC: "Verfahren wie Überwachung, Benachrichtigung und Sanktionierung sind nicht zielführend, um einen funktionierenden Markt für Musik zu schaffen." Die Pläne für eine Three-Strikes-Regelung nach Vorbild des französischen Hadopi-2-Gesetzes seien einzig das Ergebnis von "Lobbyisten-Gerede", sie seien weder logisch noch durch ernsthafte, ökonomische Argumente untermauert, ist die FAC überzeugt.

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Nicht alle Musiker teilen allerdings die liberale Position der FAC. Popstar Lily Allen etwa griff die FAC-Position gestern in der Times an. Allen warf den "reichen und erfolgreichen Künstlern wie Nick Mason von Pink Floyd und Ed O'Brien von Radiohead" vor, den Schaden herunterzuspielen, den Musikpiraterie gerade bei jungen, unbekannten Künstlern verursache. [von Robert A. Gehring]

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