Die schönsten deutschen Bücher sollen in die Europeana

EU-Projekt zur Digitalisierung von Büchern

Im Rahmen der EU-Initiative Arrow sollen die schönsten deutschen Bücher eingescannt und in der Europeana veröffentlicht werden - wenn sich die Rechte klären lassen.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Mit dem Ausbau der Europäischen Digitalen Bibliothek Europeana geht es nicht so recht voran. Gut die Hälfte der Bestände stammt aus Frankreich, aus Deutschland höchstens ein Sechstel. Erst Anfang September hatte EU-Kommissarin Viviane Reding gemeinsam mit ihrem Kollegen Charlie McCreevy gewarnt: "Wenn wir zu langsam in die Digitalisierung einsteigen, könnte Europas Kultur in der Zukunft Schaden nehmen."

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Als einen Schuldigen für den langsamen Fortschritt haben Reding und McCreevy das fragmentierte Urheberrecht in der EU ausgemacht. Im Rahmen des EU-Projekts Arrow - Accessible Registries of Rights Information and Orphan Works towards Europeana - soll nun der Versuch unternommen werden, die schönsten deutschen Bücher für die Europeana einzuscannen. Die Deutsche Nationalbibliothek hat dafür entsprechende EU-Mittel bekommen, berichtet das Börsenblatt.

Die Nationalbibliothek will in diesem Pilotprojekt herausfinden, wie schwierig es in der Praxis ist, die Rechte für die Digitalisierung zu klären. Dazu sagte Thomas Jaeger von der Nationalbibliothek dem Börsenblatt: "Die Suche nach den Autoren kann natürlich eine große Hürde darstellen und ist mit hohem Aufwand verbunden ... Aber das Ziel dieses Musterfalls soll ja gerade auch sein, hier praktische Erfahrungen zu sammeln, um den Aufwand und die möglichen Ergebnisse einer solchen Suche besser einschätzen zu können. Das kann dann durchaus zu einer Standardisierung dieser Abläufe genutzt werden, im Rahmen des EU-Projekts Arrow, aber auch speziell auf die Situation in Deutschland bezogen."

Wie viele der rund 4.500 von der Stiftung Buchkunst ausgezeichneten und nicht mehr lieferbaren Bände aus dem 20. Jahrhundert es am Ende in die Europeana schaffen werden und wie hoch die Kosten dafür ausfallen werden, ist noch nicht absehbar. Dazu Jaeger: "Die Deutsche Nationalbibliothek wird nur Digitalisate zur Verfügung stellen, die sie kostenfrei und ohne Kopierschutz anbieten darf."

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Ohne Genehmigung der Rechteinhaber dürfen die Bücher nach geltendem Urheberrecht nicht für die Europeana eingescannt werden. Bei sogenannten verwaisten Werken kann es praktisch unmöglich sein, einen Rechteinhaber ausfindig zu machen. Dann ist es nach geltendem Recht nicht möglich, eine Lizenz zur öffentlichen Zugänglichmachung des digitalisierten Werkes zu erwerben. Ohne Änderungen am Urheberrecht würden deshalb viele Werke weitere Jahrzehnte ungelesen in Bibliotheksarchiven verstauben. [Robert A. Gehring]

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