Fehlt der Piratenpartei die Offline-Kompetenz?

Andreas Popp spricht mit der Jungen Freiheit und merkt es zu spät

Der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei, Andreas Popp, ist wegen eines Interviews in die Kritik geraten. Weniger wegen des Inhalts, sondern weil er es arglos einer Zeitung gab, die als zumindest rechtslastig gilt.

Artikel veröffentlicht am ,

Als die Junge Freiheit Popp zum Interview anfragte, war diesem die rechtskonservative Wochenzeitung "überhaupt nicht bekannt". Ihm sei deshalb nicht bewusst gewesen, dass es sich um ein "ziemlich rechtslastiges Blatt" handle. Popp: "Ich entschuldige mich bei allen, dass ich hier nicht besser aufgepasst habe, wem ich da ein Interview gebe." Künftig werde er Interviewanfragen nur noch über die Pressestelle laufen lassen.

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Schon während des Interviewtelefonats seien ihm die Fragen und Thesen des Autors der Jungen Freiheit komisch vorgekommen, so Popp im eigenen Blog. Der Interviewer habe ihm "halb seltsame Vorträge gehalten", als wolle er ihm "irgendwas unterschieben". Das Interview mit der Wochenzeitung "Junge Freiheit" erschien dann am vergangenen Freitag, dem 11. September 2009. Es dreht sich um Internetsperren, Zensur, den wegen seiner Holocaust-Leugnung aufgefallenen Bodo Thiersen und die politische Gesinnung der Piraten.

Er habe den Interviewtext vor Veröffentlichung zwar zum Gegenlesen erhalten, ihn aber übermüdet umgeschrieben, da er sich absichtlich falsch zitiert fühlte. "Ich hab also nochmal den Wikipedia-Artikel zu der Zeitung gelesen und dachte mir dann, wenn sogar Ephraim Kishon da ein Interview gibt, dann ist es wohl sicherer, es doch zurückzuschicken anstatt zu riskieren, dass er das alte nimmt", so Popp.

Kritische Stimmen

Popp wurde für dieses Interview heftig kritisiert. Kurz nach Veröffentlichung auch im Internet hagelte es Vorwürfe aus der Blogosphäre und von Mitgliedern der Piratenpartei. Popp habe sich instrumentalisieren lassen, ihm wurde Naivität vorgeworfen und der Piratenpartei Inkompetenz in der Öffentlichkeitsarbeit. Auch die Junge Freiheit - der Popp künftig keine Interview mehr geben will - reagierte auf das eingestandene Unwissen, er hätte es mit wenigen Fragen beheben können.

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Schockwellenreiter Jörg Kantel, selbst Mitglied der Piratenpartei, fordert den Rücktritt Popps und lässt auch dessen Entschuldigung nicht gelten: "Wer in Deutschland politisch tätig sein will, der muss wissen, um was für eine nazistische Schmierenpostille es sich bei der Jungen Freiheit handelt, ansonsten ist er nur dumm und nicht in der Lage, als stellvertretender Bundesvorsitzender einer demokratischen Partei zu agieren."

Der Journalist und Blogger Mario Sixtus twitterte ebenfalls deutlich: "Von online-affinen Menschen, die Bundespolitik machen wollen, verlange ich auch Kompetenz in den Offline-Medien." Zynischer formulierte der Autor und Social-Media-Berater Jens Best seine Kritik auf Twitter: "Mich hat gerade 'Der Stürmer' um ein Interview gebeten. Kennt jemand diese Fussball-Fachzeitung?"

Bei Spreeblick bezeichnet Frédéric Valin Popps Interview als " politisches No-Go und schierer[n] Dilettantismus". "Viel schlimmer" aber sei, dass "die meisten kommentierenden Piraten offensichtlich vor lauter Pragmatismus vergessen, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen."

Journalisten, Blogger und Piratenfreund Konstantin Klein alias Bluelectric antwortete darauf kritisch: "Das Problem einiger Piraten ist wohl eher - und das habe ich auch anderweitig schon festgestellt - die eigene Begeisterung, die die Aktion vor die Reflexion setzt. Oder anders ausgedrückt: Vor Inbetriebnahme des Mundwerks Gehirn einschalten!"

Angefeindete Kritiker

Doch die Debatte nahm noch eine weitere Wendung. Die Anhänger der Piraten schimpften auf die Kritiker und sprachen davon, diese wollten der jungen Partei nur aus Prinzip schaden. Johnny Haeusler von Spreeblick zeigte sich daraufhin nicht nur enttäuscht davon, dass die Piraten in manchen Punkten "kurslos scheinen", sondern auch davon, dass viele Piraten-Unterstützer Kritik nicht von Bashing unterscheiden könnten.

Haeusler dazu: "Die Piratenpartei ist neben einer anderen Partei, die ich gar nicht erwähnen mag, die einzige derzeit, bei der man nach Kritik mit Beleidigungen (Blogs, Twitter) und auch mal Böserem (Mail) rechnen darf. Das stelle ich leider wiederholt fest. Und sowas prägt das öffentliche Bild der Piratenpartei doch verstärkt mit. Wieder: Schade."

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Lev 24. Sep 2009

Mir fällt auf, dass Du sinnentstellend zitierst.

Wikifan 23. Sep 2009

Nazis und Werbeanrufer sind im Grunde genommen das gleiche Dreckspack und gehören...

Trollschweiss 21. Sep 2009

Heise-Troll? Also ich finds immer noch peinlich, dass er sich ausschließlich in der...

TommyK 19. Sep 2009

Die Piraten sind mir sehr symphatisch, wenn ich aber lese was hier von selbsternannten...



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