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Activision Blizzard: Profit statt Spaß, TV statt Konsolen

Unternehmenschef Kotick stellt Unternehmenspläne bei Analystentreffen vor. Neue Zielgruppen ohne Playstation und Xbox, möglichst verängstigte Mitarbeiter und das Onlinerollenspiel nach World of Warcraft: Bei einem Analystentreffen hat Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard, zu einem Rundumschlag gegen Konsolen, Angestellte und die Kunden ausgeholt.
/ Peter Steinlechner
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"Die meisten der 20 Jahre, in denen ich für Wachstum bei Activision gesorgt habe, waren wir damit zufrieden, Produkte herzustellen, die attraktiv für den 16 bis 35 Jahre alten Typen sind, der kein Date für Samstagnacht abbekommen hat" , sagte Bobby Kotick, Chef von Activision Blizzard, bei dem Analystentreffen Deutsche Bank Securities Technology Conference am Montag, 14. September 2009 in San Francisco. Das ändere sich aber derzeit massiv: Zum einen seien Computerspiele das Medium, mit dem sich die Kunden intensiver auseinandersetzten als mit jedem anderen – und zum anderen stiegen die Produktionswerte immer weiter. Um 15 Millionen Kunden sei die Zielgruppe der Gamer in letzter Zeit gewachsen, es gebe immer mehr Frauen, und über die Hälfte der Spieler sei jetzt zwischen 25 und 34 Jahre alt.

Zum zweiten Onlinerollenspiel neben World of Warcraft, an dem seine Entwickler bei Blizzard arbeiten, hat sich Bobby Kotick kurz geäußert. "Momentan hat Blizzard drei Spiele bestätigt: Starcraft 2, Diablo 3 und ein neues MMO, das eine etwas breitere Masse ansprechen wird" . Das kann wohl als weiterer Beleg dafür gelten, dass die Unternehmen mit dem Projekt ganz neue Wege gehen. Klar ist, dass das Onlinespiel auf keiner der bislang bekannten Marken von Blizzard basieren wird.

Kotick gibt an, dass sein Unternehmen derzeit rund 30 Prozent des operativen Gewinns auf stationären Konsolen erzielt, 10 Prozent auf mobilen Plattformen wie Nintendo DS oder dem iPhone, sowie rund 50 Prozent im Internet. Hier dürften insbesondere die Abogebühren für World of Warcraft gemeint sein. Ein Problem für weiteres Wachstum sei, dass die Kunden in vielen der weltweiten Märkte nicht über Konsolen wie die Xbox 360 oder die Playstation 3 verfügten. Deshalb sei für die nahe Zukunft zu "erwarten, dass viele unserer Produkte ohne eine Konsole spielbar sein werden" , so Kotick. Was stattdessen funktionieren könnte, seien Geschäftsmodelle auf Basis von modernen Fernsehern mit Browser, die per Breitband an das Internet angeschlossen sind. Ohne die Firmennamen zu nennen, deutete Kotick an, dass beispielsweise die Streamingangebote von Gaikai oder Onlive zum Einsatz kommen könnten.

Auch zum Thema der Unternehmenskultur bei Activision Blizzard äußerte sich Kotick. Die habe nur ein Ziel: künftig einen operativen Gewinn von 50 Prozent zu erzielen. Intern würden nur "Profite belohnt und sonst nichts" . Es gebe Studiochefs, die noch vor fünf Jahren kein "Balance sheet" (Bilanzblatt) von einem "Bed sheet" (Bettlaken) unterscheiden konnten, und jetzt tauchten sie regelmäßig zu Budgetverhandlungen in der Finanzabteilung auf. Kotick sagte, er habe vor zehn Jahren absichtlich neue Mitarbeiter aus anderen Branchen zu Activision gebracht, um "den Spaß aus der Entwicklung von Videospielen" zu vertreiben. Er versuche, bei Activision eine Atmosphäre von "Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst" zu etablieren, um die Mitarbeiter insbesondere angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise dazu zu bringen, stark auf die Kosten zu achten.

Kotick sprach auch über neuen Technologien. So stellte er ein Gesichtsanimationsverfahren vor, das beispielsweise die Bewegungen von Mündern deutlich realistischer darstellt. In aktuellen Programmen seien die noch zu künstlich, deshalb könnten Spieler immer noch keine echte emotionale Verbindung zu den Spielefiguren herstellen. Mit den kommenden Algorithmen sei es möglich, das zu ändern. Die Verfahren würden auch ohne neue Hardware in der nächsten Generation von Spielen zur Verfügung stehen – gemeint sind wohl Titel ab dem Jahr 2010.

Neue Konsolen erwartet Kotick nicht allzu bald. Normalerweise würden Nintendo, Microsoft und Sony etwa zwei Jahre vor öffentlichen Ankündigungen auf die Publisher zugehen und über Wünsche, Blaupausen und Spezifikationen reden. Das sei bislang nicht geschehen. Ohnehin würden weiter verbesserte Grafiken gar nicht mehr so hoch auf der Prioritätenliste stehen wie früher – wichtiger seien Onlinefunktionen sowie neue Bedienkonzepte. Außerdem würden auch aktuelle Spiele die Playstation 3 oder Xbox 360 technisch noch nicht vollständig ausreizen.

Die Ausführungen von Kotick bei der Deutsche Bank Securities Technology Conference sind als Audiostream(öffnet im neuen Fenster) verfügbar.


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