Freefreehand.org will Freehand reanimieren
Auslöser der Projektgründung war die aktuelle MacOS-Version Snow Leopard alias MacOS X 10.6. Im Vorfeld der Veröffentlichung von MacOS X 10.6 gab es Gerüchte, dass Freehand mit dem aktuellen MacOS nicht mehr funktionieren würde. Im Zusammenspiel mit Rosetta läuft die Software aber weiterhin, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Die beziehen sich auf den PDF-Export, Farbverläufe und den Ausdruck. Generell wird bemängelt, dass es keine native Version von Freehand für Apples Intel-Systeme gibt.
Die Initiatoren von Freefreehand.org(öffnet im neuen Fenster) halten Freehand für das beste Vektorzeichenprogramm auf dem Markt und wollen das Produkt daher nicht sterben sehen. Sie befürchten, dass sie ansonsten irgendwann gezwungen sein werden, auf ein anderes Produkt umzusteigen, das sie für minderwertiger halten.
Gemeinnützige Stiftung geplant
Zunächst will Freefreehand.org möglichst viele Menschen ansprechen und zusammenbringen, die wollen, dass an Freehand wieder entwickelt wird. In einem weiteren Schritt soll dann eine gemeinnützige Stiftung gegründet werden, um Spenden einnehmen zu können. Mit dem gesammelten Geld soll die Zukunft von Freehand gesichert werden. Einen Zeitrahmen nannte das Projekt nicht. Die Stiftungsgründung beginnt, wenn es die Anwälte des Projekts für angebracht halten.
Nachdem Macromedia Mitte 2005 von Adobe aufgekauft worden war, wurde zwei Jahre später jeder weitere Support für Freehand eingestellt. Freehand-Nutzer wurden aufgerufen, auf Adobes andere Vektorzeichensoftware Illustrator zu wechseln.
Das Projekt sieht nun drei Möglichkeiten, wie Freehand wiederbelebt und weiter gepflegt werden kann. Dabei soll die Software um Fehler bereinigt und aktualisiert werden. Vor allem soll eine Intel-Version für MacOS von Freehand entstehen. Zwei Optionen setzen eine Zusammenarbeit mit Adobe voraus und es ist ungewiss, ob der Konzern an einer der Optionen interessiert ist.
Adobe könnte Updates der Software veröffentlichen, die von den Freehand-Nutzern mit Lizenzgebühren bezahlt werden. Damit würde die Entwicklung bei Adobe stattfinden. Allerdings wären die Nutzer darauf angewiesen, dass der Hersteller den Support nicht bald wieder einstellt. Als zweite Möglichkeit erklärt sich Adobe einverstanden, den Softwarecode von Freehand herauszugeben und ihn der Open-Source-Gemeinde gegen einen festzulegenden Preis zur Verfügung zu stellen. Dann können interessierte Entwickler die Software weiter pflegen, ohne dass Adobe damit noch etwas zu tun hätte.
Klage geplant, wenn Adobe nicht kooperiert
Falls sich Adobe auf keinen dieser beiden Vorschläge einlässt und die Stiftung genug Geld sammeln konnte, gibt es auch den Rechtsweg als Option. So soll Adobe per Gerichtsurteil gezwungen werden, eine der obigen Optionen umzusetzen. Das soll durch einen sogenannten "class action antitrust lawsuit" umgesetzt werden. Die Anwälte von Freefreehand.org sehen wenig Chancen, damit vor Gericht zu gewinnen, aber die Macher des Projekts zeigen sich kämpferisch, denn wenn Adobe auf keine der beiden ersten Optionen eingeht, bleibt kein anderer Weg übrig. Es wäre dann die letzte Hoffnung der Freehand-Fans, die Software am Leben zu erhalten.
Das Projekt Freefreehand.org wurde von Thü Hürlimann aus der Schweiz ins Leben gerufen. Hürlimann war Art Director bei Macworld und Computerworld Schweiz und hat sich mit einer Gruppe von Designern zusammengetan. Dazu zählt auch Jabez Palmer aus den USA von Bez Design in Seattle. Bereits 1.400 Anwender haben sich als Mitglieder bei dem Projekt gemeldet und wollen, dass die Entwicklung von Freehand wieder aufgenommen wird.



