Spieletest: The Whispered World - trauriges Traumabenteuer

In The Whispered World steuert der Spieler den melancholischen Clown in klassischer Adventure-Art durch die vier Kapitel einer wendungs- und überraschungsreichen Handlung. Die Steuerung orientiert sich an Genrestandards und bietet die wichtigsten Komfortfunktionen: Auf Knopfdruck markiert das Programm alle nutzbaren Gegenstände, Dialoge lassen sich abbrechen, Reisen finden vorwiegend auf einer Übersichtskarte statt. Neben vielen einfachen Rätseln warten auch einige überdurchschnittlich komplexe und komplizierte Puzzle.
Sadwick ist in einem Fantasyland unterwegs, das schon vor der Offenbarung des tatsächlich nahenden Endes angeschlagen ist: Der König soll krank oder sogar tot sein, seltsame Angreifer belagern die Städte und zusätzlich zerfallen Teile der Welt einfach so – auch deshalb blitzen gelegentlich Erinnerungen an das Buch "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende durch.
Treu zur Seite steht Sadwick ein kleines grünes Multifunktionstier mit dem Namen Spot. Über dessen Aussehen und Fähigkeiten bestimmt der Spieler in einem Extramenü am Bildschirmrand: Ein Klick und aus der Raupe wird eine Art Kugelfisch. Später kommen weitere Formen und Möglichkeiten hinzu – Spot kann dann beispielsweise Hindernisse mit seinem Feueratem aus dem Weg brennen.
Die Grafik verzichtet auf moderne 3D-Spielereien und setzt ganz auf klassische Bitmaps. Die haben es aber in sich: Alle Umgebungen sind aufwendig gezeichnet und dabei stimmungsvoll in Szene gesetzt – tatsächlich ist The Whispered World eines der schönsten derzeit erhältlichen Adventures. Dabei verwendet das Programm eine Auflösung von nur 1.024 x 768 Pixeln, was aber selbst auf großen Breitbildmonitoren erstaunlich wenig stört. Deutlich weniger gelungen sind die Animationen der Figuren, die manchmal ungelenk wirken oder Bewegungen nur andeuten. Alle Figuren im Programm sind aufwendig vertont, die Sprecher gut ausgewählt.
The Whispered World ist nur für Windows-PC erhältlich und kostet rund 40 Euro. Das Programm setzt einen Prozessor mit 2 GHz voraus und benötigt 1 GByte RAM. Auf der Festplatte belegt es 3 GByte Speicher, die Grafikkarte muss über 256 MByte RAM verfügen und mindestens DirectX 9.0c beherrschen.
Als Kopierschutz setzt Publisher Daedalic auf Old-School-Mechanismen: Der Schachtel liegen drei bunte Kunststoffwürfel bei, von denen der Spieler bei jedem Programmstart am Bildschirm angezeigte Runensymbole eingeben muss – beim ersten Mal ganz lustig, dann rasch nervig. Außerdem sorgt ein Kopierschutzsystem von Tagès dafür, dass die DVD im Laufwerk liegt; bei der Deinstallation des Spiels lassen sich die Tagès-Dateien auf Wunsch ebenfalls vollständig entfernen. Die USK hat Sadwicks Abenteuer ab sechs Jahren freigegeben. Auf der offiziellen Homepage steht eine rund 700 MByte große, spielbare Demoversion(öffnet im neuen Fenster) bereit.
Fazit
Melancholie spielt in Adventures selten eine Rolle. Schön, dass sich die Macher von The Whispered World das getraut haben. Die Abenteuer von Sadwick gehören zu den besseren Abenteuern des Genres. Story und Dialoge sowie die Atmosphäre sind klasse gelungen. Jammern auf hohem Niveau könnte man über einige zu abgedrehte Rätsel, aber unterm Strich kommen Spieler mit etwas Erfahrung doch ganz gut durch die Handlung. Genrefans sollten diesem spannenden und ungewöhnlichen Werk eine Chance geben.



