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Test: Core i5 und neuer i7 mit mehr Turbo und Sparmaßnahmen

Mainboards und CPUs jetzt deutlich günstiger. Mit dem neuen Kern "Lynnfield" will Intel die Nehalem-Architektur fit für den Massenmarkt machen. Der Umstieg vom Core 2 Quad wird jedoch lange dauern, auch wenn der Turbo-Boost der neuen CPUs erweitert wurde und die Lynnfields deutlich weniger Energie als bisherige Nehalems erfordern. Zudem sind wieder einmal neue Mainboards und Kühler fällig.
/ Nico Ernst
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In Deutschland kann man Mainboards für den Core i5 und den neuen Core i7 schon seit Wochen kaufen, in Asien auch die zugehörigen Prozessoren. Dennoch hat Intel erst jetzt die letzten Informationen zur neuen Mainstream-Plattform freigegeben. Unbestätigten Angaben zufolge wurde der Marktstart für die CPUs mit dem Kern "Lynnfield" und den Chipsatz P55 mehrfach verschoben: Aufgrund der starken Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die PC-Branche waren die Lager der Computerhersteller monatelang voll mit Komponenten .

In einer solchen Situation kann selbst Intel einen kompletten Plattformwechsel nicht erzwingen. Also kommt Lynnfield nun erst Ende des dritten Quartals 2009 auf den Markt. Der neue Prozessor startet dabei auch die Serien Core i7 800 und Core i5 700, vorerst gibt es jedoch nur drei Modelle – weitere werden folgen. Schon die Namensgebung macht klar, dass die Lynnfields nicht das Leistungsniveau des Core i7 900 erreichen sollen. Diese Linie bleibt weiter im Angebot, gerüchteweise wird sie 2010 mit dem Kern "Gulftown" mit sechs Cores fortgeführt.

Prozessor Takt nominal max. Turbo-Takt US-Dollar
Core i7 870 2,93 GHz 3,60 GHz 555,-
Core i7 860 2,80 GHz 3,46 GHz 285,-
Core i5 750 2,66 GHz 3,20 GHz 199,-

Schon die Preise zeigen, dass Core i5 und Core i7 800 nicht mehr viel mit dem Luxusspielzeug zu tun haben, das der Core i7 bis auf das wenig attraktive Einstiegsmodell 920 bisher darstellte. Vor allem der Core i5 750 mit 199 US-Dollar OEM-Preis liegt auf dem Niveau der günstigsten Quad-Cores von Intel – und auf dem von AMDs Phenom II X4 mit Ausnahme der Spitzenmodelle.

Intel macht sich selbst also in der für PC-Hersteller besonders attraktiven Preisklasse der Prozessoren unter 300 US-Dollar kräftig Konkurrenz. Mit diesen CPUs werden die Rechner unter 800 US-Dollar beziehungsweise Euro gebaut, wo die Stückzahlen und Margen besonders günstig liegen. Diese Preisklasse ist für langlebige Büroausstattungen und Privat-PCs immer noch sehr beliebt, auch wenn auch dort der Trend zum Notebook ungebrochen ist.

Produkte und Politik

Seit über zehn Jahren gab es zu einer neuen Intel-Plattform nicht mehr so viele inoffizielle Informationen oder je nach Sichtweise auch virales Marketing vor dem Marktstart im Netz zu finden – kurzfristig auch bei Intel selbst . Die sehr langfristigen Planungen des Chipherstellers, von denen in erster Linie die Anbieter von Mainboards und PCs abhängig sind, lassen sich eben genauso schnell ändern, wie ein Öltanker zu einer 180-Grad-Wende zu bewegen ist. Folglich gab es bereits auf der Cebit 2009 und später auf der Computex fertig entwickelte Mainboards mit dem neuen Sockel LGA 1156 zu sehen, und verschwunden sind diese Produkte seitdem nicht mehr.

Nach über drei Jahren "Core 2" als Maß der Dinge brennt die PC-Branche darauf, endlich wieder komplett neue Plattformen anbieten zu können. Dass es sich dabei aber um die Sparversion – im Guten wie im Schlechten – des Core i7 handelt, lässt sich mit vielen kleinen Details verschleiern. Das fängt bei der Taktfrequenz an: Intel gibt inzwischen auch in seinen eigenen Unterlagen nicht mehr nur den Basistakt der CPU an, also die Frequenz, die sie garantiert erreicht. Auch die maximale Frequenz des Turbo-Boost wird nun genannt. Wie in unserer Vorstellung der Nehalem-Architektur ausführlich beschrieben, können sich diese Prozessoren selbst übertakten. Beim bisherigen Core i7 mit dem Kern "Bloomfield" waren dafür zwei Stufen vorgesehen, auch "Bins" genannt. Jede dieser Stufen hat 133 MHz, entspricht also dem physikalischen externen Takt der CPU oder einer Stufe des Multiplikators. Die Lynnfields können sich um bis zu fünf Stufen übertakten.

Das ergibt auf dem Papier für den Core i7 870 dann statt nominal 2,93 GHz schon 3,6 GHz – oder auch genau den Takt, den der Core i7 975, Intels schnellste und teuerste Desktop-CPU, per Turbo-Boost erreichen kann. Schneller als der bisherige Core i7 kann die neue Serie also ohne Übertaktung durch den Anwender nicht werden.

Die zweite wesentliche funktionale Neuerung der Nehalem-Architektur ist die Rückkehr des Hyperthreading . Diese mit dem Pentium 4 eingeführte Technik stellt gegenüber dem Betriebssystem doppelt so viele Kerne dar wie tatsächlich vorhanden sind. Die Funktionseinheiten der Cores werden bei gut gethreadeten Anwendungen so flexibler genutzt.

Laut Intel und auch nach den bisherigen Messungen von Golem.de sind durch Hyperthreading im Idealfall 20 Prozent mehr Rechenleistung zu erzielen. Ein noch wesentlicherer Vorteil ist aber, dass der Rechner auch bei Volllast durch Hyperthreading immer noch schnell auf Benutzereingaben reagiert.

So ist es beispielsweise beim Umrechnen eines Videos, wobei alle acht virtuellen Kerne belastet werden, kein Problem, noch eine größere Office-Anwendung zu starten. Das gilt auch für das Surfen auf komplexen Webseiten während der gleichen Aufgabe. Diese Vorzüge gibt es aber nur beim Core i7 – beim Core i5 hat Intel das Hyperthreading gestrichen. Die Cache-Ausstattung hat Intel bei den neuen CPUs nicht verändert. Wie schon bei der Serie Core i7 900 gibt es auch bei Core i7 800 und Core i5 700 je 256 KByte L2-Cache pro Kern und einen gemeinsamen L3-Cache für alle Kerne. Dieser L3-Cache ist bei den Zwischenspeichern der größte Unterschied zu den Core-2-Prozessoren, die viel ihrer Leistung aus den bis zu 3 MByte L2-Cache für einen einzelnen Kern ziehen.

Chipsatz mit nur einem Chip

Statt drei Speicherkanälen wie noch beim Bloomfield, die in der Praxis aber kaum Vorteile bringen, gibt es bei Lynnfield derer nur noch zwei. Daher besitzt der neue Sockel nur noch 1.156 statt 1.366 Kontakte. Damit konnte auch das Chipgehäuse, auch Package genannt, deutlich kompakter werden. Mit zwei Speicherkanälen sind zudem einfacher zu konstruierende und damit billigere Mainboards möglich.

Der Wegfall eines Speicherkanals hat jedoch das Die nicht verkleinert: Statt 731 Millionen Transistoren bei Bloomfield sind es bei Lynnfield 774 Millionen. Das liegt an der Integration eines PCI-Express-Controllers in der CPU. Den QPI-Link von Bloomfield, welcher beim X58-Chipsatz die Northbridge ansprach, hat Intel im Gegenzug gestrichen.

Der PCIe-Controller im Lynnfield ist jedoch nur für die Grafikkarten zuständig. Dafür gibt es nur 16 Lanes. Es lässt sich also eine Grafikkarte mit voller Anbindung ansteuern oder zwei mit je acht Lanes. Auch das ist bei Spielen aber nicht von Nachteil, da der Controller nach PCI-Express-2.0 ausgeführt ist, was doppelt so schnell ist wie die erste Version der Schnittstelle. Ein PCIe-2.0-Slot mit x8 ist mit 8 Gigabyte pro Sekunde so schnell wie x16 bei PCI-Express-1.0.

Da die Steuerungseinheiten für Speicher und Grafikkarten nun in der CPU sitzen, kommt Intel mit einem einzelnen Baustein für das aus, was immer noch Chipsatz genannt wird. Nvidia hat das, zuerst durch Apple, mit der Serie Geforce 9400 populär gemacht, auch wenn es ähnliche Lösungen, unter anderem von Via, schon früher gab.

Intels P55-"Chipsatz" ist jedoch mehr als nur die Southbridge, auch wenn sie deren typische Funktionen mit sechs SATA- und ganzen 14 USB-2.0-Ports gut erfüllt. Es gibt darüber hinaus noch acht Lanes nach PCI-Express-2.0, wofür eine in der Regel schon für einen Ethernet-Adapter verwendet wird.

Diese Lanes gilt es für die Mainboardhersteller flexibel aufzuteilen. Sie erreichen nämlich nur 2,5 Gigatransfers pro Sekunde statt den bei PCI-Express-2.0 üblichen 4 GT/s. Das ergibt brutto immer noch 500 MByte pro Sekunde für eine Lane oder einen x1-Slot. Etwa für RAID-Adapter mit eigenen Prozessoren sind damit doch mehrere Lanes erforderlich, um teure Festplattenverbünde nicht zu bremsen.

Nicht in Intels Blockdiagramm verzeichnet sind die vier möglichen Slots für herkömmliche PCI-Karten. Wie der Chiphersteller Golem.de erklärte, ist dieser Bus nicht an die knappen PCIe-Lanes gebunden, sondern verfügt über eine eigene Logik. Auf seinen beiden P55-Mainboards mit voller ATX-Größe hat Intel je zwei PCI-Slots verbaut, nur einer davon ist aber bei Verwendung von zwei doppelt breiten Grafikkarten noch nutzbar.

Der nun auch in 45-Nanometer-Technik gefertigte P55-Chipsatz ist deutlich sparsamer als der X58. Für den P55 gibt Intel eine TDP von nur 4,7 Watt an, beim X58 sind es samt Southbridge ICH10R ganze 28,6 Watt.

Intel-Mainboards jetzt mit "Bling"

Dass Intel seine Mainboards seit der ersten Acht-Kern-Plattform "Skull Trail" mit Schädeln verziert, ist inzwischen bekannt. Dass nun auch absichtliche Schreibfehler wie "teh win" im BIOS stehen und der Schädel auf dem Mainboard bei Festplattenzugriffen rot glühende Augen blinken lassen kann, ist ein Novum. Doch nicht alles am "DP55KG", Codename "Kingsberg", ist Zierat wie das "Bling LED" genannte grellweiße Lämpchen. Wer es übrigens per BIOS nicht nur in einer von drei Stufen dimmt, sondern ganz abschaltet, spart im Stand-by-Modus (ACPI S3) rund 1 Watt Leistungsaufnahme.

Die Ausstattung von Intels High-End-Board für die Lynnfields orientiert sich technisch an dem, was Hardwarefans und Übertakter heute als guten Standard erwarten – anders als das mager bestückte DX58SO (Smackover), das Intels erstes Core-i7-Board darstellte. An Dutzenden Parametern im BIOS des neuen DP55KG kann nun geschraubt werden, ein Einschalter direkt auf dem Board hilft beim Basteln – den Reset-Taster oder gar einen Knopf für das Löschen des CMOS-Speichers hat sich Intel aber gespart. Das muss der Anwender geradezu archaisch per Jumper vornehmen.

Doch nötig ist das nicht, wenn es nur um zu aggressive Werte für CPU- und Speicherparameter geht. Auf der Slotblende sitzt ein Taster, der sichere Werte einstellt, das Booten verhindert und beim nächsten Start direkt das BIOS aufruft. Das ist deutlich komfortabler als das herkömmliche "Clear CMOS", weil unter anderem das Boot-Laufwerk nicht verstellt wird. Allerdings ist der "Back to BIOS"-Taster auch eine hinterhältige Sabotagemöglichkeit, weil er auf der Rückseite des Rechners sitzt. Dort leuchtet er aber auch warnend rot, so dass schon ein Blick unter den Schreibtisch genügt, um herauszufinden, ob vielleicht ein Scherzbold sein Unwesen trieb.

Häufig brauchen wird man die drei Anschlüsse für Gehäuselüfter mit vierpoligem PWM-Kabel, weniger oft die acht USB-2.0-Ports und selten die acht SATA-Anschlüsse sowie die zwei eSATA-Ports gleichzeitig. Hoffentlich gar nicht nötig sind die POST(öffnet im neuen Fenster) -LEDs, die Fehler bei der Hardwareinitialisierung anzeigen. Rar sind auf Mainboards auch Bluetooth, UEFI-Support und ein optischer S/P-DIF-Eingang, ein ebensolcher Ausgang für Digitalton steht auch bereit. Welche Aufgaben allerdings der neunte USB-Port direkt auf dem Mainboard übernehmen soll, konnte auch Intel nicht erklären – er ist jedenfalls nicht für das gescheiterte Turbo-Memory mit USB-Sticks als Festplattencache gedacht, war immerhin noch zu erfahren. Denkbar wären hier beispielsweise Notfallsysteme zum Booten auf USB-Sticks oder Wasserkühlungen und interne USVs. Erst Mitte 2010 plant Intel mit dem Flash-Modul "Braidwood" einen neuen Cache auf dem Mainboard.

Halbierter Kühler in neuem Format

Natürlich ist für eine neue Plattform mit neuem Sockel auch wieder ein neues Kühlerformat fällig. Die Kühler für den LGA 1156 erfordern einen Lochabstand von 75 Millimetern, nicht mehr 80 wie beim LGA 1366. Schon für diesen gab es aber Mainboards, auf die auch ältere Kühler passten, wie das Asus P6T ohne den Namenszusatz "Deluxe".

Da die TDP der Lynnfields bei 95 Watt statt 130 Watt für Bloomfield liegt, hat Intel seinen Boxed-Kühler gleich halbiert: Seine Rippen sind nur noch 14 statt 30 Millimeter hoch, und das Gewicht schrumpfte von 499 auf 254 Gramm. Das erscheint zumindest für den Core i7 870 recht knapp, denn bei längerer Volllast wie mit mehreren Durchläufen von Cinebench R10 und erst recht bei Quälprogrammen wie Core2MaxPerf wird der Lüfter laut. Sobald die Last des Taskmanagers aber auch nur auf 95 Prozent fällt, herrscht aber wieder Ruhe.

Auch mit dem Boxed-Kühler lief der 870 aber in allen Tests stabil, Intel empfiehlt für Übertaktungsversuche jedoch Kühler von Drittherstellern.

Ehrlicherweise verbaut Intel auf dem DP55KG als zweiten Grafikslot nur einen mit x8-Bestückung, x16-Karten passen dennoch mechanisch hinein. Viele andere Mainboards blenden durch einen x16-Slot, der nur mit acht Lanes beschaltet ist. Auf diesem Board funktioniert auch SLI, ebenso wie beim Micro-ATX-Pendant "DP55SB" (Sharpsburg).

Daneben gibt es auch noch das DP55WG (Warrensburg) in voller Größe und das DP55WB (Whitesburg) als Micro-ATX. Diesen beiden Boards fehlen unter anderem eSATA auf der Slotblende, einige Übertaktungsfunktionen, der BIOS-Schalter und die SLI-Lizenz.

Richtig günstig sind diese Boards alle noch nicht, sie kosten ab rund 90 Euro, das DP55KG sogar noch rund 170 Euro. Das ist aber immer noch günstiger als die über 200 Euro, die für die ersten X58-Boards aufgerufen wurden.

Intels DP55WG verweist mit seinem geradezu winzigen Aluhütchen von 32 Millimetern Kantenlänge für den P55-Chip auch die aufwendigen Heatpipe-Konstruktionen taiwanischer Mainboards ins Reich von Fuchsschwänzen und Spoilern an Mitteklasse-Kombis. Eine Heatpipe stünde allenfalls den Spannungswandlern gut zu Gesicht, sie werden unter Last deutlich mehr als handwarm – ein CPU-Kühler, der sie wie das Boxed-Modell anpustet oder ein guter Gehäuselüfter sind hier Pflicht.

Testsysteme und Verfahren

Für diesen Test haben wir unsere Benchmarksuite aus den Messungen für den ersten Core i7 modernisiert und auf Windows Vista in der 64-Bit-Version umgesetzt. Sämtliche Ergebnisse sind damit nicht mit früheren Tests vergleichbar. Bedingt durch die drei Speicherkanäle des Core i7 900 ergeben sich für die anderen Mainboards mit ihren vier Speicherslots als gleich große Speichermenge als praxisnaher Wert nur 6 GByte. Diese setzen wir aus 2 x 2 GByte von Corsairs "Dominator"-Serie zusammen sowie zwei 1-GByte-DIMMs von Kingston. Auf den Core i7 900 laufen drei der Corsair-Riegel. Diese Mischbestückung lief auf allen Mainboards mit gleichen Timings von 8-8-8-22 bei effektiv 1.333 MHz stabil.

Die Corsair-Speicher sind Vertreter der noch raren "Low-Voltage-DIMMs". Die Speicherhersteller meinen damit Bausteine, die auch bei den von Intel maximal spezifizierten 1,65 Volt für die Speicherkanäle noch hohe Taktfrequenzen erreichen – in diesem Fall bis zu 1.600 MHz effektiv. Für DDR-3 sind von der JEDEC eigentlich 1,5 Volt vorgesehen, und das nicht ohne Grund: Auf mehreren X58-Boards konnten wir beobachten, dass auch bei 1,65 Volt die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems jenseits von 1.066 MHz – die Intel für den Core i7 900 spezifiziert hat – um 10 bis 20 Watt anstieg. Da Intel für die Lynnfields maximal DDR3-1.333 empfiehlt, haben wir diesen Takt und die oben erwähnten Timings auf allen Mainboards eingestellt. Die Corsair-Speicher liefen aber auch mit 1.600 MHz bei Timings von 8-8-8-24 zu viert mit dann 8 GByte im DP55KG stabil. Maximal kann der Speichercontroller der Lynnfield 16 GByte ansprechen.

Als Mainboards für die Core i7 900 diente das Asus P6T Deluxe, die Core-2-Prozessoren liefen im Gigabyte X48T-DQ6 und der Phenom II X4 965 im Gigabyte MA790FXT-UDP. Außer Prozessor, Mainboard und Kühler waren für jeden Test alle anderen Komponenten identisch: Die von Kingston vertriebene Intel-SSD X25-M mit 80 GByte und aktueller Firmware lieferte Betriebssystem und Anwendungen, die zu verarbeitenden Daten eine Seagate Barracuda ES.2 mit 1 TByte. Als Grafikkarte kam AMDs Radeon HD 4870 X2 mit Catalyst 9.8 in der 64-Bit-Version zum Einsatz, als Netzteil das Dark Power Pro von BeQuiet mit 850 Watt.

PCMark Vantage und WinRar 3.9 haben wir in der 64-Bit-Version betrieben, nicht aber den Cinebench R10, da er auch für 32-Bit-Systeme und ebensolche Prozessoren noch als Vergleich dienen soll. Dieser Benchmark liefert in der 64-Bit-Version deutlich höhere Werte, die aber ähnlich gut skalieren wie die 32-Bit-Ergebnisse.

Windows Vista Ultimate in der 64-Bit-Version wurde mit Service Pack 2 betrieben, sämtliche leistungszehrende Hintergrunddienste wie die Datenträgerindizierung, Systemwiederherstellung oder das Media-Center wurden deaktiviert. Ein kurzer Versuch mit der endgültigen Fassung von Windows 7 zeigte, dass Intels Universaltreiber für dieses Betriebssystem und Vista alle Geräte richtig installieren.

Mehr Turbo, aber mit Drehzahlbegrenzer

Die verwendeten Intel-CPUs sind entweder die schnellsten Vertreter der jeweiligen Architektur (Core i7 975 mit 3,33 GHz, Core 2 Quad QX9770 mit 3,2 GHz) oder liegen mit ihrem Takt sehr nahe an dem der neuen Modelle. Der Core 2 Quad Q9400 mit 2,66 GHz entspricht mit einem OEM-Preis von 183 US-Dollar auch fast dem Core i5 750 mit 199 US-Dollar und ist gleich getaktet wie dessen nominale Taktfrequenz. Besonders interessant ist der Vergleich des Core i7 950, der zum Testzeitpunkt für OEMs noch 562 US-Dollar kostet, mit dem Core i7 870 für 555 US-Dollar.

Eine Sonderstellung nimmt der QX9770 mit 3,2 GHz ein, den Intel schon lange abgekündigt hat – er war der schnellste Core 2 Quad, den es je gab. Von Intel lieferbar ist nur noch der Q9650 mit dem gleichen Penryn-Kern, er ist mit 3,0 GHz aber ein wenig langsamer. AMDs Phenom II X4 965 mit 3,4 GHz ist derzeit das schnellste Modell des Intel-Konkurrenten. Den Core i7 860 mit nominal 2,8 GHz konnte Intel noch nicht zur Verfügung stellen – dabei wäre er mit nur einer Taktstufe weniger für 285 US-Dollar aber nach der Papierform die interessanteste der neuen CPUs. Als Vertreter der Dual-Cores haben wir den Core 2 Duo E8500 mit 3,16 GHz vermessen.

Wie Intel seit dem Erscheinen des ersten Core i7 Golem.de mehrfach erklärte, sind die Ergebnisse der Nehalem-Prozessoren nicht immer mit unterschiedlichen Exemplaren desselben Modells reproduzierbar. Der Chiphersteller garantiert nur die nominale Taktfrequenz der CPU, ob und wie weit sie den Turbo-Boost zuschaltet, kontrolliert allein die Power Control Unit (PCU) im Prozessor, die Parameter wie Temperatur und Spannungen überwacht.

Bei einem halben Dutzend Prozessoren der Serie Core i7 900 war bisher zu beobachten, dass die CPUs auch unter Volllast wie bei Cinebench immer um eine Stufe von 133 MHz nach oben schalteten, auch bei stundenlangen Durchläufen. Unser Exemplar des Core i7 870 tat das nicht, es verharrte nach wenigen Sekunden bei 2,93 GHz. Dieses Verhalten war jedoch nur bei diesem Test und bei 3Mark Vantage zu beobachten. Der Core i5 750 lief auch bei diesen Tests konstant mit 2,8 GHz, also wieder eine Stufe schneller.

Bei den anderen Tests regeln alle CPUs ihren Takt dynamisch, um je nach Auslastung Energie zu sparen. Sämtliche Messungen wurden mehrfach wiederholt, grobe Ausreißer ergaben sich dabei nicht.

Die Erfahrungen mit dem Turbo-Boost der Lynnfield-CPUs legen den Verdacht nahe, dass Intel den Rahmen der PCU für die nun mit 95 Watt TDP angegebenen CPUs deutlich enger gesteckt hat als bei den Bloomfield-Prozessoren. Das ist im Sinne der Energieersparnis zu begrüßen, waren und sind die ersten Core i7 doch gemessen am Mehr der Rechenleistung Verschwender. Das dürfte aber nicht der einzige Beweggrund gewesen sein: Die nur noch halb so großen Kühler verbilligen die Materialkosten für die PC-Hersteller deutlich.

Synthetische Benchmarks

Cinebench R10 von Maxon basiert auf der Rendering-Anwendung Cinema4D und lastet laut Angaben des Herstellers bis zu 16 Kerne voll aus. Bei den acht virtuellen Kernen der Nehalem-CPUs war das auch gut zu beobachten, sie liefen stets zu 100 Prozent.

Erwartungsgemäß können die Core-i-Prozessoren das HyperThreading hier voll ausspielen, und das Fehlen dieser Funktion wirft den Core i5 deutlich zurück. Wie gut ein Raytracer mit vielen Kernen skalieren kann, zeigt das Ergebnis des Core 2 Duo.

Das in der ersten Version bereits 1995 veröffentlichte Programm SuperPi (hier in der Ausgabe 1.5 XS, die auch unter Vista läuft) ist bei Übertaktern und Rekordjägern immer noch sehr beliebt. Es berechnet die Kreiszahl Pi auf Millionen von Nachkommastellen und gibt sehr exakte Werte aus, kleine Werte sind hier besser.

Da SuperPi kaum in Threads aufgeteilt ist, zeigt sich hier gut die Effizienz der Rechenwerke und Caches. Die Optimierung des Nehalem auf kleine Schleifen verschafft ihm offenbar einen deutlichen Vorteil gegenüber den Core-2-CPUs, denen unter anderem der L3-Cache fehlt. Das Duell zwischen Core i7 950 und 870 endet unentschieden, da beide hier in etwa mit denselben Taktfrequenzen arbeiten.

Was die erweiterten Turbo-Stufen bringen können, zeigt sich beim CPU-Test von 3DMark Vantage im Profil "Performance". Das Programm arbeitet hier mit einer Physiksimulation kombiniert mit Wegfindungsalgorithmen und ist sehr fein in Threads aufgeteilt, so dass alle CPUs mit Hyperthreading deutlich vorne liegen. Die Core i7 900 setzen sich nochmals etwas ab, da sie ihren Turbo öfter zuschalten.

PC Mark Vantage

Der Test von Futuremark basiert nicht auf echten Anwendungen, nutzt aber zahlreiche Funktionen von Windows Vista aus. In der "Overall"-Suite bildet er von Medienverarbeitung über Webbrowsing bis zu Office-Programmen nahezu alle Alltagsaufgaben ab. Zudem startet er bei "Overall" viele Threads, wie es auch der Fall ist, wenn viele Anwendungen gleichzeitig geöffnet sind.

Folglich gewinnen auch hier die Core i7, der QX9770 mit seinen insgesamt 12 MByte L2-Cache und hohem Takt schlägt aber den Core i5. Der hohe Takt von 3,4 GHz lässt den Phenom II vor dem Core i5 landen, er kommt fast an den kleinsten Core i7 heran.

Die Suite "Music" des PC Mark arbeitet mit mehr Komprimierungstests als der Overall-Test. Hier können die Lynnfields ihren erweiterteten Turbo-Boost ausspielen, ebenso wie der Phenom II seinen hohen Takt. Da es dabei weniger Threads zu bearbeiten gibt, ist auch der Dual-Core noch nicht so weit abgeschlagen wie beim Overall-Test.

Medienbearbeitung

Mit der aktuellen Version 8.2.1.6 von iTunes konvertierten wir eine 700 MByte große WAV-Datei in ein MP3 mit variabler Bitrate von höchstens 256 Kilobit pro Sekunde bei maximaler Qualitätseinstellung. Dies entspricht der Zeit, die für eine randvolle CD nötig wäre, so deren Dateien sich schon auf der Festplatte befinden.

Alle Prozessoren liegen hier dicht beisammen, weil die Routine nur zwei Kerne voll auslastet. Der Phenom II kann sich aber nicht durchsetzen, weil seine SSE-Einheiten langsamer als die der Intel-CPUs sind.

Recht ordentlich lastet Windows Movie Maker alle acht virtuellen Kerne einer Nehalem-CPU aus. Eine 41 Minuten lange Datei aus einer HD-Kamera im Format AVCHD (1.440 x 1.080 Pixel) ist mit dem 965 in weniger als Echtzeit in eine WMV-Datei mit 720p verpackt. Dieses Format schlägt das Programm für eine Xbox 360 zur Wiedergabe vor.

Die Kombination aus Hyperthreading und Turbo-Boost lässt alle Core i7 gewinnen, großer Cache und hoher Takt bringen den QX9770 aber vor den Core i5, und auch der Phenom II muss sich nicht verstecken. Dass die Medienkonvertierung eine Domäne der Quad-Cores ist, zeigt das Ergebnis des Core 2 Duo. Dennoch bewältigt auch der E8500 diese Aufgabe nur in etwas mehr als Echtzeit.

Weniger gut in Threads aufgeteilt ist Nikons Capture NX, das unter anderem der Konvertierung von RAW-Fotos dient. Das Programm muss in unserem Test 257 Bilder von 1,36 GByte in unkomprimierte TIFF-Dateien wandeln. Die hohe Datenmenge mit kurzen Rechenzeiten lastet auch die schnelle Intel-SSD aus, dennoch zeigt sich auch hier der Vorteil, wenn der Prozessor viele Threads parallel verarbeiten kann, weil insbesondere die Threads des Betriebssystems ständig den Kern wechseln. Die Hyperthreading-CPUs bringt das weniger durcheinander als den Rest des Testfeldes.

Dateikomprimierung und Spiele

Die gleichen RAW-Dateien wie beim Konvertierungstest muss WinRAR 3.9 in der 64-Bit-Version mit normaler Kompressionsstufe in ein RAR-Archiv verpacken. Der Hersteller hatte für die neue Version unter anderem eine bessere Aufteilung in Threads versprochen, und das zeigt sich deutlich: Die Core i7 sind klar vorn. Dass auch ein schneller Dual-Core einen langsameren Quad-Core schlagen kann – noch dazu wenn dieser einen weniger großen L2-Cache hat -, zeigt der Vergleich von Core 2 Duo E8500 und Core 2 Quad Q9400.

Die sonst an dieser Stelle üblichen Tests mit dem Spiel Crysis müssen wir schuldig bleiben. Mit der Radeon HD 4870 X2 war das Spiel bis auf Messungen mit dem Dual-Core-Prozessor im 32-Bit- wie 64-Bit-Modus auf allen anderen CPUs nahezu gleich schnell.

Bei einem kurzen Vergleich zwischen Core i7 950 (62,0 fps) und Core i7 870 (58,2 fps) ergaben sich reproduzierbare Unterschiede, sobald eine Geforce GTX-295 im Rechner steckte. Wir tippen auf Probleme mit dem nochmals auf Crysis optimierten Catalyst 9.8 auf 64-Bit-Systemen, der ein neues Threading mitbringen soll, AMD konnte das aber nicht unmittelbar bestätigen. Tests mit mehreren Spielen sind für einen folgenden Artikel geplant.

Leistungsaufnahme

95 statt 130 Watt für die CPU und 4,7 Watt statt 28,6 Watt für den Chipsatz sollten bei der neuen Nehalem-Plattform deutliche Einsparungen ergeben. Zudem können Core i7 800 und Core i5 700 sich nun ohne Last auf bis zu 1,2 GHz heruntertakten, nicht mehr nur auf 1,6 GHz. Um auzuloten, wie sparsam sie sein können, haben wir die 4870-X2-Karte durch eine Radeon HD 4670 ersetzt, die für den Vista-Desktop laut AMD nur 11 Watt benötigt.

Auf die Messergebnisse des Render-Test von Cinebench R10, den wir für die Volllastmessung verwendet haben, hat diese Karte keinen Einfluss. Das gilt auch für den neuen Test mit Windows Movie Maker, bei dem nie alle Kerne voll belastet sind.

Hat der Rechner nichts zu tun, stellen die Lynnfields bei weitem die sparsamsten Plattformen in diesem Test dar. Gemessen wird bei allen drei Szenarien stets das Gesamtsystem, also mit SSD, einer Festplatte und Grafikkarte. Selbst die ohne Last recht sparsamen Core-2-CPUs müssen sich durch ihre aufwendigeren Chipsätze von den Lynnfields klar schlagen lassen. Und die bisherigen Core i7 zeigen mit bis zu 40 Watt mehr fürs Nichtstun, wie energiehungrig die X58-Plattform ist.

Dasselbe Bild ergibt sich bei Volllast mit Cinebench R10. Bei nur leicht geringerem Tempo spart der Core i7 870 hier gegenüber dem 950 ganze 50 Watt ein. Die Plattformen mit Core i7 900 haben trotz 130 Watt TDP sogar eine höhere Leistungsaufnahme als der Phenom II, der mit 140 Watt angegeben ist.

Wie effektiv die schnelle Abschaltung von unbelasteten Kernen aber funktionieren kann, zeigt der Test mit Windows Movie Maker, hier schrumpfen die Abstände zwischen den bisherigen und den neuen Core i7. Die neuen Prozessoren sind dennoch klar sparsamer. Und dass eine CPU am Rande ihrer Leistungsfähigkeit sich nicht mehr in die Sleep-States setzen kann, zeigt der Dual-Core.

Fazit

Der Core i7 ist tot, es lebe der Core i7. Nur wer bereit ist, für die letzten 15 Prozent heute mehr erzielbare Rechenleistung fast doppelt so viel Geld für den Prozessor auszugeben und konstant zwischen 40 und 60 Watt mehr elektrische Leistungsaufnahme zu akzeptieren, braucht die Serie Core i7 900 noch. Beide Kriterien, Anschaffungspreis und laufende Kosten, interessieren Technikfans und Übertaktungssportler aber in der Regel wenig, so dass der bisherige Core i7 weiterhin seine Daseinsberechtigung hat – aber nun in einer wesentlich kleineren Nische. Genug herumbasteln kann man nämlich auch an der Serie Core i7 800, und ihre Rechenleistung liegt dank Hyperthreading und Turbo-Boost meist etwas über den schnellsten Core 2 Quad.

Das gilt nicht für den bisher einzigen Core i5. Er braucht unter Last immer noch etwas mehr Strom als vergleichbar schnelle Core 2 Quad, und diese kann er gerade in der Zukunft mit den zahlreicher werdenden, gut in Threads aufgeteilten Anwendungen kaum schlagen, da ihm Hyperthreading fehlt. Somit sitzt der Core i5 zwischen den Stühlen: Er ist nicht immer schneller als gleich teure Core 2 Quad und nur ohne Last wesentlich sparsamer. Gerade das macht ihn aber für Bürocomputer attraktiv, sofern dort nicht noch ein Dual-Core ausreicht.

Dass Intel die TDP von 130 auf 95 Watt gedrückt hat, geht zumindest bei unseren Lynnfield-Prozessoren zulasten des Turbo-Boosts. Zwar kann er in der Theorie bis zu vier statt bisher zwei Stufen hochschalten, aber schon eine Stufe erreichen die Lynnfields unter Volllast nicht mehr so häufig wie die Bloomfields.

Dennoch sind sowohl Core i7 800 als auch Core i5 700 fit für den Massenmarkt – das liegt aber vor allem am Chipsatz aus nur einem Chip, dem P55. Damit können die Mainboardhersteller sehr kompakte und günstige Platinen entwerfen, welche die Gesamtkosten der Plattform drücken. Fraglich ist nur, wie schnell solche Billigboards für Intels neue Prozessoren erscheinen und ob Intel auch anderen Herstellern die Produktion von Chipsätzen erlaubt. Um die Lizenz für Chipsätze für den bisherigen Core i7 streitet sich Intel mit Nvidia noch vor Gericht, andere Chipsatzhersteller halten sich sehr zurück.

Mehr Konkurrenz bei der Plattform könnte auch Intel nutzen, denn nur so geht der Wechsel von der Core-Architektur hin zu Nehalem so schnell wie gewünscht.


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