Transatlantische Zweiraumwohnung

Kunstprojekte wie das "artitsts breakfast" haben früh mögliche zukünftige technologische Szenarien und deren Auswirkungen untersucht. Leider gibt die Projektdokumentation keine Antwort auf die selbst gestellte Frage, wie viel menschliche Nähe über eine Entfernung von mehr als 6.000 Kilometern entstehen kann.

Virtuelle Wohngemeinschaften

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Und dann bieten sich völlig neue Konzepte des Zusammenlebens an. Lässt man technische und energiepolitische Bedenken außen vor, ist die Bildung virtueller Wohngemeinschaften in greifbare Nähe gerückt. Warum nicht zwei Wohnzimmer zusammenschließen? Je nach Aufwand ließe sich durch geschickte Projektion und Abstimmung des Mobiliars ein dauerhaftes Zusammenleben simulieren. Sicher ersetzt nichts den persönlichen Kontakt, aber der Gedanke, ins Nebenzimmer eine Frage zu rufen und mal eben zu sehen, ob der andere auch schon im virtuellen Daheim angekommen ist, ist durchaus attraktiv.

Ernstzunehmende Kritik an der Machbarkeit dessen lässt sich mit Hinweis auf bereits erfolgte Experimente und die aktuellen Entwicklungen entkräften. Ein lichtempfindlicher Videobeamer ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn es um eine dauerhafte Installation geht. Doch bereits vor zehn Jahren zeichneten sich hier Alternativen ab. Golem berichtete etwa 1999 über ein Projekt von Siemens, mittels OLED-Technologie quasi tapezierbare Bildschirme zu entwickeln. Und in den vergangenen Monaten häufen sich die Meldungen über vielversprechende Umsetzungen dieser "TV-Tapete", deren Marktreife wohl in den kommenden Jahren zu erwarten ist. Sie wird schon jetzt als virales Marketing-Element des Landes Sachsen eingesetzt. Selbst die taktile Grenze scheint überschreitbar: Kürzlich führten Wissenschaftler eine fühlbare 3D-Projektion vor.

Körperliche Ferne und emotionale Nähe

Doch bei aller Technikeuphorie: Welche Bedeutung und Auswirkung hat die in greifbare Nähe gerückte virtuelle Lebensgemeinschaft? Es mag zunächst schwer fallen, der rein immateriellen Präsenz eines Gegenübers eine ernstzunehmende Rolle in Beziehung und Gesellschaft einzuräumen. Doch bekannte soziale Strukturen sind keine naturgegebene Sache. Im Gegenteil. Richard David Precht vertritt zum Beispiel in seinem Buch "Liebe. Ein unordentliches Gefühl" die These, Liebe sei ein gesellschaftliches Phänomen, romantische Liebe ein mediales Konstrukt.

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Das Thema Beziehung auf Distanz bietet denn auch immer mehr Stoff für Filme und Bücher. Erinnert sei an den AOL-Klassiker "E-Mail für Dich", E-Mail-Romane wie "Gut gegen Nordwind" und Pophits im Sinne Soulja Boy Tell'ems "Kiss Me Thru The Phone", die das Wechselspiel von körperlicher Ferne und emotionaler Nähe in den Mittelpunkt stellen.

Das Zusammensein auf Entfernung rückt näher. Wenn technische Rahmenbedingungen neue gesellschaftliche Modelle ermöglichen und mediale Aufbereitungen den Weg ebnen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese auch versucht werden.

Die Dominanz physischer Nähe über die einer paketvermittelten Fernbeziehung ist schwer zu bestreiten. Trotzdem gibt es Letztere. Und viel konsequentere Formen des digitalen Beieinanders werden bald das Selbstverständnis zwischenmenschlicher Beziehungen neu definieren. [von Caspar Clemens Mierau]

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 Transatlantische Zweiraumwohnung
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Gaius Baltar 09. Sep 2009

Dann dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis die Erotikindustrie dieses Geschäftsfeld...

Architekt 09. Sep 2009

Als Architekt stelle ich mir als Anfang einfach mal ne Tür/Öffnung/Wand als "Fenster" zum...

vielgucker 09. Sep 2009

gesehen so in 24 :-)))

Ruben Neuville 09. Sep 2009

Gab es da nicht mal diesen Anzug, der wenn angezogen sogar die Kontakte des entfernten...



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