Intels Smartphone-Atom "Lincroft" mit eigenem Stromsparchip
Moorestown ist der Nachfolger des noch aktuellen Menlow, wobei vor allem die Integration vorangetrieben wird. Im von Intel schon als SoC bezeichneten Prozessorteil "Lincroft" stecken ein Atom-Kern mit 45 Nanometern, Grafik- und Videoeinheit sowie Speicher- und Displaycontroller. Der Rest des Chipsatzes steckt in nur einem Baustein namens "Langwell". Dies hatte Intel schon mehrfach erklärt.
Wie jetzt auf der Hot Chips in Palo Alto bekanntgegeben wurde, kommt dazu aber noch ein "Power Management IC" (PMIC) namens "Briertown". Intel will diesen nicht alleine entwickeln, sondern dafür mit Freescale, Maxim und NEC zusammenarbeiten. Briertown soll die Energieverwaltung des gesamten Geräts steuern – also vermutlich nicht nur die Intel-Chips, sondern auch etwaige Funkmodule und Eingabegeräte.
Briertown als externer Stromsparchip
Ein ähnliches Konzept verfolgt Intel schon mit dem Core i7. Dort steuert die "Power Control Unit" (PCU) die gesamte Energieverwaltung des Prozessors, wozu einige thermische Sensoren und Messeinheiten für Spannungen beitragen. Der Chip ist damit nicht mehr auf externe Einheiten wie Schaltungen des Mainboards angewiesen, die langsamer arbeiten und möglicherweise falsche Daten liefern. Mit Briertown soll diese Steuerung offenbar auf eine gesamte Plattform ausgedehnt werden.
Der Chiphersteller betonte in seinen Vorträgen auf der Hot Chips zudem, dass die einzelnen Funktionsblöcke von Lincroft mit sehr variablen Taktfrequenzen betrieben werden können. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, selbst in Desktopchipsätzen werden heute etwa Grafik- und Videoeinheiten nur bei Bedarf mit hohen Takten betrieben. Bei Lincroft sollen diese Blöcke aber wohl auch dauerhaft in ihren Takten und damit der Leistungsaufnahme beschränkt werden können.
Intel spricht davon, dass die Bausteine "in eine Vielzahl von Formfaktoren passen und unterschiedliche Performance-Anforderungen erfüllen sollen."Das deutet darauf hin, dass die Moorestown-Bausteine mit fest eingestellten Maximaltakten versehen werden können. Ein MID oder Smartphone nur aufgrund der Tatsache, dass ein Atom-Kern verbaut ist, in seiner Leistung einzuschätzen, dürfte so nicht mehr möglich sein. Das ist heute aber auch bei vielen mobilen Geräten mit anderen Plattformen so, etwa bei Smartphones, die mit einem "800 MHZ ARM-Prozessor" beworben werden. Das allein sagt noch nichts über die Leistung aus.
Bus sparsam, Kern automatisch übertaktet
Um kurzzeitig mehr Leistung aus den Moorestown-Chips zu holen, gibt es zwei neue Techniken. Der "Bus Turbo Mode" soll die Bandbreite erhöhen und Latenzen zwischen Prozessorkern und Hauptspeicher verringern. Wie das funktioniert, hat Intel noch nicht erklärt. Schon die Notebookchipsätze von Intel arbeiten für ihren PCI-Express-Bus aber mit einer dynamischen Abschaltung der Lanes, um Energie zu sparen – gut möglich, dass Intel diesen Kniff nun auch für andere Busse anwendet.
Noch weniger beschrieben ist bisher die "Burst Performance Technology" (BPT), die ebenfalls in Lincroft steckt. Die CPU soll damit laut Intel "für sehr kurze Zeit höhere Leistung erreichen", aber gleichzeitig das Kühlsystem nicht überfordern. Vermutlich wird der Atom-Kern also gezielt übertaktet, wie etwa beim Turbo-Boost des Core i7. In einem mobilen Gerät ist das jedoch problematisch, weil etwa Smartphones mit Lüfter niemand haben will. Bevor die Wärme zu groß wird, muss sich das BPT wieder abschalten – was das in der Praxis bringt, dürfte recht spannend werden.
UMTS-Module von Option und Ericsson
Bei anderen Stromsparmechanismen unterstützt Intel nun etablierte Technologien. So soll der Speichercontroller des Lincroft das von der JEDEC spezifizierte Low-Power-DDR1 und -DDR2 beherrschen, statt des LVDS-Interfaces für die Anbindung von Displays steht auch MIPI zur Verfügung. Dieser neue Bus kommt zwar nur mit vergleichsweise geringen Auflösungen zurecht, ist aber noch sparsamer.
Auch wer die Funkmodule für die Moorestown-Plattform stellen soll, ist jetzt bekannt: Für 3G-Netze wie UMTS sind es Option und Ericsson, Intel selbst will das WiMax-Modul "Evans Peak" stellen. Bei den WLAN-Bausteinen gibt es breite Auswahl, nicht nur von Intel, sondern beispielsweise auch Atheros, Realtek und anderen. Mit wem hier zusammengearbeitet werden soll, gab Intel noch nicht bekannt. Erste Geräte auf Basis der Moorestown-Plattform werden noch für das Jahr 2009 erwartet.
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