Versatel greift nach Kabelanbieter Orion

Kaufpreis für Orion soll bei 450 Millionen Euro liegen

Der Düsseldorfer Telekomanbieter Versatel plant die Übernahme des drittgrößten deutschen Kabelanbieters Orion. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, lässt das Unternehmen bereits eine Finanzierung vorbereiten. Ein erfolgreicher Deal würde einen Meilenstein im Zusammenwachsen der Märkte Telekommunikation und Kabel bedeuten.

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Beim Zusammenwachsen der Märkte Telekommunikation und Kabel sieht sich Versatel bereits heute als Vorreiter. Zu den aktuellen Plänen wollte sich das Unternehmen aber nicht äußern.

Versatel ist mit einem Umsatz von zuletzt 762 Millionen Euro die Nummer fünf auf dem deutschen Telekommarkt. Orion liegt mit einem Umsatz von 259 Millionen Euro auf Rang drei der deutschen Kabelanbieter. Dem Unternehmen droht die Zerschlagung, weil die Escaline-Gruppe, zu der Orion gehört, mit Verbindlichkeiten von insgesamt 1,7 Milliarden Euro überschuldet ist. Zur Escaline-Gruppe gehören neben Orion auch deren Töchter Tele Columbus und Primacom.

Orion braucht dringend neue Investoren, Telekomanbieter kommen daher wie gerufen: "Wir verzeichnen ein wachsendes Interesse von Telekomunternehmen", sagte Tele-Columbus-Chef Michael Buhl dem Handelsblatt.

Mit dem Kauf von Orion würde Versatel die beiden Kabelgrößen Kabel Deutschland (KDG) und Unitymedia angreifen. Die beiden Konzerne interessieren sich ebenfalls für Orion. Ziel ist offenbar, den beiden das Geschäft wegzunehmen. Durch die zersplitterte Struktur des Kabelmarkts besitzen KDG und Unitymedia keinen direkten Kontakt zu den Fernsehkunden. Sie liefern nur das TV-Signal an Konkurrenten wie Orion, deren Netze bis in die Wohnzimmer der Kunden reichen. Versatel könnte sein Glasfasernetz mit der Kabeltechnik von Orion kombinieren und so ebenfalls ein TV-Signal zu den Endkunden liefern.

Die Düsseldorfer sind schon einmal so vorgegangen: Sie haben mit AKF und Media Home bereits zwei kleinere Kabelnetzbetreiber mit Kundenkontakt gekauft und bieten diesen ein TV-Signal an, das KDG und Unitymedia überflüssig macht. Aufsichtsrat von Versatel ist der frühere KDG-Chef Roland Steindorf.

Durch die beiden Zukäufe besitzt das Unternehmen heute 160.000 Kabelkunden, die zu den 710.000 Breitbandkunden hinzugekommen sind. Mit den 3,2 Millionen Orion-Kunden würde Versatel vom Telekomkonzern zum Kabelanbieter.

Die Grenzen zwischen den ehemals getrennten Branchen verschwinden ohnehin zusehends, weil beide heute sowohl Fernsehen als auch Internet und Telefonie anbieten. Versatel böte die Übernahme den Vorteil, dass es den neuen Orion-Kunden nicht nur eine Alternative zu KDG und Unity liefern, sondern ihnen darüber hinaus auch einen Webzugang samt Telefonanschluss anbieten könnte.

Allerdings überschneiden sich die Netze der beiden Anbieter nicht überall. Orion ist stark in Ostdeutschland vertreten, Versatel in Berlin, Sachsen und Thüringen. Darüber hinaus sind beide Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg aktiv. Schwierig an einem Deal wäre für Versatel die Finanzierung. In Finanz- und Branchenkreisen wird ein Preis von bis zu 450 Millionen Euro für Orion genannt. "Versatel allein kann das nicht finanzieren", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Die Düsseldorfer verfügen über eine Kreditlinie von 100 Millionen Euro und haben ein genehmigtes Kapital von 15 Millionen Aktien. Das bedeutet, dass sie mit einer Kapitalerhöhung zum aktuellen Aktienkurs unter Berücksichtigung eines üblichen Abschlags von 25 Prozent maximal 70 Millionen Euro zusätzlich aufnehmen könnten.

Analysten gehen aber davon aus, dass einer der Versatel-Eigner das nötige Geld bereitstellt. Dem Finanzinvestor Apax gehören 42 Prozent an Versatel, jeweils 25 Prozent halten die niederländische Cyrte Investments sowie der Telekomdienstleister United Internet (UI). Die Investoren würden den Wert Versatels mit einem Deal über den reinen Kaufpreis von Orion hinaus steigern, weil es Synergien zwischen dem Versatel-Netz und der TV-Technik von Orion gibt. In der anstehenden Konsolidierung des Festnetzmarkts könnten sie Versatel womöglich mit Gewinn verkaufen.

Apax und UI wollten sich nicht äußern, Cyrte war nicht zu erreichen.

[von Sönke Iwersen, Hans-Peter Siebenhaar und Sandra Louven]

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