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Verfassungsrichter beklagt die Anonymität bei Wikipedia (Up)

Verfasser sollen ihr Gesicht offen im Netz zeigen. Ein Bundesverfassungsrichter fürchtet, dass anonyme Interessengruppen, die Wikipedia-Artikel verfassen, so die öffentliche Meinung manipulieren. Die Verfasser sollten ihr Gesicht offen im Netz zeigen, fordert Udo Di Fabio.
/ Achim Sawall
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Udo Di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht, beklagt die Manipulation der öffentlichen Meinung durch das Internet. In einer Festrede zum Jubiläum des Solinger Tageblatts, das 200 Jahre alt geworden ist, sagte er laut einem Bericht der Westdeutschen Zeitung (öffnet im neuen Fenster): "Kommerzielle oder anonym auftretende politische Interessengruppen können die scheinbare Anarchie des Netzes für ihre Zwecke geschickt nutzen."

Ein Beispiel dafür sei die freie Enzyklopädie Wikipedia, über deren Autorenschaft der Richter Öffentlichkeit herstellen möchte. "Wer schreibt für Wikipedia, das jeder Schüler als digitales Lexikon ohne zu zögern konsultiert? Warum zeigt sich das Gesicht der Kommunikationsteilnehmer nicht offen im Netz?", so Di Fabio. "Ist die mittelalterlich anmutende Burka im Straßenbild auch europäischer Städte denn wirklich so weit entfernt von den hypermodischen Twittern und 'Newsbotsern'? Der freie Mensch der Neuzeit zeigt sein Gesicht, gibt seinen Namen preis, wenn er die Bühne des öffentlichen Raumes betritt."

Das Internet berge allgemein die Gefahr, dass Nachrichten in einzelne Bestandteile zerteilt, kommerzialisiert und jedem Nutzer individuell zugestellt würden. Analytisches Herstellen von Zusammenhängen bleibe daher echten Zeitungsredaktionen wie dem Solinger Tageblatt vorbehalten.

Nachtrag vom 25. August 2009, um 12:51 Uhr:
Der Link auf die komplette Rede wurde eingefügt, die inzwischen online steht.


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