Ausprobiert: "Project Natal" - die Xbox 360 Version 2.0

Hinter verschlossenen Türen geht es in der IT- und Spielebranche normalerweise eher ruhig zu, bei Microsoft auf der Gamescom ist das anders. Da springen Unternehmensvertreter und Journalisten wild durch den Präsentationsraum und machen allerlei seltsame Dinge. Grund ist, dass Projektleiter Kudo Tsunoda sein Bewegungs-, Gesichts- und Stimmerkennungssystem Natal präsentiert.
Auf der Kölner Messe ging es nur um die Bewegungssteuerung. Zuerst führte Tsunoda ein Sportspiel vor: Der Spieler sieht sich als halbtransparente blaue Figur – deren Aussehen orientiert sich dezent am Original, etwa was die Frisur betrifft. Eine Kalibrierung ist nicht notwendig, jeder kann sofort loslegen und Bälle, die auf ihn zugeschossen kommen, in der virtuellen Welt zurückschleudern. Das funktionierte gleich problemlos und ohne spürbare Verzögerung, allerdings hatten wir kein echtes Gefühl für Räumlichkeit – was aber auch nicht nötig war, um diese einfache Aufgabe zu erledigen.
Anschließend zeigte Tsunoda eine speziell an Natal angepasste Version des Rennspiels Burnout Paradies. Mit leeren Händen umfassten wir ein imaginäres Lenkrad, ein Schritt mit dem rechten Fuß nach vorne beschleunigte das Auto, ein Schritt zurück bremste es; Tsunoda zufolge legen die Entwickler von Natal-Versionen Wert darauf, dass auch das Zuschauen Spaß macht. Das Rennspiel funktionierte ebenfalls ohne weitere Einweisung – und zwar richtig gut und mit erstaunlich viel Fahrgefühl. Kleine Störbewegungen brachten Natal ebenso wenig aus dem Konzept wie gespreizte Finger oder ein zweiter Spieler, der neben dem ersten ebenfalls Lenkbewegungen ausführte.
Auch technische Details verriet Tsunoda: Natal arbeitet mit Infrarotlicht und misst die Körperbewegungen an 48 Knotenpunkten. Er führte vor, wie das System intern tickt: So war in einer Kameraansicht – die nur für Systementwickler zugänglich ist – zu sehen, dass das Gerät einen Menschen wie ein Strichmännchen anhand von zwei Linien als Beine, zwei Quadraten als Rumpf und Kopf sowie zwei Strichen als Arme erkennt. Diesen einfachen Formen kann Natal übrigens auch folgen, wenn sie verdeckt werden. Ein anderes System erkennt den Spieler durch seine Wärmesignatur – also wie auf Infrarotbildern -, wieder andere Systeme legen komplexe Muster über ihn. Anhand all dieser Informationen scheint Natal seine Entscheidung fällen zu können, was es als Mensch identifiziert und was nicht. Derzeit arbeitet Natal intern mit einer 4:3-Auflösung, was am 16:9-Bildschirm aber keine Probleme zu machen schien – und wohl noch geändert wird.
Nach einer Andeutung von Bill Gates soll Natal ab Mitte 2010 erhältlich sein, und zwar in irgendeiner Form wohl auch für Windows. Die Konsolenversion soll mit jeder bislang produzierten Xbox 360 zusammen funktionieren. Gerüchten zufolge erscheint eventuell eine Xbox mit integrierter Natal – überhaupt möchte der Hersteller das System wohl als eine Art "Xbox 360 Version 2.0" positionieren.
Electronic Arts hat angekündigt, dass es Natal auf der Xbox 360 mit Spielen unterstützt. Auch einige Entwickler wie Terminal Reality (Ghostbusters) wollen Spiele dafür produzieren.



