Formatverwirrung bei HDTV von der Leichtathletik-WM
Noch bis zum 23. August übertragen ARD und ZDF auf eigens eingerichteten Kanälen die Leichtathletik WM aus Berlin. Dieses 'Showcase' soll nach früheren Versuchen mit dem Sender "Eins Festival HD" als erster Test der beiden großen Sendeanstalten dienen, bevor sie im Februar 2010 zu den Olympischen Spielen aus Vancouver den HDTV-Regelbetrieb aufnehmen.
Das ZDF fungiert bei den Übertragungen aus Berlin als "Host Broadcaster", also als der Sender, der das sogenannte "Weltbild" für alle anderen Anstalten produziert, die das Sportfest übertragen oder in Ausschnitten zeigen wollen.
Seit Beginn ihrer HDTV-Aktivitäten halten aber ARD und ZDF gemäß einer Empfehlung der "European Broadcasting Union" ( EBU(öffnet im neuen Fenster) ) am Format 720p50 fest, das mit 1.280 x 720 Pixeln bei 50 Vollbildern pro Sekunde arbeitet. Damit ist die Bildauflösung geringer als beim anderen gebräuchlichen HDTV-Format 1080i50.
Dieses besteht zwar aus 1.920 x 1.080 Pixeln, pro Sekunde werden aber nur 50 Halbbilder übertragen, die ein Receiver oder Display wieder in mindestens 25 Vollbilder umwandelt. Gerade für Sportübertragungen sollen die 50 Vollbilder von 720p50 aber Vorteile bringen, da sich Bewegungen damit flüssiger darstellen lassen. Auch wenn sich die Hersteller von Fernsehern mit 100, 200 oder gar 600 Hertz für das Panel überbieten: Die Qualität der berechneten Zwischenbilder kann immer nur so gut sein wie das gesendete Material es erlaubt.
Der Datenstrom über die Astra-Satelliten – die in der Regel auch Kabelnetzbetreibern als Zuspieler dienen – wird derzeit von ARD HD und ZDF HD tatsächlich in 720p50 realisiert. Das Ausgangsmaterial, das in Berlin produziert wird, liegt jedoch als 1080i vor. ZDF-Produktionsleiter Ralf Göß sagte Golem.de: "Der Rest der Welt hat in 1080i seinen Standard" , dem müsse sich auch das ZDF anpassen.
Göß erklärte weiter, die gesamte Produktion verlaufe in 1080i50, auch die Kameras nehmen dieses Format auf. Die 50 Vollbilder, die beim Zuschauer ankommen, stammen also aus 50 Halbbildern – die erhoffte flüssigere Bewegungsdarstellung ist nicht mehr zu sehen.
Auf die Frage, ob das ZDF damit nicht die Nachteile beider Formate kombiniere, sagte Göß: "Da haben Sie leider recht" . Bei der Produktion für die Leichtathletik WM als Host Broadcaster habe sich das ZDF aber "ausnahmsweise" dazu entschlossen, da eine Produktion in beiden Formaten derzeit nicht zu realisieren sei. Alle zukünftigen Übertragungen des ZDF für den deutschen Fernsehmarkt sollen jedoch in 720p50 erfolgen.
Schon die Sendungen aus Berlin in beiden Formaten anzubieten, ist laut Göß derzeit technisch nicht machbar. Unter anderem würden die Kameras und Schnittplätze, die unter anderem von Avid, Panasonic und Sony stammen, mit verschiedenen Kompressionsarten arbeiten. Das ist im Fernsehbereich nicht ungewöhnlich, weil dort für den bildgenauen Schnitt nicht mit Codecs wie H.264 gearbeitet werden kann.
Auch die Produktion in 1080p50 ist laut Ralf Göß nicht möglich, weil die Bandbreiten der bisher verfügbaren Geräte dafür nicht ausreichten. Aus diesem Format ließen sich theoretisch aber 1080i50 und 720p50 mit den Vorteilen beider Formate erstellen.
Folglich produziert das ZDF alle Übertragungen und Zusammenfassungen zunächst in 1080i50, erst bei der Übertragung in die Sendezentrale wird das Material durch einen Deinterlacer und Scaler geschickt und in 720p50 umgewandelt. Dieser professionelle Halbbild-Zusammensetzer ist dabei aber offenbar von sehr hoher Qualität.
Nach Experimenten von Golem.de mit mehreren Receivern, PCs und Displays ist das gesendete Material kaum noch kaputtzubekommen: Selbst wenn ein einfacher HD-Receiver die Bilder als 1080i an einen Fernseher schickt, kann dessen Deinterlacer die Bilder wieder so kombinieren, dass die gefürchteten zerrissenen Kanten und ungleichmäßigen Bildfolgen nicht auftreten.