Regierung verabschiedet Entwicklungsplan für Elektroautos

Das Kabinett hat am heutigen Mittwoch den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität(öffnet im neuen Fenster) beschlossen. Damit will die Regierung die Entwicklung von Elektroautos in Deutschland vorantreiben. Das Ziel des Plans ist hochgesteckt: Deutschland soll zum "Leitmarkt Elektromobilität werden und die Führungsrolle von Wissenschaft sowie der Automobil- und Zulieferindustrie behaupten."
"Mit dem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität geben wir ein wichtiges Signal zur richtigen Zeit – an die Forschung, an die Wirtschaft, aber auch an die künftigen Käufer" , sagte Forschungsministerin Annette Schavan. In Rahmen des Plans stellt die Regierung 200 Millionen Euro für die Entwicklung von Technologie rund um das Elektroauto zur Verfügung.
Das Auto neu denken
Der Großteil, nämlich 170 Millionen, soll für die Entwicklung von Akkus verwandt werden. Einen zweiten Schwerpunkt sieht die Regierung in der Entwicklung "neuer Systemansätze für Elektrofahrzeuge" . Es reiche nicht aus, einfach Tank und Verbrennungsmotor durch Akku und Elektromotor zu ersetzen, sagte Schavan. ""Wir müssen das Auto neu denken! Wir brauchen völlig neue Fahrzeugkonzepte mit einer alternativen Tank-Infrastruktur. Und wir brauchen marktfähige Batterien. Forschung und Entwicklung werden hier noch stärker zusammenarbeiten, um Deutschland elektromobil zu machen."
Geld vom Staat sollen jedoch nicht nur die Entwickler erhalten. Die Regierung will die Autofahrer ab 2012, wenn die ersten Fahrzeuge auf den Markt kommen sollen, mit finanziellen Anreizen zum Umstieg auf Elektroautos bewegen.
Lob und Einwände von Industrie ...
Vertreter der Industrie wie August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), begrüßten den Plan. Scheer wandte aber ein, die Entwicklungsarbeit solle nicht auf Antriebstechnik und Akkus beschränkt werden. Scheers Ansicht nach ist ein intelligentes Stromnetz ein weiterer wichtiger Faktor. "Intelligente Stromnetze sind die Basisinfrastruktur für Elektromobilität. Erst durch ein modernes IT-gestütztes Netzmanagement wird Elektromobilität überhaupt im größeren Rahmen möglich."
Scheer schlug zudem vor, den Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos gleichzeitig zum Aufbau eines Breitbandkommunikationsnetz zu nutzen. "Für die Abrechnung mit dem Kunden müssen die Betreiber der Ladestationen ohnehin ein Kommunikationsnetz aufbauen. Dieses Netz kann ohne großen finanziellen Mehraufwand zu einem öffentlich zugänglichen Breitband-Kommunikationsnetz ausgebaut werden."
... und Umweltschützern
Auch die Umweltschützer des Naturschutzbundes (Nabu) begrüßten das Vorhaben der Regierung. Allerdings seien, so Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, Elektroautos nicht per se umweltfreundlich. "Dem Weltklima ist nicht allein mit dem Austausch eines Verbrennungs- durch einen Elektromotor geholfen. Ein herkömmliches Auto durch ein mit Kohlestrom gespeistes E-Auto zu ersetzen hieße, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben." Dazu müsste sichergestellt sein, dass die Autos mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben werden.
Bis 2020, so das erklärte Ziel der Bundesregierung, sollen eine Million Autos mit Elektroantrieb auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Die dafür nötige Infrastruktur mit Ladestationen soll bis dahin fertig sein. Im vergangenen Herbst hat die Regierung eine große Strategiekonferenz zur Elektromobilität veranstaltet, deren Ergebnisse in den Entwicklungsplan eingeflossen sind. Einige der dort aufgestellten Forderungen werden bereits umgesetzt: So haben sich Autohersteller und Elektroindustrie im Frühjahr auf einen Standardstecker für Elektroautos geeinigt.
Neben den jetzt zugesagten Fördermitteln hat die Regierung im Rahmen des Konjunkturpakets II bereits Fördergelder für die Elektromobilität in Höhe von 500 Millionen Euro bereitgestellt.