IMHO: Unsere Erinnerungen sind bedroht

Von der Gefahr, die zu viel Technik in Digitalkameras birgt

Jedes Jahr zur Urlaubszeit werden die Elektronikmärkte mit Digitalkameras überschwemmt. Die Kaufargumente der Werbung ähneln sich. Mehr Megapixel sind das plakativste Argument, aber es geht auch subtiler und gefährlicher: Die neuen Entwicklungen werden unsere Erinnerungen für immer verändern.

Artikel veröffentlicht am ,

Seit Jahren gleichen sich gerade die kleinen, beliebten Kompaktkameras. "Dreifach-Zoom mit x Megapixeln und y Zoll großem Display", versprechen die bunten Zeitungsbeilagen. Der Megapixelwahn ist unaufhaltsam: Von Jahr zu Jahr werden die Werte höher. Als ausschließliches Marketingargument haben die galoppierenden Pixel jedoch längst ausgedient.

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Heute müssen es schon besondere technische Finessen wie eine Gesichtserkennung sein, um Kunden zum Zugreifen zu bewegen. Gut, dass in den Knipsen mittlerweile genügend Rechenleistung für solche Spielereien steckt. Die meisten davon stammen von der Firma Fotonation, die ihre Software an Kamerahersteller lizenziert. Deshalb tauchen neue Funktionen bei allen Herstellern fast gleichzeitig auf.

Glattgebügelte Gesichter

Ein Lächeldetektor als Selbstauslöser ist seit mehr als einem Jahr Realität. Auch blinzelnde Menschen werden erkannt - und nicht fotografiert. Schöne Bilder sind erwünscht. Deshalb sind Kameras mit Bildbearbeitungssoftware ausgerüstet, die gleich nach dem Druck auf den Auslöser in das Bild eingreift. Dabei werden nicht nur rote Augen retuschiert. Augenringe nach durchzechter Nacht? Die Software in der Kamera sorgt für frisches Aussehen trotz Kater. Sie bügelt Fältchen und glättet picklige Haut.

Noch mehr Retusche ist derzeit nur am PC möglich. Hersteller wie Anthropics oder Reallusion bieten Programme an, mit denen ganze Gesichtspartien wie in der plastischen Chirurgie ummodelliert werden können. Die Ergebnisse der digitalen Gesichtskorrektur starren uns von den Titelbildern der Zeitschriften entgegen.

Menschen ohne Falten und Doppelkinn

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Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis solche Programme auch in die Kameras integriert werden. Hängende Lider, gelbliche Zähne und Doppelkinne werden aus den Fotos verschwinden. Vielleicht weigern sich die Apparate irgendwann sogar, hässliche Menschen überhaupt aufzunehmen. Natürlich nur auf Wunsch - aber der Durchschnittsknipser wird solche Optionen nutzen wie ein Motivprogramm. Fire and Forget. Hauptsache das Bild ist im Kasten.

Später einmal, wenn unsere Erinnerungen verblasst sind, werden wir unsere Fotos betrachten und uns wundern, weshalb darauf alle Menschen gut aussehen. Und keine Pickel, Falten, Narben haben - Merkmale, die Gesichter einmalig machen und zeigen, wie wir uns über die Jahre verändern. Wir werden uns fragen, wie sie wirklich aussahen, diese Menschen, als wir sie mit unseren Augen sahen - aber wir werden uns nicht erinnern können. Zumindest nicht, wenn wir weiterhin mit Retuschekameras fotografieren.

IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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JenZzzz 14. Aug 2009

als allererstes PC ausmachen und vor die Tür gehen, das ist ein guter Anfang und wenn Du...

Blork 14. Aug 2009

Lieber Aufgänge, das ist schon wieder eine Kunst, da ich mich zB schwer damit tue im...

JenZzzz 14. Aug 2009

Statt Kommentar oder IMHO hätte ich sogar "Meinung" genommen. Aber ich war auch im ersten...

Elwood_B 14. Aug 2009

Arrogant? hm... kommt mir nicht so vor. Eigentlich ist das nur eine Beobachtung die ich...



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