Crowdsourcing - alle mal mitmachen

Wenn die Masse kreativ wird

Der 3D-Film "Live Music" ist kollektiv im Netz entstanden und so gut, dass er als Vorfilm im Kino läuft. Doch nicht alle Zeichner sind glücklich mit dem Experiment.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Die Klugheit der Massen findet gierige britische Politiker und hilft, alte Texte zu digitalisieren. Ja die Onlineenzyklopädie Wikipedia selbst gilt als ein ausgesprochen gelungenes Experiment des sogenannten Crowdsourcing. Im Gegensatz zum Outsourcing wird hier die Arbeit an eine engagierte, anonyme Masse, die Crowd, abgegeben. Doch wenige Projekte gibt es bislang, in denen das Kollektiv auch kreative, künstlerische Werke produziert.

 

Inhalt:
  1. Crowdsourcing - alle mal mitmachen
  2. Crowdsourcing - alle mal mitmachen

Yair Landau, einst Leiter der Digitalfilmsparte bei Sony, hat es jetzt mit einem Zeichentrickfilm versucht: Live Music ist ein fünfminütiger Animationsfilm, der TriStar immerhin so gut gefiel, dass man ihn als Vorfilm zum neuen Animationsfilm Planet 51 zeigen wird. Gezeichnet wurde Live Music nicht etwa von einem Studio, sondern von einem nur lose über die Plattform Facebook verbundenen Kollektiv. "Ein eindeutiger Schritt in Richtung Demokratisierung des kreativen Storytelling", nennt das Landau. Er wollte Hollywood beweisen, dass man im Internet eine Gruppe von Leuten zusammenbringen und durchaus gute Arbeit leisten kann.

Es ist eine Innovation aus der Gamesbranche. Hier entwickeln immer mehr Spieler ihre eigenen Figuren und entwerfen ganze Levels. Landau will so etwas künftig auch in der Filmproduktion einsetzen.

Andere kreative Crowdsourcing-Projekte waren weniger erfolgreich. Etwa die WikiNovel A Million Penguins. Das kollektive Schreibexperiment musste schon nach drei Wochen seine Seiten schließen und der Penguin Books Verlag kleinlaut einräumen, dass die übereifrigen Teilnehmer das Projekt schlicht zur Implosion gebracht hätten. Die Seite ließ in der Hochphase über 100 Änderungen pro Stunde über sich ergehen, zeitweise froren die Macher die kollektive Geschichte ein, damit wenigstens noch in Ansätzen ein zusammenhängender Plot erkennbar blieb. Das Institute of Creative Technologies der De Montfort Universität, das das Projekt im Anschluss bewertet hat, schrieb in seinem Bericht: "Im Moment scheint die Antwort auf die Frage, ob eine Community einen Roman verfassen kann oder nicht, zu lauten: jedenfalls nicht so."

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