"Wir müssen Lebensraum im All schaffen"

Handelsblatt: Nach den Apollo-Missionen kam der Mond eine Zeit lang aus der Mode, auch in der Forschung. Warum ist der Erdtrabant in letzter Zeit wieder stärker in den Blick der Wissenschaft geraten?

Spohn: Die Renaissance des Mondes, die wir jetzt erleben, hat wohl vor allem zwei Gründe: Zum einen haben wir in jüngerer Zeit neue Modelle zur Frühzeit des Mondes entwickelt, die wir natürlich am besten an Ort und Stelle überprüfen sollten. Zudem haben wir große Fortschritte bei den Instrumenten gemacht, mit denen wir den Mond erkunden können. Das heißt: Das, was wir zu Zeiten der Apollo-Missionen gemessen haben, können wir heute sehr viel genauer messen. Daher wäre es, neben der Erhebung ganz neuer Daten, auch sinnvoll, Messungen von damals heute noch einmal zu wiederholen.

Zum anderen gibt es heute, anders als zu Apollo-Zeiten, nicht nur zwei, sondern eine ganze Handvoll Raumfahrtnationen, die den Weltraum erkunden. Indien, Japan und China arbeiten an der Entwicklung ihrer Raumfahrtprogramme. Und wenn man mit relativ beschränkten Mitteln ein Objekt im Weltraum erkunden will, ist der Mond das naheliegende Ziel.

Für die etablierten Raumfahrtnationen USA, Russland und Europa steht dagegen die Frage im Vordergrund: Wie geht es mit der bemannten Raumfahrt weiter? Der Mars wäre sicher ein lohnendes Ziel, doch viele Experten glauben, dass vor einer Mars-Mission erst einmal eine erneute Mondlandung kommen muss. Schließlich ist seit den Apollo-Missionen viel Zeit vergangen und damit auch viel Wissen verloren gegangen. Bevor wir auf dem Mars landen, müssen wir vielleicht erst einmal wieder lernen, auf dem Mond zu landen.

Handelsblatt: Ließen sich mit unbemannten Sonden die wissenschaftlichen Ziele solcher Missionen nicht genauso gut oder sogar besser erreichen?

Spohn: Man kann sehr viel mit automatischen Sonden erreichen, und das wissenschaftliche Preis-Leistungs-Verhältnis spricht eher für die Automaten. Aus wissenschaftlichen Gründen allein würde daher wohl niemand für eine bemannte Mission plädieren.

Andererseits gibt es die bemannte Raumfahrt, und es ist eine politische und wirtschaftliche Entscheidung der Raumfahrtnationen, sich diesen Zweig der Raumfahrt leisten zu wollen. Und dann sage ich als Wissenschaftler: Wenn ihr eine bemannte Mission zum Mond plant, dann lasst uns dort Wissenschaft machen. Wissenschaftler zeichnen sich grundsätzlich dadurch aus, dass sie zu jeder Forschungsgelegenheit, die sich ihnen bietet, auch die passenden Fragestellungen entwickeln können.

Handelsblatt: Halten Sie eine dauerhaft bemannte Mondstation für sinnvoll?

Spohn: Ich denke, das wird sicher kommen. Der Mensch wurde immer angetrieben von der Idee, seine Grenzen zu erweitern und dorthin zu gehen, wo noch niemand war. Dieses "Entdecker-Gen" tragen wir immer noch in uns, und es wird meiner Einschätzung nach dazu führen, dass wir irgendwann eine bemannte Mondstation errichten.

Man kann mit solch einer Station sehr viel sinnvolle Wissenschaft betreiben: angefangen von einem genaueren Studium des Mondes selbst über mögliche Rohstoffvorkommen, die für uns nutzbar wären bis hin zur Errichtung großer Teleskope, mit denen wir das Weltall besser erforschen könnten als mit allen irdischen Observatorien. Auch für die Erdbeobachtung könnte der Mond interessant sein.

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Richard Rundheraus 21. Jul 2009

Nein, das brauche ich nicht zu tun. Es sei denn natürlich Du erklärst mir überzeugend...

2laky 21. Jul 2009

Schade dass wir nicht in ein Alternatives Universum blicken können um zu sehen wie die...

2laky 21. Jul 2009

Mit der Ausbeutung der Resurcen hast du das Stichwort geliefert, warum die Besiedelung...

2laky 21. Jul 2009

Tatsächlich hat der Mensch im vergleich mit allen Lebewesen die es derzeit auf dem Land...



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