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Spieletest: The Secret of Monkey Island - Special Edition

Lucas Arts veröffentlicht Neuauflage des Spieleklassikers von 1990. Beim Klabautermann! Welcher Spielepirat hätte wohl damit gerechnet, noch einmal über die alte Monkey Island zu marschieren? Aber die Winde stehen günstig, denn Lucas Arts hat den Klassiker frisch angemalt, ein neues Steuerkreuz spendiert und eine Handvoll Matrosen im Synchronstudio eingesperrt.
/ Peter Steinlechner
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"Guybrush wie...?" – der Name war ein kleines Problem, als Lucas Arts 1990 The Secret of Monkey Island veröffentlichte. Inzwischen weiß jeder Spieler, dass es "Guybrush Threepwood" heißt. Aber damals, als das Adventure das Neueste vom Neuen war, mit einer unfassbar spannenden Handlung, spektakulärer Grafik und Möglichkeiten der Interaktivität, die alles bislang Gesehene in den Schatten stellten – da kannte diesen Guybrush nur eine kleine, eingeschworene Spielergemeinde.

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die Hauptfigur neben dem lustigen Namen auch viel Humor, Charme und Charakter besitzt. Und zwar so viel, dass der Nachwuchspirat Threewood auch heute noch ganz oben in der Liste der beliebtesten Hauptfiguren vieler Spieler geführt wird. Nach mehreren Nachfolgern – nur noch Teil 2 besitzt Kultstatus – hat Lucas Arts nun das alte Programm für Windows-PC und Xbox 360 neu aufgelegt.

Das neue The Secret of Monkey Island erzählt haargenau die gleiche Geschichte wie das alte: Guybrush will Pirat werden, verliebt sich in die Gouverneurin Elaine und muss den bösen LeChuck besiegen. Auch an den Dialogen, Rätseln, Orten und Personen hat sich nichts geändert – lediglich die Grafik haben die Entwickler vollständig überarbeitet, dazu kommen nun auch Sprachausgabe, eine bessere Musikqualität sowie eine überarbeitete Benutzeroberfläche.

Auffälligste Änderung gegenüber der Originalversion sind die handgemalten und hochauflösenden Grafiken. Die orientieren sich im Großen und Ganzen am Original, zeigen aber deutlich mehr Details und wirken teils etwas abstrakter und märchenhafter. Unterschiede gibt es vor allem bei den Personen – so wirkt der Guybrush 1990 deutlich runder und freundlicher, aber auch realistischer als die moderne Reinkarnation im Comicstil. Klasse: Mit einem Druck der "F10"-Taste kann der Spieler jederzeit zwischen der alten und der neuen Version wechseln.

Auch bei der Bedienung hat sich einiges verändert. Im Original sind am unteren Bildschirmrand das Inventar und die Befehlsicons zu sehen. Beides muss man im Jahr 2009 erst aufrufen – die Befehlsübersicht mit "Strg" und das Inventar mit "I". So füllt das Bild zwar den ganzen Monitor aus, aber die Bedienung ist um einiges komplizierter: Jetzt muss der Spieler erst das Befehlsmenü auf den Bildschirm holen, dann sein Kommando auswählen, anschließend das Inventar aufrufen und dort das gewünschte Objekt markieren. Das ist nicht nur insgesamt aufwendiger und komplizierter, sondern dauert auch länger – was bei einigen zeitkritischen Rätseln sogar zum Problem wird, insbesondere bei Spielern mit Gamepad. Neuzeitliche Komfortfunktionen wie eine Hotkey-Taste für Gegenstände oder extraschnelles Reisen bei Doppelklicks fehlen – was in der Praxis heißt, dass der Spieler Guybrush ziemlich lange dabei zusieht, wie er über die Karibikinseln spaziert. Aber das war ja im Original alles auch schon so.

In Sachen Sound hat sich ähnlich viel getan wie bei der Grafik: Er ist jetzt auf aktuellem Stand. Das Programm bietet durchgehend englische Sprachausgabe mit sehr gut ausgewählten Synchronstimmen. Wer mag, schaltet deutsche Menüs und Untertitel ein. Letztere verschlafen zwar den ein oder anderen Gag, sind insgesamt aber ordentlich übersetzt. Auch die Musik hat Lucas Arts generalüberholt, statt quäksiger Midi-Klänge ist der legendäre Monkey-Island-Soundtrack jetzt in einer Qualität zu hören, die fast wie ein echtes Miniorchester klingt.

Eine echte Neuerung ist die Hilfefunktion: Wer bei den Rätseln nicht weiterkommt und feststeckt, bekommt auf Knopfdruck erst ein paar Tipps – und beim weiteren Betätigen der "H"-Taste dann rasch eine konkrete Anweisung, was als Nächstes wo zu tun ist – letztlich enthält Monkey Island einen vollständigen Walkthrough.

Das neu aufgelegte The Secret of Monkey Island ist für Windows-PC nur über Steam für knapp 9 Euro und für Xbox 360 über Live Arcade für 800 MS-Punkte (rund 10 Euro) erhältlich. PC-Piraten benötigen unter XP 256 MByte RAM und unter Vista 512 MByte RAM, eine CPU mit mindestens 3 GHz und eine Grafikkarte mit 128 MByte RAM, die Shader Model 2.0 versteht und mit DirectX 9.0c klarkommt. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 2,5 GByte. Die USK hat das Spiel damals ab zwölf Jahren freigegeben.

Fazit

Das ist nicht nur Verklärung: Das fast 20 Jahre alte The Secret of Monkey Island steckt bei Handlung, Dialogen und Humor noch immer einen Großteil der seitdem produzierten Adventures mit erstaunlicher Leichtigkeit in die Tasche. Die Neuauflage macht bei Grafik und insbesondere Sprachausgabe so gut wie alles richtig, bei der Bedienung ziemlich viel falsch. Trotzdem sollte das kein Grund sein, nicht (wieder) in der Karibik abzuhängen. Vor allem Veteranen können sich ruhig noch einmal auf die Affeninsel wagen: Dank der grenzgenialen Retrotaste mit ihrer Alt-Neu-Vergleichsmöglichkeit können sie herrlich in Erinnerungen schwelgen.


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