Spieletest: Call of Juarez - Bound in Blood
Die Missionen folgen prinzipiell der guten alten Shooter-Tradition "Ort aufsuchen, alle Gegner ausschalten, weiterziehen". Allerdings haben die Entwickler bei Techland für jede Menge Abwechslung gesorgt – was schon vor jeder Mission beginnt. Meist darf der Spieler vorab zwischen den beiden Brüdern wählen, und obwohl die Unterschiede nicht gravierend sind, machen sie sich durchaus bemerkbar. Ray etwa ist eher der direkte, harte Typ: Er bevorzugt den Nahkampf, ist extrem kräftig und kann mit Dynamit umgehen. Thomas hingegen wählt oft ein etwas subtileres Vorgehen: Er kann sich besser anschleichen, beherrscht den Umgang mit dem Lasso und die Bedienung von Fernwaffen.
Beide gemeinsam verfügen über die leicht unterschiedlich gestaltete, aber in beiden Fällen ähnlich effektive Spezialfähigkeit, in einer Art Zeitlupenmodus mehrere Gegner zu markieren und sie dann mit einem Schlag auszuschalten. Vor allem bei Gefechten mit zahlreichen Kontrahenten ist das eine hilfreiche Angelegenheit.
Generell gibt es viel zu tun in den Saloons, Canyons, Westernstädten und anderen Orten in den USA und Mexiko: Überfälle, Eskorten, Schießereien von einer Kutsche oder die typischen Pistolenduelle warten auf die beiden Brüder. Übrigens: Unabhängig davon, welcher Bruder zu Missionsbeginn ausgewählt wird, ist der andere in den Missionen fast immer automatisch an seiner Seite. Leider nur KI-gesteuert: Obwohl sich für Bound in Blood ein Koop-Modus förmlich aufdrängt, haben die polnischen Entwickler keinen ins Spiel integriert. Wer mit Freunden spielen will, muss auf den Onlinemodus ausweichen, in dem typische Optionen allein oder im Team Deathmatch warten.
Erledigte Gegner hinterlassen oft Geld, das sich in bessere Ausrüstung investieren lässt. Zudem weicht Bound in Blood stellenweise vom sehr linearen Ablauf ab und bietet optionale Nebenmissionen, in denen der Spieler zusätzlich etwas verdienen kann. Auch die eher kurze Spielzeit wird so etwas gestreckt; im Schnitt sind kaum mehr als acht Stunden nötig, bis der Abspann zu sehen ist.
Optisch und atmosphärisch weiß Bound in Blood größtenteils zu überzeugen – kleinere Ruckler und Pop-ups trüben zwar von Zeit zu Zeit das Bild, insgesamt ist der Wilde Westen aber äußerst stimmungsvoll eingefangen. Auch die Bedienung funktioniert gut, kleinere Extras wie das automatische Deckungsuchen hinter Vorsprüngen erweisen sich als gelungene Idee. Gepatzt wurde allerdings bei der deutschen Synchronisation: Die lustlose Sprachausgabe nimmt Bound in Blood viel von seiner Spannung.
Call of Juarez – Bound in Blood ist für Xbox 360, Playstation 3 und PC erhältlich. PC-Spieler benötigen Windows XP oder Vista, einen Hauptprozessor mit mindestens 3,2 GHz sowie 1 GByte RAM im Rechner. Die Grafikkarte muss Shader Model 3.0 beherrschen und mindestens 256 MByte RAM haben. Das Spiel hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.
Fazit
Wie der Vorgänger ist auch Bound in Blood nicht perfekt – die deutsche Synchro, der lineare und schnell absolvierte Spielablauf sowie die verpasste Chance des Koop-Modus enttäuschen. Nichtsdestotrotz fängt derzeit wohl kein anderes Spiel den Wilden Westen so gut ein wie Call of Juarez. Dank stimmiger Atmosphäre und guter Story sind Gefechte und Duelle ein äußerst kurzweiliges und intensives Vergnügen.