US-Verlag verzögert E-Book aus Preisgründen
Der US-Verlag Sourcebooks will eines seiner kommenden Bücher entgegen den üblichen Gewohnheiten nicht als E-Book veröffentlichen, berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) (WSJ). Grund sei die Preispolitik der großen E-Book-Anbieter.
Die beiden großen E-Book-Händler in den USA, Amazon und Fictionwise, die E-Book-Plattform der Buchhandelskette Barnes & Noble, bieten E-Books für 10 US-Dollar oder weniger an. Ein gebundenes Buch hingegen kostet zwischen 25 und 27 US-Dollar.
Kein sinnvolles Geschäftsmodell
Normalerweise veröffentlicht Sourcebooks neue Titel gleichzeitig gedruckt und als E-Book. Im Fall von "Bran Hambric: The Farfield Curse(öffnet im neuen Fenster)" des Autors Kaleb Nation will der Verlag die Veröffentlichung der digitalen Version jedoch mindestens ein halbes Jahr hinauszögern. Bran Hambric ist ein Jugendbuch im Stil der Harry-Potter-Serie und soll am 9. September erscheinen. Es ist das Erstlingswerk des Bloggers Nation.
Es sei nicht besonders sinnvoll, wenn ein neues Buch 9,99 US-Dollar koste, begründete Verlegerin Dominique Raccah die Entscheidung in einem WSJ-Interview. "Das Argument ist ja, dass sich ein Buch umso besser verkauft, je günstiger es ist. Aber gebundene Bücher haben ein Publikum, und wir sollten sie nicht kannibalisieren." Nations Agent Richard Curtis unterstützt den Kurs des Verlags. "Wir wollen die Verkäufe und die möglichen Tantiemen der gebundenen Ausgabe nicht unterbieten."
E-Book = DVD?
Deshalb soll Bran Hambric erst im Frühjahr 2010 als E-Book erscheinen. Für US-Verleger und Literaturagent Robert Gottlieb ein ganz normales Vorgehen. Die Bücher seiner Autoren erschienen nur höchst selten gleichzeitig gedruckt und digital. Ein Film erscheine schließlich auch nicht auf DVD an dem Tag, an dem er im Kino anlaufe.
Dass das nicht so sein muss, zeigen die Erfahrungen des kanadischen Schriftstellers und Bloggers Cory Doctorow und des brasilianischen Bestsellerautors Paulo Coelho: Sie haben ihre Bücher kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt und konnten so die Verkäufe ankurbeln. Die meisten Nutzer, die seine Bücher herunterlüden, betrachteten diese "als Lockmittel, nicht als Ersatz für die gedruckten", sagte Doctorow im Golem.de-Interview. "Tatsächlich verkaufen sich meine Bücher besser als es der Verlag erwartet hat."
Derzeit beherrscht Amazon den E-Book-Markt in den USA, auch wegen des erfolgreichen E-Book-Readers Kindle 2. Allerdings macht der Onlinehändler Verlagen teilweise rigide Vorgaben, etwa bei den Dateiformaten und dem Preis. Die Onlineplattform Scribd lockt Autoren und Verlage mit dem Angebot, in seinem im Mai 2009 eröffneten Onlineshop den Preis und das Format eines angebotenen digitalen Texts selbst zu bestimmen. So hofft Scribd, Amazon Konkurrenz machen zu können. Mit Simon & Schuster konnte Scribd den ersten US-Großverlag als Kunden gewinnen.
Verlage schätzen Geschäft mit digitalen Waren falsch ein
Die Verlage würden die Realitäten nicht erkennen, sagte Sarah Rotman Epps, Analystin bei Forrester Research, dem WSJ. Sie wollten unbedingt ihre Einnahmen sichern. Die Kunden hingegen seien nicht bereit, für digitale Güter den gleichen Preis zu bezahlen wie für reale. Das bedeute auch für die Händler eine Zwickmühle, da die Verlage von ihnen zunehmend die gleichen Preise verlangten wie für die teureren gedruckten Ausgaben. Das sei aber zum Teil mehr als der angestrebte Verkaufspreis eines E-Books von rund 10 US-Dollar.
Laut Epps ist der Markt mit den digitalen Inhalten derzeit für die Verlage ein guter Wachstumsmarkt. Zwar machten E-Books derzeit nur 1 bis 2 Prozent der Einnahmen für Buchverkäufe aus. Allerdings schätzt Epps, dass bis Ende des Jahres 3 Millionen E-Book-Reader in USA verkauft sein werden, davon 2 Millionen allein in diesem Jahr.
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