Das Web der Sofa-Aktivisten

Bei allem Überblick, "entscheidend ist, was hinten rauskommt", wusste schon Helmut Kohl. Was das virtuelle Politikengagement den Politikern und den Bürgern letztlich bringt, ist aber bisher offen.

Punktuelles Engagement

"Mit ihren derzeitigen Aktivitäten werden Parteien und Politiker kaum eine Stimme gewinnen. Es gibt bei den Parteien keine erkennbare Internetstrategie, stattdessen wird punktuell versucht, Nutzen aus einer Präsenz im Web 2.0 zu ziehen", schreibt etwa Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl.

Doch auch für den politisch engagierten Teil der Netzgemeinde ist der Einfluss auf Entscheidungen in der realen Welt sehr begrenzt. So zeigte die E-Petition gegen Netzsperren, dass soziale Plattformen zwar virtuelle Politikdebatten vorantreiben können, reale Politikentscheidungen damit aber kaum beeinflusst werden.

Eine neue Oppositionsform und positive Nebeneffekte

Franziska Heine, die innerhalb von sechs Wochen 134.000 Unterstützer für ihre E-Petition mobilisieren konnte, bleibt dennoch optimistisch: "Für mich ist die Petition der Anfang einer völlig neuen Oppositionsform außerhalb der politischen Parteien. Ich denke, da wird in Zukunft eine Menge passieren", sagte sie im Streitgespräch mit Familienministerin Ursula von der Leyen bei Zeit Online.

Julian Zimmermann, Autor bei Netzpolitik.org, glaubt zwar nicht an die Macht von Onlinepetitionen, aber er kann positive Nebeneffekte erkennen: "Die Leute werden durch solche Kampagnen politisiert. Sie vernetzen sich und tauschen sich aus", so Zimmermann. Für sinnvoller als Petitionen hält er aber Plattformen wie Abgeordnetenwatch.

Das Glaubwürdigkeitsproblem der SPD

Dieses Portal sorgt für Transparenz politischer Entscheidungen, da jeder nachklicken kann, welcher Bundestagsabgeordnete für oder gegen die Schuldenbremse oder eben die Internetsperren gestimmt hat. In der SPD-Fraktion gab es zum Beispiel nur zwei Gegenstimmen gegen das Gesetz. Davon seien die Netzsperren-Gegner besonders enttäuscht, weil sie sich dort mehr Unterstützung erhofft hatten, sagt Roggenkamp. "Die SPD kann sich in den nächsten Wochen jeglichen Onlineaktivismus sparen. Keiner würde das ernst nehmen", kommentiert Compuccino-Gründer Roggenkamp.

Sebastian Reichel, der für den Onlinewahlkampf der SPD verantwortlich ist, versucht trotzdem, den Konflikt zu entschärfen und hofft, "dass sich die Debatte wieder versachlicht". Immerhin sei es gelungen, den ursprünglichen Gesetzentwurf nachzubessern. Zugleich stellt er aber klar: "Entscheidungen werden immer noch auf Parteitagen getroffen. Der bestimmende Weg ist die reale Welt." [von Michael Kaczmarek / Euractiv.]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Das Web der Sofa-Aktivisten
  1.  
  2. 1
  3. 2


Jörg Zweier 28. Jul 2009

Meiner Meinung nach wird zu viel Wahl"kampf" betrieben. Jeder versucht, an die Macht zu...

Welti 28. Jul 2009

kT

0o9i8u7z 28. Jul 2009

Ich bezweifle allerdings, dass sowas die Regel ist. Lieber informiere ich mich im...

Obsthändler 27. Jul 2009

... denn wir Deutschen sind, waren und bleiben Obrigkeitshörig. Es gefällt uns, wenn uns...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Whistleblower
Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen

Wieder hat sich in den USA ein ehemals hochrangiger Militär und Beamter über Kontakte mit Aliens geäußert.

Whistleblower: Ehemaliger US-Konteradmiral äußert sich zu Außerirdischen
Artikel
  1. Schadstoffnorm 7: Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos
    Schadstoffnorm 7
    Neue Grenzwerte für Abrieb gelten auch für E-Autos

    Die neue Euronorm 7 legt nicht nur Grenzwerte für Bremsen- und Reifenabrieb fest, sondern auch Mindestanforderungen für Akkus.

  2. Ramjet: General Electric testet Hyperschalltriebwerk
    Ramjet
    General Electric testet Hyperschalltriebwerk

    Das Triebwerk soll Flüge mit Mach 5 ermöglichen.

  3. Elektroautos: Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie
    Elektroautos
    Mercedes und Stellantis übernehmen komplette Umweltprämie

    Nach dem abrupten Aus der staatlichen Förderung springen erste Hersteller von Elektroautos ein.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /