British Telecom: Erst mal kein Phorm

Glasfasernetz hat Vorrang vor personalisierter Werbung

British Telecom (BT) hat den Einsatz des personalisierten Werbesystems des Anbieters Phorm auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Als Grund gab BT an, der Aufbau eines neuen Breitbandglasfasernetzes habe Vorrang. Die Phorm-Aktie verlor nach der Ankündigung dramatisch an Wert.

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Der Telekommunikationsanbieter British Telecom (BT) hat den Einsatz des umstrittenen Werbesystems Webwise des Anbieters Phorm auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund ist, dass BT dem Netzausbau eine höhere Priorität einräumt.

Das Unternehmen gebe dem Aufbau eines superschnellen Breitbandnetzes der nächsten Generation den Vorzug vor dem neuartigen Werbesystem, berichtet die Tageszeitung Guardian. Dafür veranschlagt das Unternehmen gut 1,5 Milliarden britische Pfund, umgerechnet etwa knapp 1,75 Milliarden Euro.

Werbesystem schaut in den Datenstrom

Webwise ist ein System für personalisierte Werbung. Phorm analysiert per Deep Packet Inspection, welche Websites ein Internetnutzer besucht und nach welchen Begriffen er in Suchmaschinen sucht. Daraus wird ein Nutzungsprofil erstellt, zu dem Phorm passende Werbung ausliefert.

Das System ist sehr umstritten - nicht zuletzt, weil BT mehrere Tests mit Phorm durchgeführt hat, ohne die Nutzer zu informieren und ihr Einverständnis einzuholen, dass ihr Surfverhalten protokolliert wird. Erboste Internetnutzer wandten sich daraufhin an Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, die die britische Regierung aufforderte, zu dem umstrittenen Werbedienst Stellung zu nehmen.

Mitte September 2008 legte die Regierung daraufhin einen Katalog mit Bedingungen vor, von denen sie die Zulassung des Systems abhängig macht. Die gingen der EU-Kommission jedoch nicht weit genug, weshalb sie im April 2009 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Großbritannien eröffnete. Das Land habe, so die Kommission, die EU-Vorschriften zum Datenschutz in der elektronischen Kommunikation nicht angemessen umgesetzt.

Kurz nach der Ankündigung des Verfahrens der EU-Kommission untersagten Amazon und Wikipedia Phorm die Nutzung ihrer Webseiten.

BT weiterhin an Phorm interessiert

BT-Sprecher Mike Jarvis sagte der BBC, die Entscheidung habe nichts mit Datenschutzerwägungen zu tun. Das Unternehmen sei immer noch an personalisierter Werbung interessiert, "aber im Moment haben wir keine unmittelbaren Pläne." Die Priorität von BT liege auf dem Aufbau des neuen Glasfasernetzes, so Jarvis.

Eine Phorm-Sprecherin spielte die Bedeutung der BT-Entscheidung gegenüber dem Wall Street Journal herunter. BT habe ja lediglich die Einführung von Webwise verschoben, nicht aber ganz abgesagt. Einen festen Zeitplan habe es ohnehin nicht gegeben. Außerdem sei das Unternehmen in Verhandlungen mit weiteren großen britischen Providern. Dennoch fiel der Kurs der Phorm-Aktie um 40 Prozent.

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