Intels Core-i5-Nachfolger "Sandy Bridge" soll fertig sein
Intels modernster verfügbarer Prozessor ist der Core i7 , dessen Architektur hat den Codenamen Nehalem. Gefertigt wird er in 45 Nanometern Strukturbreite, was auch für die bereits angekündigten Core i3 und Core i5 gilt ( Lynnfield und Clarksfield ), die ersten Modelle dieser Serien sollen noch 2009 erscheinen. Danach folgt 2010 nach Intels offizieller Roadmap die Westmere-Familie , mit der ein Wechsel auf 32 Nanometer erfolgt.
Erst danach, also Anfang 2011, ist nach der Nehalem-Architektur ein vollständig neues Prozessordesign fällig, das den Codenamen Sandy Bridge trägt. Als wesentliche Neuerungen dafür hat Intel bisher nur eine Integration von Grafikfunktionen auf das Die des Prozessors sowie die Befehlssatzerweiterung AVX bekannt gegeben. Bei den Westmere-CPUs wird der Grafikchip noch neben das Die des Prozessors montiert, aber im selben Chipgehäuse.
Die Onlineausgabe der für gewöhnlich gut unterrichteten französischen Zeitschrift Canard PC(öffnet im neuen Fenster) hat nun ein Bild veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , das den ersten sogenannten "Die-Shot" des Sandy Bridge zeigen soll. Es dürfte sich um die Mainstream-Version mit vier Kernen handeln, schon 2010 will Intel mit "Gulftown" den ersten Desktop-Prozessor mit sechs Kernen vorstellen. Das Bild von Sandy Bridge zeigt jedoch nur vier Kerne.
Das HyperThreading des Nehalem, das die Zahl der Kerne für das Betriebssystem virtuell verdoppelt, wird laut Canard PC bei Sandy Bridge beibehalten. Jeder Kern besitzt 256 KByte L2-Cache und 32 KByte L1-Cache für Daten – wie viel für Instruktionen zur Verfügung steht, ist noch nicht bekannt. Die Kerne teilen sich einen L3-Cache von 8 MByte mit einem Ringbus. Über diesen ist auch der Grafikkern angebunden, was gemessen an bisherigen integrierten Grafiklösungen für sehr viel Tempo sorgen dürfte. Das gilt auch für den Takt der Grafiklogik: 1 bis 1,4 GHz sind laut Canard PC vorgesehen.
Wie schon bei Nehalem und dem aktuellen Core i7 ist der Speichercontroller auf der CPU integriert, mit der Mainstream-Ausgabe von Sandy Bridge aber nur mit zwei Kanälen, der Core i7 hat derer drei, Core i5 und Core i3 aber bereits nur noch zwei. DDR3 mit effektiv 1.600 MHz beherrscht Sandy Bridge aber, offiziell ist beim Core i7 bei 1.066 MHz Schluss, auch wenn die meisten dieser Prozessoren den Speicher viel schneller betreiben können, was aber die Spezifikationen verletzt.
Dennoch zeichnet sich damit nun ab – so die Daten des Sandy Bridge stimmen – dass auch in den kommenden zwei Jahren keine großen Innovationen beim Hauptspeicher zu erwarten sind.
Neben Grafik und Speichercontroller ist auch die " Power Control Unit " (PCU), die bereits der Core i7 besitzt, weiterhin Teil der CPU. Dazu kommt mit Sandy Bridge dann aber noch gleich der PCI-Express-Bus. Der Chipsatz, der schon mit Core i5 und Core i3 nur noch aus einem Baustein bestehen kann, bekommt damit immer weniger zu tun. Trotz dieser Integration des halben Mainboards auf dem Die des Prozessors soll Sandy Bridge nur eine TDP von 85 Watt aufweisen.
Das wäre ein Fortschritt, denn bei geringerer Integrationsdichte heizen die Core i7 als erste Vertreter einer neuen Intel-Architektur mit 130 Watt TDP. Fraglich ist noch, was die 6-Kern-Versionen von Sandy Bridge benötigen sowie die ebenfalls durch inoffizielle Roadmaps spukenden Ausgaben mit 16 MByte L3-Cache. Als Taktfrequenzen für die Kerne von Sandy Bridge schätzt Canard PC 2,8 bis 3,4 GHz – auch hier gibt es wie beim Speicher kein Wettrennen mehr, größere Leistung kommt wie schon seit Jahren aus mehr Kernen und Verbesserungen der Architektur. Den Takt können die Intel-Prozessoren zudem per Turbo-Boost dynamisch nach oben regeln.
Für Selbstbau-Fans und Aufrüster gibt es eine gute Nachricht aus den nicht genannten Quellen von Canard PC: Der mit dem Core i5 eingeführte Sockel LGA 1156 soll auch bei Sandy Bridge Verwendung finden. Damit würde Intel wie schon bei Pentium 4 D bis Core 2 Quad über drei Generationen hinweg den Sockel nicht wechseln. Ob sich Core i5 (Nehalem), Westmere und Sandy Bridge aber in den 2009 erwarteten Mainboards betreiben lassen, ist damit keineswegs sicher. Intel behält oft die Mechanik des Sockels bei, ändert aber Belegungen und Spannungsversorgungen.
Da es schon ein angebliches Bild des Dies von Sandy Bridge gibt, muss der Prozessor wohl in einem ersten Stepping existieren. Laut Canard PC erfolgte das "Tape Out", der Beginn der Produktion von ersten Mustern, schon im Juni 2009. Von diesem Moment bis zur Serienprodukten vergehen im Prozessorgeschäft sechs bis zwölf Monate, wenn keine größeren Schwierigkeiten mit Design oder Fertigung auftreten.
Sofern die nicht bestätigen Angaben der französischen Webseite stimmen, kann Intel für die kommenden zwei Jahre seinen Prozessorfahrplan in aller Ruhe abarbeiten. Die Frage ist nur, ob AMD noch rechtzeitig kontern kann und wie die PC-Hersteller auf das Stakkato an neuen Prozessoren reagieren werden. Den Kunden jedes Jahr eine vermeintliche Prozessorinnovation schmackhaft zu machen, könnte immer schwieriger werden.



