Abo
  • Services:

China verschiebt Einführung von Filtersoftware

Regierung verschiebt umstrittenen Pornofilter auf unbestimmte Zeit

Das zuständige Ministerium in Peking hat am Abend vor der Einführung die Filtersoftware "Green Dam Youth Escort" gestoppt. Die offizielle Begründung lautet, dass einige Hersteller mehr Zeit brauchten, um ihre Computer damit auszurüsten.

Artikel veröffentlicht am ,

Chinas Internetnutzer haben gezeigt, dass Protest im Internet tatsächlich Politiker umstimmen kann: Die chinesische Regierung hat die Einführung der Filtersoftware "Green Dam Youth Escort" auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Entscheidung hat das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) am Vorabend der Einführung der Software bekanntgegeben.

Stellenmarkt
  1. Bundeskriminalamt, Berlin
  2. ENSO Energie Sachsen Ost AG, Dresden

Die Entscheidung kam offensichtlich überraschend: Der chinesische Computerhersteller Lenovo etwa wusste gar nichts davon, berichtet die Tageszeitung China Daily in ihrer heutigen Ausgabe. Konkurrent Sony hat sogar schon mit der Auslieferung von Computern mit Green Dam begonnen.

Pornofilter oder Zensursoftware?

Ab dem heutigen 1. Juli 2009 sollte, so der Beschluss der Regierung, das Programm auf allen in China verkauften Computern vorinstalliert sein. Green Dam sei eine Filtersoftware, betonten die Politiker, deren Zweck es sei, Jugendlichen den Zugang zu für sie ungeeigneten Inhalten, wie etwa Pornografie oder Gewaltdarstellungen, zu verwehren. Außerdem sollten Eltern mit diesem Programm kontrollieren können, wie viel Zeit ihr Nachwuchs im Internet verbringe.

Kritiker vermuteten jedoch, dass entgegen den Beteuerungen der Regierung, die Software den Zugang zu unerwünschten kritischen Inhalten sperren werde. Unabhängig davon stellten Informatiker fest, dass die Software gravierende Sicherheitslücken aufweist. Darüber soll es möglich sein, die Kontrolle über einen Computer zu übernehmen.

Proteste im In- und Ausland

Der Ankündigung folgten weltweite Proteste: Westliche Regierungen, Computerhersteller und Menschenrechtsgruppen verlangten die Rücknahme der Entscheidung. Aber auch Nutzer und Medien im Land protestierten lauthals gegen die Filtersoftware. In einer Umfrage des Portals Sohu.com sagten knapp 84 Prozent der Befragten, die zwangsweise Installation von Green Dam sei eine Verletzung der Privatsphäre. China Daily bezeichnete sie als "fragwürdige Maßnahme". In Blogs und Foren kursierten Karikaturen, die das Programm aufs Korn nahmen. Der bekannte Künstler Ai Weiwei rief über Twitter sogar dazu auf, am 1. Juli das Internet zu boykottieren.

In der vorletzten Woche hatte das MIIT bereits einen ersten Rückzieher gemacht: Hatte es anfangs geheißen, das Programm müsse auf den Rechnern vorinstalliert sein, gestand das MIIT Nutzern später zu, sie könnten selbst entscheiden, ob sie das Programm nutzen. Es müsse lediglich dem Computer beiliegen. Nun wurde die Einführung auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Ministerium wolle zwar den Plan der Vorinstallation "perfektionieren", sagte eine MIIT-Sprecherin der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua. Es ist jedoch gut möglich, dass der Plan auf diese Weise heimlich begraben wird.

In der offiziellen Sprachregelung wurden die Proteste nicht erwähnt: Die Einführung der Software sei verschoben worden, weil einige Computerhersteller gesagt hatten, sie brauchten mehr Zeit für die Installation, begründete die MIIT-Sprecherin den Aufschub. Allerdings drohten auch rechtliche Schwierigkeiten: Das amerikanische Softwareunternehmen Solid Oak beschuldigte Green-Dam-Hersteller Jinhui Computer System Engineering, sein Programm CyberSitter unrechtmäßig kopiert zu haben.

Ganz will das MIIT jedoch nicht von der Filtersoftware lassen. Das Ministerium werde Green Dam weiterhin kostenlos zum Herunterladen anbieten, so die Sprecherin. Außerdem sollen die Computer in Schulen und Internetcafés damit ausgestattet werden.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)
  2. 4,99€
  3. (u. a. Der Marsianer, Spaceballs, Titanic, Batman v Superman)

Wikifan 06. Jul 2009

Grund: Die "Einführung" wäre auch jugendgefährdend, da die CDs zu groß sind. ;-)

DJ Bobo 02. Jul 2009

...sind schon ein komisches Völkchen. "nur zum Schutz der Jungend" alles klar, genau...

Westlicher Bürger 01. Jul 2009

"Westliche Regierungen (...) verlangten die Rücknahme der Entscheidung." Zählt unsere...

Bienveillantes 01. Jul 2009

Gestern früh habe ich Chinesinnen gesagt, die Parteispitze will die totale...

Nicht ganz 01. Jul 2009

liefert alle Computer schon zensurtechnisch vorbereitet in China aus. Oder stoppt Sony...


Folgen Sie uns
       


Super Nt - Fazit

Wir ziehen unser Test-Fazit zum Super Nt von Analogue.

Super Nt - Fazit Video aufrufen
Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos
Xperia XZ2 Compact im Test
Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos

Sony konzentriert sich beim Xperia XZ2 Compact erneut auf die alte Stärke der Serie und steckt ein technisch hervorragendes Smartphone in ein kompaktes Gehäuse. Heraus kommt ein kleines Gerät, das kaum Wünsche offenlässt und in dieser Größenordnung im Grunde ohne Konkurrenz ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Xperia XZ2 Premium Sony stellt Smartphone mit lichtempfindlicher Dualkamera vor
  2. Sony Grundrauschen an Gerüchten über die Playstation 5 nimmt zu
  3. Playstation Sony-Chef Kaz Hirai verabschiedet sich mit starken Zahlen

God of War im Test: Der Super Nanny
God of War im Test
Der Super Nanny

Ein Kriegsgott als Erziehungsberechtigter: Das neue God of War macht nahezu alles anders als seine Vorgänger. Neben Action bietet das nur für die Playstation 4 erhältliche Spiel eine wunderbar erzählte Handlung um Kratos und seinen Sohn Atreus.
Von Peter Steinlechner

  1. God of War Papa Kratos kämpft ab April 2018

Adblock Plus: Bundesgerichtshof erlaubt Einsatz von Werbeblockern
Adblock Plus
Bundesgerichtshof erlaubt Einsatz von Werbeblockern

Der Bundesgerichtshof hat im Streit um die Nutzung von Werbeblockern entschieden: Eyeo verstößt mit Adblock Plus gegen keine Gesetze. Axel Springer hat nach dem Urteil angekündigt, Verfassungsbeschwerde einreichen zu wollen.

  1. Urheberrecht Easylist muss Anti-Adblocker-Domain entfernen

    •  /