Spieletest: Overlord 2 - Böses tun und genießen
Die ersten Missionen verbringt der Spieler somit in Kindesform und erlernt nebenbei die grundsätzliche Bedienung. Mit der Keule auf Altersgenossen einhauen, Schneemänner umstoßen und Kisten zerdeppern – alles kein Problem. Kleinere Magiestöße eignen sich dazu, leicht entflammbares Material in Brand zu setzen und so das erste bisschen Chaos anzurichten. Ein Vorgeschmack auf das, was im weiteren Spielverlauf noch kommt.
Später macht sich der feine Herr Overlord aber für gewöhnlich nicht selbst die Finger schmutzig. Stattdessen nutzt er seine naiven, aber überaus folgsamen Schergen: Per Knopfdruck rennen die auf ein anvisiertes Ziel los, verprügeln Soldaten, zerstören Hütten, plündern und brandschatzen. Sind dem Spieler die grundsätzlichen Möglichkeiten in Fleisch und Blut übergegangen, darf er den Rachefeldzug gegen das Glorreiche Imperium beginnen und ein Gebiet nach dem anderen einnehmen.
Prinzipiell spielt sich Overlord 2 wie der Vorgänger, allerdings sind vor allem bei der Steuerung der Schergen einige Neuerungen sowie mehr Komplexität hinzugekommen. Vor allem im späteren Spielverlauf gilt es, kleinere Rätsel zu lösen und die willenlosen Helferlein geschickt einzusetzen. Insgesamt gibt es vier verschiedene Gruppen: Die braunen Goblins sind die Standardgruppe, die sich vor allem im Nahkampf gut schlägt. Die roten Biester verfügen über Feuerkraft und grüne heilen, während die blauen auch mit Magie zurechtkommen. Mit etwas Feingefühl lassen sich die jeweiligen Truppen geschickt auf unterschiedliche Ziele wie Soldatentrupps, Barrikaden, Stadttore oder Steinbarrikaden schicken. Zudem kann der Overlord seinen Schergen jetzt auch Reittiere wie Wölfe organisieren oder mit ihnen schweres Gerät wie Katapulte kapern und benutzen. An einigen Stellen verändert sich die Steuerung; dann wird nicht mehr der Overlord, sondern sein Chefsklave bedient.
Die Missionen und Aufträge ähneln sich: neue Gebiete erschließen, römische Soldatenheere bekämpfen, Dörfer plündern und Bewohner unterjochen. Langweilig wird das Ganze trotzdem nicht so schnell – allein schon, weil wie im Vorgänger zahlreiche Fantasyklischees auf die Schippe genommen werden und zudem wenig bis kein Wert auf Political Correctness gelegt wird. Welch anderes Spiel ermöglicht es schon, auf Robben einzuschlagen, niedliche Häschen zu erlegen oder mit depressiven Magiewesen in Kontakt zu treten? Die gelungene Sprachausgabe unterstützt das zusätzlich. Wenn die Schergen beim Beutezug in Kinderliedmanier singen, ist das ebenso bitterböse wie unterhaltsam.
Spieler des Vorgängers dürften sich allerdings darüber ärgern, dass inhaltlich vieles beim alten geblieben ist, die Rollenspielelemente sind wieder nur rudimentär. Enttäuschender ist, dass das Entwicklerteam der Triumph Studios technische Mankos nicht behoben hat: Die Kamera steht immer noch oft ungünstig, teils sind die Welten trotz Minikarte unübersichtlich, die Bedienung der Schergen oft hakelig. Auch die KI sowie die Wegfindung der kleinen Gefährten ist manchmal verbesserungswürdig, etwa wenn sie partout immer den kürzesten Weg zu einem Ziel einschlagen, ohne Rücksicht darauf, ob unterwegs Hindernisse lauern, die ihr Leben beenden.
Overlord 2 ist für Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC erhältlich und kostet 70 Euro (Konsolen) beziehungsweise 50 Euro (PC). Am PC benötigt das Programm neben Windows XP oder Vista mindestens 1 GByte RAM, einen Rechner mit 3,4 GHz und eine Grafikkarte ab Geforce 6800GTX oder Radeon X1800XT aufwärts. Auf der Festplatte belegt Overlord 2 rund 4,5 GByte. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
Fazit
Kaum Veränderungen beim Spielprinzip, aber auch nicht beim Spielspaß: Trotz kleinerer technischer Macken ist Overlord 2 dank schöner Präsentation und Unmengen von bitterbösem Humor beste Unterhaltung. Wer sich nicht daran stört, dass Codemasters das Erfolgsrezept des Vorgängers neu aufkocht, kann mit seinen Schergen erneut viel amüsantes Unheil anrichten.



