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Harvard-Studie: Filesharing ist kulturfördernd

Mehr neue Bücher, Musik, Filme und Konzerte produziert. Musik- und Filmindustrie klagen seit Jahren, ihnen entstünden durch Filesharing hohe Verluste. Wissenschaftlich belegt ist das bisher nicht. Eine Studie zum Filesharing belegt hingegen, dass die Vielfalt der kulturellen Produktion in den Jahren nach Napster zugenommen hat.
/ Jens Ihlenfeld
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Ist Filesharing das beste Mittel zur Kulturförderung seit der Erfindung des Buchdrucks? Lobbyisten im Dienst von Musik- und Filmkonzernen – und zunehmend auch aus der Verlagsbranche – werden auf diese Frage ohne Nachdenken und Zögern mit einem lauten nein antworten.

Wissenschaftler sind da zurückhaltender. Sie machen sich die Mühe, das Problem zu erforschen, bevor sie eine solche Frage beantworten. Im Ergebnis kann die Antwort dann überraschend ausfallen.

Für Künstler nicht abschreckend

"Die Gesamtproduktionszahlen für die Kreativwirtschaft scheinen die Ansicht zu bestätigen, dass Filesharing auf Künstler und Verwerter nicht abschreckend wirkt. Zwar ist die Anzahl der verkauften Musikalben nach 2000 gefallen. Zugleich ist aber die Anzahl der neu produzierten Alben explodiert. Im Jahr 2000 wurden [in den USA] 35.516 Alben veröffentlicht. Sieben Jahre später waren es [...] 79.695 Alben (darunter 25.159 Digitalalben)."

Das schreiben Felix Oberholzer-Gee und Koleman Strumpf von der Harvard Business School in einer aktuellen Studie mit dem Titel " File-Sharing and Copyright(öffnet im neuen Fenster) ".

Nimmt man also die Vielfalt der produzierten Musikalben als Maßstab und nicht lediglich die absolute Menge verkaufter Musikalben, dann lassen sich die von Oberholzer-Gee und Strumpf zusammengetragenen Zahlen so interpretieren, dass Filesharing kulturfördernd wirkt.

Mehr Filme

Dieser Effekt lässt sich nicht nur bei der Musikproduktion nachweisen: "Vergleichbare Trends lassen sich in anderen Bereichen der Kreativwirtschaft beobachten. Beispielsweise ist die Anzahl der weltweit jährlich produzierten Spielfilme von 3.807 im Jahr 2003 auf 4.989 im Jahr 2007 gestiegen. [...] Länder mit weit verbreiteter Piraterie haben typischerweise die Produktion erhöht. [...] In den USA ist die Spielfilmproduktion von 459 Filmen im Jahr 2003 auf 590 Filme im Jahr 2007 angestiegen."

Nicht eine Verschärfung des Urheberrechts wie beispielsweise durch die Schutzfristverlängerung für Musikaufnahmen in der EU dient demnach dem Zweck, Musiker und Verwerter zur Produktion neuer Kulturgüter zu animieren. Im Gegenteil, eine effektive Schwächung des Urheberrechtsschutzes, wie sie beispielsweise durch Filesharing verursacht wird, führt dazu, dass mehr neue Musik, mehr neue Filme und mehr neue Bücher produziert werden. Der verbesserte Zugang zu kulturellen Werken begünstigt die Produktion neuer kultureller Werke. [von Robert A. Gehring]


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