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Spieletest: Die Sims 3 - kreativ veredelt

Die Lebenssimulation geht am PC in die dritte Runde. Ist Sims 3 ein würdiger Nachfolger der verkaufsstarken Spieleserie am PC? Der Test zeigt, in welche Richtung sich die Lebenssimulation im dritten Anlauf entwickelt und wo Entwickler Maxis nachgebessert hat.
/ Michael Wieczorek
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Die Marke Sims gibt es auf allen spieletauglichen Plattformen – egal ob Handhelds, Konsolen oder Mobiltelefonen. Das Herz und den Ursprung der Serie finden Spieler jedoch seither auf dem PC. Durch eine frei begeh- und erlebbare Kleinstadt bringt Entwickler Maxis die Sims 3 nun auf die nächste große Evolutionsstufe des von ihm begründeten Genres der Lebenssimulation.

In Sims 3 gibt es kein großes, übergeordnetes Ziel für den Spieler, das es zu erreichen gilt. Der Titel versteht sich, wie die Vorgänger auch, als Baukasten oder interaktives Aquarium. Die Spielwelt ist eine Kleinstadt. In ihr kontrolliert der Spieler einen oder mehrere Sims gleichzeitig oder gestaltet neue Grundstücke. Drei Dinge machen den Spaß der Serie aus:

Interaktionsmöglichkeiten

Zum einen sind das die endlosen Möglichkeiten zur Interaktion mit der Spielwelt und vom Computer gesteuerten Sims. Der Spieler kann mit seinen Figuren beispielsweise andere Sims anflirten, mit ihnen ausgehen, tratschen, spielen oder kochen – jederzeit. Nur wie diese darauf reagieren ist unklar.

Alle Sims weisen individuelle, menschliche Charaktermerkmale auf. Treffen sie aufeinander, hat das immer Folgen, im Guten wie im Schlechten. Als Opa im Park jungen Hüpfern in den Po zu kneifen dürfte ebenso zu einem Drama führen, wie der klassische Sex mit der Ex. Die Animationen der Sims sind dabei sehr ausdrucksstark und erinnern an Slapstick-Komödien. So kann eine Partie Sims 3 durchaus den Unterhaltungswert einer Soap-Opera im TV übersteigen – und der Spieler steckt mittendrin.

Das Streben nach Glück

Irene und Rhett Funke können nicht gut mit Kindern, weil sie zu planlos und flatterhaft sind. Das Spiel liefert die Familie aber direkt mit drei Plagegeistern aus. Übernimmt der Spieler die Kontrolle über die Funkes, wird er sich mit dem zweiten Punkt auseinandersetzen müssen, der den Spaß mit Sims 3 ausmacht: Den Sims Wünsche erfüllen. Die Funkes sind dabei schon eine größere Herausforderung.

Das Wohlbefinden wird im Spiel durch mehr oder minder gefüllte, grüne Balken zum Ausdruck gebracht. Das waren in Sims 2 noch acht, jetzt sind es sechs: Hunger, Sozial, Harndrang, Hygiene, Energie und Spaß – Umgebung und Komfort sind weggefallen. Sind die Balken voll, geht es dem Sim grundlegend gut. Möchte der Spieler die Funkes aber glücklich machen, muss er den Kindern ständig neue Spielsachen besorgen, Irene eine neue Küche kaufen und dem zugeknöpften, wenig charismatischen Rhett ins Bürgermeisteramt verhelfen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Der letzte Punkt auf der Liste, was bei den Sims Spaß bereitet, ist der Baumodus. In Sims 2 ließ er noch wünschen übrig. Einrichtungsgegenstände konnten nicht diagonal in Zimmer platziert werden, Farbkombinationen waren vordefiniert. Nur wer mit dem wenig zugänglichen Editor vertraut war, konnte nach eigenem Geschmack Haare färben oder den passenden Schlips zur Socke wählen.

Das alles ist mit Sims 3 Vergangenheit. Zwar hat Maxis bei der Anzahl für Frisuren gespart, allgemein aber die Optionen zur Individualisierung aufgestockt. Vor allem ist es jetzt auch ohne weitere Accessoire-Erweiterungen möglich, den Sim schick und modern einzukleiden. Die wichtigsten Basisoutfits werden mitgeliefert. Durch die freie Farb- und Kombinationswahl für Hautfarbe und jedes separate Kleidungsstück macht es mehr Spaß denn je, das passende Outfit für jede Gelegenheit zu basteln.

Im Vergleich zum Vorgänger fällt auf, dass Sims 3 runder wirkt. Die komplette Kleinstadt ist für den Spieler ohne Ladezeiten zugänglich. So kann erst im Einkaufszentrum gebummelt, im Kino Popcorn gefuttert und zum Abschluss im Park in die Sterne geschaut werden – alles ohne störende Ladezeiten. Für das Spielgefühl bei den Sims ist das revolutionär gut.

Die optische Qualität der Objekte und Umgebungen ist von dezent aufgehübschten Wassereffekten abgesehen auf dem gleichen Niveau wie Sims 2. Bei aufwändigen Kameraschwenks und schnellem Wechsel von Örtlichkeiten ruckelt die Grafik auch auf Highend-PCs – aber nicht so deutlich wie im Vorgänger mit allen installierten Addons. Die Bedienoberflächen wurden dezent überarbeitet und stellen für Sims-Profis keine Barriere dar. Einsteiger können bei über 50 Schaltflächen gleichzeitig auf dem Bildschirm aber überfordert sein. Ihnen hilft auf Wunsch ein Tutorial.

Maxis hat Sims 3 auch mit Funktionen garniert, die sich langjährige Fans gewünscht haben: Über einen neu entwickelten Editor lassen sich im Spiel abgespeicherte Filme schneiden und direkt ins Internet setzen. Ob und wie schnell die Sims altern, kann vom Spieler eingestellt werden. Und jeder Sim trägt jetzt ein Mobiltelefon bei sich, mit dem er zum Beispiel Schnappschüsse macht oder sich von überall aus mit Freunden organisiert – ein überfälliges Feature.

Einschränkungen

Wer den Vorgänger mit allen Addons kennt, wird vom Umfang der Möglichkeiten in Sims 3 etwas enttäuscht sein. Es gibt weder Haustiere, noch einen Jahreszeitenwechsel oder echte Urlaubsmöglichkeiten. Viele lieb gewonnene Aktivitäten aus den Addons für Sims 2 sind nicht in Sims 3 enthalten.

Allerdings macht das neue Sims einen wesentlich kompatibleren Eindruck in punkto Erweiterungen. Neue Möbel, Frisuren und Accessoires werden einzeln oder in Sets online über den Sims-Store angeboten und auch spielerweiternde Addons sind geplant. Onlinegegenstände, wie eine Frisur kosten etwa einen Euro. Über das Preis-Leistungsverhältnis wird in der Community schon heftig diskutiert . Alle Downloads werden übersichtlich sortiert vor dem Spielstart verwaltet.

Sims 3 ist für Windows-PC und Mac erschienen und kostet in der normalen Verkaufsversion rund 50 Euro. Eine Collector's Edition ist für 60 Euro am Markt und bietet zusätzlich zum Spiel einen 2-GByte großen USB-Stick im Design eines Sims-Kristalls. Entgegen vorheriger Ankündigungen, dass auch ein Lösungsbuch beiliege, bietet die Collector's Edition keinen weiteren Mehrwert. Ein aufwändiger Kopierschutz wird nicht verwendet. Der beiliegende Produktschlüssel wird an eine E-Mail-Adresse gebunden. Sims 3 läuft auf PCs, die über einen Prozessor mit 2 GHz, 1 GByte RAM sowie eine Grafikkarte mit 128 MByte und Pixel Shader 2.0 verfügen. Das Spiel belegt mindestens 7,5 GByte auf der Festplatte.

Fazit

Die Sims sind frei. Frei von Ladezeiten und vordefinierten Farbkombinationen. Und mit Freiheit stellen sich auch kreativere Möglichkeiten und höherer Spielspaß ein. Überall dort, wo der Vorgänger kränkelte, hat Maxis nachgebessert und mit Sims 3 ein stimmiges, authentisches Spiel geschaffen. Fans des Vorgängers, die im Spiel Schneeballschlachten, Haustiere oder Urlaub total erwarten, könnten enttäuscht sein. Sims 3 bietet nicht den Umfang von Sims 2 inklusive aller erschienenen Addons. Dennoch ist es ein idealer Neuanfang, der viel Potential hat, stetig besser zu werden. Ein Mehrspielermodus fehlt den Sims zum Beispiel noch immer.


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