Test: iPhoneOS 3.0 - langsam wird's

Mit dem iPhoneOS 3.0 veröffentlicht Apple die dritte große Version des Betriebssystems für das iPhone. Neu hinzugekommen sind unter anderem das lang entbehrte Copy & Paste, MMS-Tauglichkeit und die Möglichkeit, die Inhalte des Mobiltelefons effizient zu durchsuchen.
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| Video: iPhoneOS 3.0 – Test (2:17) |
Für den Test wurde ein iPhone 3G genutzt, das nicht mit dem neuen iPhone 3GS zu verwechseln ist, das einige zusätzliche Möglichkeiten durch veränderte Hardwarefunktionen bietet.
Die Installation des neuen Betriebssystems war im Test unproblematisch und ging schnell. Das Aufspielen dauerte weniger als eine Stunde, danach funktionierte alles tadellos. Mit dem neuen Betriebssystem erschien auf dem Gerät, das zum Testen genutzt wurde, ein neues Icon für Sprachnotizen. Erfreulich: Dadurch werden die Programmseiten nicht durcheinander gewürfelt. Apple fügt einfach bei Bedarf eine neue zweite Seite für Programme ein und behält die bereits durchgeführte Sortierung der Programme bei.
- Suchen und Finden
- Wiederfinden eines verlorenen iPhones
- SMS, MMS und das Mobiltelefon als Modem
- HTML 5 statt Flash-Plugin
- Viele Änderungen in vielen Anwendungen
- Fazit
Cut, Copy & Paste
Eines der größten Ärgernisse des iPhones waren bislang fehlende Austauschmöglichkeiten zwischen den Anwendungen. Wer eine Telefonnummer aus einer Webseite herauskopieren und in einen Kontakt einpflegen wollte, konnte das nicht direkt tun. Das Ausschneiden, Kopieren und Einfügen von Inhalten ist jetzt kein Problem mehr und funktioniert auch anwendungsübergreifend, wie Anwender es sich lange gewünscht haben.
Kopieren und Einfügen funktioniert bei SMS, Safari, Mail oder den Notizen jeweils im Detail etwas anders. Wenn der Anwender Text aus Safari herauskopieren will, wird etwa der Finger auf der Webseite so lange gehalten, bis die Lupe erscheint. Mit dieser Lupe wählt der Anwender eine Stelle aus, die dann gleich markiert wird. Das System ist dabei intelligent genug gleich das ganze Wort auszuwählen und einen kleinen Kopier-Knopf darüber zu platzieren. Wer will kann den Anfang und das Ende der Marierung anpassen. Auch hier hilft eine Lupe weiter um die Markierungen präzise zu setzen.
Das Einfügen des herauskopierten Texts funktioniert ähnlich. Ach hier wird die Lupe aufgerufen und die Stelle ausgesucht, in welche der Text hineinkopiert werden soll. Texte lassen sich auch noch weiter mit der Zwischenablage bearbeiten.
Die Nutzung geht nach etwas Eingewöhnung locker von der Hand. Manchmal braucht das iPhone allerdings eine kleine Denkpause, bis die Kopier- oder Einfügenfunktion zur Verfügung steht.
Anwendungen von Drittanbietern, die die neuen Funktionen nutzen wollen, brauchen allerdings ein Update. Die Neuerungen stehen also nicht einfach überall zur Verfügung.
Suchen und Finden
Besonders gut gefällt die integrierte Suchfunktion des iPhoneOS 3.0, die Apples Spotlight ähnelt. An die Suche kommt der Anwender auf zwei Arten heran. Entweder er drückt auf dem Startbildschirm noch einmal kurz die Haupttaste des iPhones, oder er bewegt sich mit dem Finger auf eine Seite, die noch vor dem eigentlichen Startbildschirm liegt.
Die Suche kann nicht im Querformat genutzt werden, obwohl Apple mit der neuen Version des Betriebssystems das Querformat in mehr Programmen unterstützt als vorher. Nach Inhalten suchen ist also nur mit der kleinen Bildschirmtastatur möglich, was sehr gut funktioniert. Schon nach Eingabe weniger Buchstaben präsentiert das iPhone die ersten Ergebnisse, so wie es Mac-Anwender bereits von ihrem Betriebssystem kennen.
Durchsucht werden nicht nur Programme, sondern auch Inhalte aus E-Mails, Kontakten, Podcasts, Musik oder Kalendereinträgen. Einen Nachteil gibt es allerdings: SMS werden nicht durchsucht. Wer will, kann die Suchergebnisse auch einschränken und die Priorität bestimmen. Es ist etwa möglich, bei der Suche immer die Ergebnisse der Notizen als erstes zu bekommen und das Durchsuchen von Hörbüchern auszuschließen.
Bei der Mail-Applikation ist besonders interessant, dass das iPhone sogar eine echte IMAP-Suche auf dem Server unterstützt. Das ist praktisch, weil dann nicht alle E-Mails auf dem iPhone vorgehalten werden müssen. Der Server ist mit Suchanfragen, gerade bei großen Postfächern, ohnehin schneller. Nutzer eines POP3-Kontos haben diesen Vorteil natürlich nicht.
Gerade bei einem Mobiltelefon, das häufiger in anderen Händen ist, birgt das ähnliche Probleme wie schon unter MacOS X. Die Suche ist so gut, dass sich schnell und gezielt nach Inhalten suchen lässt, die für andere Personen möglicherweise nicht bestimmt sind.
Wiederfinden eines verlorenen iPhones
Wer sein Handy häufiger verlegt oder es gar verliert, dürfte sich vor allem über die GPS-basierte Ortung des Handys freuen. Ist der Vibrationsalarm aktiv, bringt es wenig, ein verlegtes iPhone anzurufen. Hier hilft die Ortung und könnte verhindern, dass die Morgenlaune verdorben wird, nur weil das iPhone unters Bett gerutscht ist. Wer sein Mobiltelefon im Bus liegen lässt oder es sich klauen lässt, hat jetzt zumindest eine Chance, das Gerät wieder zu bekommen.
Für die Funktion "Find my iPhone", die im Deutschen "Mein iPhone suchen" heißt, bedarf es zwingend eines kostenpflichtigen MobileMe-Zugangs. Nachdem die Option im iPhone freigeschaltet wurde, kann der Anwender von jedem Ort, der mit einem Internetzugang ausgestattet ist, sein iPhone lokalisieren. Der Ort wird recht präzise auf einer Karte gezeigt. Wird das iPhone lokalisiert, wird das auf dem Mobiltelefon allerdings nicht angezeigt.
Es empfiehlt sich also, das MobileMe-Passwort sicher zu verwahren, damit kein anderer auf die Idee kommt, unbemerkt eine GPS-basierte Verfolgung aufzunehmen. Insbesondere das Thema soziale Kontrolle durch den Lebenspartner könnte eine Rolle spielen, wenn der Partner misstrauisch wird und Zugriff auf das möglicherweise gemeinsam genutzte MobileMe-Konto hat. Dann ist es ein Leichtes, die aktuelle Position des iPhones herauszufinden.
Neben der Lokalisierung hat der Anwender noch drei weitere Möglichkeiten, mit einem verloren gegangenen Gerät umzugehen: Er kann dem Mobiltelefon eine 160-Zeichen-Nachricht schicken, die dort als wichtige Nachricht erscheint, um einem potenziellen Finder etwa eine Belohnung zu versprechen. Diese Nachricht lässt sich, das ist die zweite Möglichkeit, mit einem zwei Minuten andauernden Alarm unterlegen. Die Nachrichten sind auch sichtbar, wenn gerade eine Anwendung offen ist.
Die dritte Möglichkeit und das wirklich letzte Mittel ist das Absetzen eines Löschkommandos, welches die Daten des iPhones komplett löscht. Wer sich sicher ist, dass er das Handy nicht mehr findet, soll somit alle Daten löschen können, sofern das Mobiltelefon noch in Kommunikationsreichweite ist. Bei erfolgreicher Löschung soll das iPhone eine letzte Nachricht zur Bestätigung der Löschung übermitteln. Beim Test wurde das allerdings nicht ausprobiert. Wird es wider erwarten doch gefunden, kann der Anwender die Daten über ein Backup wiederherstellen, das in der Regel automatisch beim Synchronisieren durchgeführt wird.
Wer will, kann MobileMe und damit "Mein iPhone suchen" mit einem kostenfreien 60-Tage-Testzugang ausprobieren. Die Angabe einer Kreditkartennummer ist allerdings zwingend notwendig und wer vergisst, den Testzugang zu kündigen, ist nach 60 Tagen 80 Euro los. Das Abonnement startet nach dem Testzeitraum automatisch. Eine abgespeckte Variante von MobileMe wäre wünschenswert. Viele Anwender haben das Angebot von MobileMe schon über andere Dienste abgedeckt und damit nur Interesse an der Ortungsfunktion.
Natürlich lässt sich "Mein iPhone suchen" durchaus aushebeln, vor allem, wenn der Anwender sein Gerät nicht mit einem Passwort schützt und damit für einen Dieb alle Einstellungen offen liegen. Mit einem Kennwort lässt sich beispielsweise der 2-Minuten-Alarm, der auch im Vibrationsmodus funktioniert, nicht einfach wegdrücken. Schade ist, dass das iPhone keine detaillierte Rechteverwaltung wie ein Computer besitzt. Es wäre beispielsweise praktisch, wenn nur die Systemeinstellungen und andere sensitive Daten von einem Passwort geschützt wären. Denn viele Anwender werden aus Bequemlichkeit kein Passwort setzen, weil es zu häufig abgefragt wird.
Wenn der Dieb auf die Idee kommt, die SIM-Karte herauszunehmen, ist das iPhone übrigens immer noch auffindbar, da die Kommunikation über WLAN weiterhin möglich ist. Das setzt aber voraus, dass die WLAN-Funktion und die Push-Funkion des iPhone immer aktiviert sind. Wer viele öffentliche Hotspots nutzt, erhöht so seine Chancen, das Mobiltelefon wiederzubekommen. Einzig nach dem Abschalten des Geräts kann der Dieb sich sicher sein, dass er nicht gefunden wird. Nach dem Einschalten des iPhones besteht für ihn durchaus wieder die Gefahr, dass die Geräteortung gelingt oder das Löschkommando zum iPhone durchdringt.
Eine mögliche Lösung wäre es, auch das Herunterfahren des iPhones optional mit einem Passwort zu schützen und so zumindest für einen definierbaren Zeitraum ein eingeschaltetes Handy zu gewährleisten. Der fest eingebaute Akku hat in einer solchen Situation sogar einen Vorteil, da das iPhone dann nur noch mit Werkzeug oder purer Gewalteinwirkung abschaltbar wäre. Wünschenswert wäre diese Funktion für ein späteres Softwareupdate.
Für ein solches Szenario müsste das Betriebssystem stabil genug sein, um nicht im ungünstigen Moment abzustürzen. Zumindest während des Tests lief das Betriebssystem stabil. Einem alter Fehler in der Firmware 2.2.1, mit dem es etwa in der Kombination mit der Anwendung Fahrinfo Berlin möglich war, das ganze iPhone reproduzierbar abstürzen zu lassen, war nicht mehr wiederholbar.
Weitere und sehr detaillierte Informationen zu "Mein iPhone suchen" hat Apple in dem Support-Dokument TS2734 hinterlegt(öffnet im neuen Fenster)
SMS, MMS und das Mobiltelefon als Modem
Beim neuen iPhoneOS wurden nicht nur Komponenten verbessert, die an einen Computer erinnern, sondern auch die wichtigen Komponenten Telefonie und Kurzmitteilungen. Sie wurden im Detail überarbeitet und einige lang vermisste Funktionen hinzugefügt. Kurzmitteilungen verschickt das iPhone jetzt auch im Hintergrund. Bei Netzproblemen oder auch bei Massenversendungen, bei denen der Versand etwas länger dauern kann, blockiert die Aktion nicht mehr das Gerät. Der Anwender kann weiterarbeiten und etwa die nächste Kurznachricht vorbereiten.
Die Nachrichtenkommunikation kann der Anwender endlich gezielt aufräumen. Bisher war es nur möglich, die gesamte SMS-Korrespondenz mit einem Kontakt zu löschen, nicht aber einzelne Einträge zu entfernen. Mit dem iPhoneOS 3.0 ist es nun möglich, die Konversation zu bearbeiten und einzelne Einträge zu löschen. Belanglose "Ich bin gleich da"-Nachrichten können also von wichtigeren Diskussionen getrennt werden. Das funktioniert recht einfach. Oben rechts wird auf den Bearbeiten-Knopf gedrückt und der Anwender markiert die störenden Nachrichten mit dem Löschenbefehl. Die markierten Nachrichten lassen sich so auch weiterleiten. Sie werden praktischerweise auch zusammengefasst, wenn möglich.
Für den Versand via MMS muss erst die MMS-Funktion freigeschaltet werden. Das geht allerdings nur mit einem iPhone 3G. Das iPhone der ersten Generation bietet diese Optionen nicht an. Dann lassen sich Multimedianachrichten, etwa mit Fotos, einfach versenden. Auch eine Nachricht mit einem getrennten Betreff ist dann möglich. Hier droht allerdings eine Kostenfalle, die dem Nutzer nicht unbedingt bewusst ist. Denn eine SMS mit Betreff ist nichts anderes als eine MMS ohne Multimediaelement, die meist im Versand deutlich teurer ist als eine SMS. Während des Tests wurden vier MMS verschickt. Jeweils zwei an ein Palm-Smartphone mit O2-SIM-Karte und an ein iPhone mit iPhoneOS 2.2.1 und T-Mobile-Vertrag.
Eine MMS war nur mit einem Betreff versehen, die andere mit einem Bild. Nur auf dem Palm-Smartphone war ersichtlich, dass es sich bei der Betreffnachricht um eine MMS-Nachricht handelte. Das iPhoneOS 2.2.1 konnte mit der Bild-Nachricht erwartungsgemäß nichts anfangen. Die MMS-Nachricht mit Betreff wurde jedoch auch auf einem iPhone ohne die neue Firmware erkannt und wie eine normale, anders formatierte Kurzmitteilung angezeigt.
Da MMS netzübergreifend nicht immer ohne Probleme funktioniert, sollte der Anwender von der Funktion lieber keinen Gebrauch machen und stattdessen E-Mails versenden, gegebenenfalls mit Bild im Anhang, was wesentlich kostengünstiger ist. Allerdings hat nicht jeder Empfänger einen E-Mail-Konto auf seinem Mobiltelefon eingerichtet.
Das iPhone kann jetzt auch als Modem genutzt werden. Die auch Tethering genannte Funktion, bei der das iPhone via Bluetooth oder Kabel mit einem Rechner verbunden wird, wird derzeit in Deutschland nicht unterstützt. Im Internet kursieren zwar Anleitungen, wie einzelne Dateien in iTunes angepasst werden müssen, damit Tethering funktioniert, allerdings kann bei der Konfiguration viel falsch gemacht werden und sie muss ein iTunes-Update nicht unbedingt überstehen.
Tethering könnte ein Trostpflaster für das eingestellte Multi-SIM-Angebot sein, wenn es denn kommt. Bis dahin heißt es, das Datenvolumen, auch wenn ab einer bestimmten Grenze die Geschwindigkeit drastisch gedrosselt wird, darf nur auf dem iPhone verbraucht werden . Apple nimmt hier zu viel Rücksicht auf die wenig flexiblen Netzbetreiber. Ein Mobiltelefon als Modem zu nutzen, ist eigentlich ein selbstverständliches Angebot, das ohnehin nur von einer Minderheit genutzt wird. T-Mobile will für die Nutzung des iPhones als Modem eine zusätzliche Gebühr in noch unbekannter Höhe erheben.
HTML 5 statt Flash-Plugin
Der Webbrowser Safari arbeitet im iPhoneOS 3.0 deutlich schneller als vorher und rendert näher an Standardvorgaben. Den anspruchsvollen Acid3-Test besteht die mobile Version von Safari fast vollständig und bleibt bei 97 Punkten stehen, immerhin 23 Punkte mehr als bei einem Gerät mit dem iPhoneOS 2.2.1.
Erfreulich für Webentwickler und die Zukunft des Internets ist die Unterstützung von HTML 5. Im kurzen Test von openvideo.dailymotion.com(öffnet im neuen Fenster) , das auf HTML 5 setzt, reichte die Unterstützung aber noch nicht aus, um Videos ohne Flash abzuspielen. Dailymotion leitete auf eine spezielle iPhone-Seite um. Auch die HTML-5-Demo von Youtube(öffnet im neuen Fenster) funktionierte nicht so, wie es Nutzer von HTML-5-Browsern kennen. So fehlten etwa die Vorschaubilder in der Videoübersicht. Das Video kann aber angeklickt werden und startet dann im Vollbild.
Einer der wichtigsten Gründe für ein Flash-Plug-In, nämlich die Darstellung von Videos, dürfte mit der HTML-5-Unterstützung entfallen. Stattdessen können sich nicht nur iPhone-Anwender in Zukunft auf Webseiten freuen, die auf HTML 5 aufbauen und auf das leistungszehrende Flash-Plug-In verzichten. Denn auch mit der aktuellen iPhone-Firmware können keine Flash-Inhalte angezeigt werden. In Flash gehaltene Webseiten lassen sich auf dem iPhone also weiterhin nicht anschauen.
Gut funktionierte eine Geolocation-Demo mit Google Maps. Zunächst fragte das Betriebssystem, ob der Browser die GPS-Koordinaten nutzen darf um anschließend nochmals nachzufragen ob der Browser diese Daten auch an die Webseite übermitteln darf. Anschließend weiß der Nutzer, wo er sich gerade befindet, die Information kann aber auch für Standortbezogene Dienste von Webseiten genutzt werden.
Weitere HTML-5-Demos gibt es auf der Webseite htmlfive.appspot.com(öffnet im neuen Fenster) , von denen im Test allerdings nicht alle mit dem iPhone funktionierten. Bis auf Microsoft arbeiten alle großen Browserhersteller offiziell an einer HTML-5-Unterstützung.
Viele Änderungen in vielen Anwendungen
Insgesamt mehr als 100 Änderungen soll das neuen iPhoneOS bieten, viele davon sind Detailänderungen an der Bedienoberfläche. Die Anwendungen Apples wurden größtenteils auf einen neuen Stand gebracht und lassen sich jetzt häufig im Querformat nutzen. Das bedeutet auch, dass sich die Bildschirmtastatur im Querformat nutzen und somit einfacher bedienen lässt.
Beim Telefonieren fällt schnell auf, dass die Anruferliste übersichtlicher geworden ist. Mit einem kleinen Symbol kann der Angerufene schnell sehen, ob der Anruf etwa von der Arbeit, einem Mobiltelefon oder vom Zuhause des Anrufers kam. Voraussetzung ist allerdings ein gut gepflegtes Adressbuch.
Viele Neuerungen sind kleine Dinge, die die Nutzung in Zukunft erleichtern und vom Anwender vermutlich sehr schnell und unbewusst angenommen werden. Zu nennen wäre etwa die Push-Unterstützung, die auch "Mein iPhone suchen" nutzt. Instant Messenger, RSS-Reader und Social-Networking-Programme wären Applikationen, die von einer Push-Unterstützung deutlich profitieren würden.
Die In-App-Purchase-Funktion erlaubt es Entwicklern, die Grundanwendung günstig anzubieten und bei Spielen etwa für Levelpacks Geld zu verlangen. Hier sollte der Anwender aufpassen, dass die Anwendung nicht billig ist und anschließend für die Zusatzpakete viel Geld ausgegeben werden muss.
Bei Youtube kann der Nutzer sich nun anmelden, iTunes und der App Store bieten mehr Schnellzugriffssymbole, die sich zudem neu anordnen lassen und die Einstellungsdialoge wurden etwas überarbeitet. Mit der Kindersicherung können zudem Eltern ihre Kinder vor Software oder Inhalten schützen, die nicht für sie gedacht sind.
Wer neben einem deutschen iTunes-Konto auch noch ein anderssprachiges Konto nutzt, der kann sich jetzt bequem über die Einstellungen ummelden. Das ist vor allem wichtig, um Updates direkt herunterzuladen. Bisher musste sich der Anwender vor der Synchronisierung mit dem entsprechenden iTunes-Konto verbinden, damit dieser Account auf dem iPhone aktiv wurde.
Eine Anwendung, die auf den ersten Blick wegen der App-Store-Konkurrenz nutzlos erscheint, ist die Anwendung Sprachmemos. Mit ihr kann der Anwender Toninformationen aufnehmen. Das besondere an Apples Sprachrekorder ist die Fähigkeit, das auch im Hintergrund zu tun. Der Anwender kann sich auf einer Webseite bewegen und derweil Sprachnotizen zu dem Gesehenen aufnehmen. Telefongespräche lassen sich nicht aufzeichnen, das gilt auch für Skypegespräche.
Skype für das iPhone war während des Tests die einzige Anwendung, die kurz Probleme bereitete. Das Programm gab einmalig eine Fehlermeldung aus und behauptete, das Betriebssystem werde nicht unterstützt. Auswirkungen hatte das aber keine. Telefonieren über Skype auf Basis einer 3G-Anbindung ist auch mit dem iPhoneOS 3.0 weiterhin nicht möglich. Das ist allerdings eine selbstauferlegte Beschränkung von Skype. Wer Skype zum telefonieren nutzen will, braucht derzeit zwingend eine WLAN-Verbindung.
Einiges ist beim Alten geblieben. Synchronisierte Bildergalerien oder vorhandene Playlisten kann der Anwender weiterhin nicht auf dem iPhone bearbeiten und etwa Inhalte herauslöschen. Dazu bedarf es auch mit iPhoneOS 3.0 eines Computers. Ausnahmen sind direkt am iPhone erstellte Inhaltslisten mit Musikstücken, Videos oder Bildern. Auch für das Synchronisieren von Podcasts braucht es noch einen Computer, weil das iPhone neue Podcasts nur streamt.
Mit zunehmender Komplexität des iPhoneOS und vielen Anwendungen fehlt dem Anwender zudem eine Möglichkeit, die Programme übersichtlich zu sortieren. Die Suchfunktion federt das zwar ab, aber eine schnell bedienbare Sortiermöglichkeit der Anwendungen oder gar Kategorien wären wünschenswert.
Auf jeden Fall bietet das iPhoneOS noch Potenzial für Verbesserungen.
Das neue Betriebssystem iPhoneOS 3.0 ist bereits über iTunes aktualisierbar und kostenlos für das iPhone der ersten und zweiten Generation (iPhone 3G) erhältlich. Nutzer des iPod Touch müssen für das Update 8 Euro zahlen.
Fazit
Das iPhoneOS 3.0 ist ein gut gelungenes Update für Apples Mobiltelefon. Während des Tests gab es keine Auffälligkeiten oder Abstürze. Die Ortung per MobileMe ist eine sinnvolle Ergänzung, die allerdings recht teuer ist, wenn die anderen Funktionen von MobileMe nicht genutzt werden. Für Anwender mit vielen kleinen Programmen unverzichtbar ist die Spotlight-Suche im Gerät, die nicht nur Programme, sondern auch Inhalte dieser Programme sucht.
Perfekt ist das iPhoneOS 3.0 nicht. Bei anspruchsvolleren Aufgaben, gab es in seltenen Fällen kurze Aussetzer bei der Musik. Das war aber schon beim iPhoneOS 2.2.1 der Fall. Außerdem fiel auf, dass einige Anwendungen beim Starten mehr Zeit benötigten und insbesondere Copy & Paste immer wieder für Verzögerungen sorgte. iPhoneOS 3.0 hinterließ insgesamt aber ein flüssigeres Anwendungsgefühl. Die Vorteile überwiegen auf jeden Fall, für iPhone-Nutzer kann das Update empfohlen werden.
Apple schließt mit dem Update auch zu Windows-Mobile und anderen Handy-Betriebssystemen auf, bei denen eine Zwischenablage oder das Löschen einzelner Kurzmitteilungen schon länger selbstverständlich sind.
Besitzer eines iPod-Touch werden vom iPhoneOS 3.0 eher profitieren, wenn sie das Gerät nicht vornehmlich als Mediaplayer einsetzen. Wer also auch per WLAN online ist, um im Web zu surfen oder E-Mails zu schreiben, wird sich über die Verbesserungen der neuen Firmware freuen.
Das iPhoneOS 3.0 stellt vor allem das iPhone auf eine neue, solide Grundlage und lässt den Anwender unabhängiger vom Computer werden. Es fehlt allerdings noch an Anwendungen, die das neue Fundament nutzen. In den kommenden Wochen dürfte es zahlreiche Aktualisierungen von iPhone-Anwendungen geben, die hoffentlich von Push, Copy & Paste und den anderen Neuheiten Gebrauch machen.



