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Spieletest: Red Faction Guerrilla - Freiheit light

Eine offene Mars-Welt lädt zum Kampf und zur großen Revolution ein. Lieber rot als tot - klingt im Zusammenhang mit einem Actionspiel auf dem Mars bescheuert, passt aber zum Guerilla-Kampf in Red Faction . Neben dem Bergarbeiteraufstand bietet der Titel spielerische Freiheit und eine offene Welt. Allerdings mit nicht-revolutionären Einschränkungen.
/ Peter Steinlechner
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Wer einen Job antritt, weiß nie genau, was ihn erwartet: Sind die Kollegen nett? Was taugt die Kantine? Gibt's kostenlosen Kaffee? Alec Mason wäre an seinem neuen Arbeitsplatz froh, wenn er sich nur mit solchen Fragen beschäftigen müsste. Er hat andere Probleme: Kaum trifft der Bergarbeiter zum Erzabbau auf dem Mars ein, hat er es mit folternden Sicherheitskräften zu tun. Dann wird sein Bruder ermordet - und Alec zum Mitglied einer revolutionären Kampftruppe. Die Handlung von Red Faction Guerrilla spielt rund 50 Jahre nach der von Teil 1 . Die damaligen Befreier der Earth Defense Force (EDF) haben seitdem ein totalitäres Regime errichtet und unterdrücken die Arbeiter - aber Alec und die Red Faction sind wild entschlossen, das zu ändern.

Red Faction Guerrilla - Trailer von der E3 2009
Red Faction Guerrilla - Trailer von der E3 2009 (01:28)

Red Faction war ein weitgehend linearer Ego-Shooter - ganz anders Guerrilla: Da bewegt sich der Spieler frei in großen Gebieten, den Sektoren, die unter Kontrolle der EDF stehen. Alecs Aufgabe ist es, diese Sektoren nach und nach zu befreien. Das macht er, wie er will: Er kann EDF-Gebäude angreifen, im Rahmen von Einsätzen Geiseln befreien oder Kuriere beschützen. Für alle Aktionen bekommt seine Fraktion Punkte gutgeschrieben - wie viele, zeigen die auf einer Übersichtskarte markierten Ziele an. Sobald eine Leiste mit Machtpunkten für die EDF leer und die Leiste der Red Faction voll ist, wechselt Alec in den nächsten der sechs Sektoren. Einige Missionen - meist die etwas aufwändigeren und schwereren - sind Teil der Handlung und müssen absolviert werden.

Der Spieler sieht Alec seitlich von hinten und steuert ihn durch Umgebungen, die an gängige Mars-Klischees aus Filmen erinnern: Bergige, stark zerklüftete und meist eher karge Landschaften, überwiegend in rot und erdfarben gehalten. Darin ist Alec zu Fuß unterwegs, oder er schnappt sich einen Jeep oder ein anderes Vehikel, und brettert über die Straßen oder über freies Gelände zu seinem Ziel. Auf Wunsch blendet der Computer eine Markierungslinie ein. Neben den Einsatzorten kann Alec auch in Unterstützungscamps fahren, wo er neue Munition und Waffen bekommt und oft die Hauptmissionen starten kann.

Durch die offene Struktur hat der Spieler etwas mehr Möglichkeiten, sich Aufträge auszusuchen, wie er sie mag: Wer beispielsweise nicht auf temporeiche Kampfeinsätze steht, sondern lieber übers Gelände gurkt und sich dann an eine EDF-Basis schleicht, um sie zu zerstören, kann sich innerhalb eines gewissen Rahmens seine Missionen selbst aussuchen. Ebenso gibt es die Möglichkeit, in Zusatzeinsätzen den Kolonisten zu helfen und bei ihnen Ansehen zu gewinnen. Das hat den Vorteil, dass sie dem Spieler mit etwas Glück in Kampfeinsätzen computergesteuert zur Seite stehen. All diese Elemente spielen aber keine so große Rolle, dass man sie unbedingt beachten müsste. Wer Alec einfach von Einsatz zu Einsatz führt und dort auf jeden Feind schießt, der sich bewegt, kommt ebenfalls weiter.

Es gibt drei Schwierigkeitsgrade, der einfachste ist auch für Einsteiger gut zu schaffen. Allerdings dauert es etwas, bis der Spieler alle Features im Griff hat: Neben der Karte und den Fahrzeugen muss er sich auch um die Waffensysteme kümmern und regelmäßig den Barschrott - das Gegenstück zu Geld - in Updates für Waffen und Rüstung stecken. Den Spielerstand sichert das Programm automatisch, außerdem darf der Spieler außerhalb von Missionen eigene Savegames anlegen.

Grafisch macht das Programm eine zeitgemäße, aber nicht weiter aufregende Figur. Die einzige echte technische Besonderheit ist die Geomod-Engine: Der Spieler kann Gebäude auf etwas glaubwürdigere Art nach und nach in die Luft jagen als das in den meisten anderen Spielen der Fall ist. Wenn beispielsweise drei Wände gesprengt sind, stürzt der Rest halbwegs nachvollziehbar ein. Richtig beeindruckend ist das aber nicht.

Red Faction Guerrilla bietet einen umfangreichen Multiplayermodus, in dem Spieler mit bis zu 15 anderen Spielern in sechs Spielmodi antreten können. Die Palette reicht von Deathmatch bis zu Capture-the-Flag. Teils spielen Gebäudezerstörungen eine Rolle.

Red Faction Guerrilla ist vollständig lokalisiert für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich und kostet jeweils rund 60 Euro. Im August 2009 soll eine Version für Windows-PC folgen. Die deutsche Version ist leicht entschärft: Wer auf Zivilisten schießt, wird von Wachmännern angegriffen, Klingen bleiben nicht mehr in Opfern stecken und Haftminen haften nicht an Menschen. Blut fließt ebenso wie in der US-Version nur in Maßen, auch die Ragdoll-Effekte sind unverändert. Im Multiplayermodus ist die deutsche Version voll kompatibel zur internationalen Fassung. Die USK hat das Programm nur für Erwachsene freigegeben.

Fazit

Ein bisschen Revolution steckt tatsächlich in Red Faction Guerrilla: Die Entwickler haben es gut hinbekommen, den Spieler in eine scheinbar offene Welt mit vielen Möglichkeiten zu versetzen. Trotzdem ufert das Ganze nicht aus, letztlich kommen vor allem die Freunde unkomplizierter Action auf ihre Kosten. Andere Entwickler sollten sich das Programm ruhig mal anschauen, wenn sie Ähnliches planen.

Schade allerdings, dass viele Möglichkeiten ungenutzt bleiben. Die Handlung ist trotz des originellen Szenarios und des spannenden Auftakts belanglos. Die Beziehungen zu anderen Personen sind so wenig ausgearbeitet, dass sich kein "Mittendrin"-Gefühl einstellt. Trotzdem: Erwachsene Spieler, die kurzweilige Action suchen und sowohl Feuergefechte als auch Vehikelkämpfe mögen, haben viel Spaß auf dem Mars.


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