Russland geht gegen Windows-XP-Stopp vor

Die russische Anti-Monopolkommission strengt ein Wettbewerbsverfahren gegen den Softwarekonzern Microsoft an, melden russische Medien. Die Kommission bemängelt, Microsoft habe trotz bestehender Nachfrage die Auslieferung des Betriebssystems Windows XP gestoppt und zwinge die Konsumenten so, das Nachfolgeprodukt Windows Vista zu kaufen. Damit verstoße das US-Unternehmen gegen das russische "Gesetz zum Schutz der Konkurrenz" , das künstliche Verknappung verbiete. Das sei umso schlimmer, so die Anti-Monopolkommission, weil Microsoft den Markt für Betriebssysteme dominiere.
In Russland, schreibt die russische Onlinezeitung Gazeta.ru(öffnet im neuen Fenster) , sei die Nachfrage nach Windows XP nicht nur deshalb weiterhin groß, weil Windows Vista vielen einfach nicht gefalle, sondern auch, weil schwächere Hardware weit verbreitet sei und Windows Vista darauf nicht laufe.
Die Zeitung zitiert russische Juristen mit der Auffassung, die Anti-Monopolkommission habe zwar formal recht. Doch Vista sei nun einmal die Weiterentwicklung von XP und es sei sinnlos, sich dem technischen Fortschritt entgegen zu stellen. "Den Fortschritt mit den Anti-Monopolgesetzen bremsen zu wollen wäre so, als würde man die Hersteller von CDs und DVDs dafür belangen, dass sie keine VHS mehr herstellen" , argumentiert der Rechtsanwalt Andrej Zelinin.
"Microsoft wurde noch nicht über eine neue Untersuchung informiert" , sagte Microsoft-Sprecher Jack Evans laut Cnet.com(öffnet im neuen Fenster) . "Allerdings werden wir bei einer möglichen Untersuchung kooperieren und uns in völliger Übereinstimmung mit dem russischen Recht bewegen." Im April 2009 hatte Russland angekündigt zu prüfen, ob Microsoft auf eine Liste von Unternehmen gesetzt wird, die unter strengerer Wettbewerbsaufsicht stehen. Firmen, die in Russland einen Marktanteil von über 35 Prozent erreichen, könnten unter Aufsicht genommen werden, hieß es.
Windows XP kam im Oktober 2001 auf den Markt. Der Nachfolger Windows Vista ist seit Januar 2007 für Endkunden verfügbar. Microsoft stellte den Verkauf von Windows XP zum 30. Juni 2008 offiziell ein, doch manche PC-Hersteller halten noch an dem Betriebssystem fest und setzen auf Microsofts Downgradeprogramm, mit dem sich Windows XP mit einer Lizenz für Windows Vista nutzen lässt. In einigen Entwicklungsländern und für Netbooks wird die Windows XP Software von Microsoft weiter angeboten.
Der Release Candidate von Windows 7 bietet einen Windows-XP-Mode , der aus einer vorgefertigten Windows-XP-Installation und Microsofts Virtual PC besteht. Wer Programme in die virtuelle Maschine installieren möchte, kann diese direkt unter Windows 7 benutzen. Windows-XP-Anwendungen werden in die Oberfläche integriert und können auch direkt von der Taskleiste aus gestartet werden. Microsoft liefert im Gesamtpaket gleich eine Windows-XP-Lizenz mit installiertem Service Pack 3 mit. Mit der Bereitstellung der virtuellen Maschine richtet sich Microsoft vor allem an kleine Unternehmen, die so ihre alten Anwendungen weiter nutzen können. [von Meike Dülffer und Achim Sawall]



