AMD bekräftigt: Wir werden bei DirectX-11-Karten Erster sein
Richard Huddy ist bei AMD – und war es früher bei ATI – für die Unterstützung von Spieleentwicklern zuständig. Einen Tag nachdem AMD mit einer öffentlichen Vorführung von DirectX-11-Grafik auf einer Karte aus eigenem Haus überraschte, klärte er einige der offenen Fragen, die diese Demonstration aufgeworfen hatte.
Huddy zufolge lief die Vorführung auf einer AMD-Grafikkarte, die mit einem DirectX-11-Chip in 40-Nanometer-Technik bestückt war. Das Gerät selbst wollte man aber nicht zeigen und man habe auch den Framecounter der Demo verfälscht, "um unserem Mitbewerber nicht den Hauch einer Information zu geben" , sagte Huddy in einer Telefonkonferenz. Zu dem Chip selbst und zu Karten damit wollte sich der AMD-Manager auch auf mehrfache Nachfragen nicht äußern.
Er gab jedoch an, dass etliche Spieleentwickler bereits über DirectX-11-Karten von AMD verfügen. Anders als bei DirectX-10, wo von Grund auf dafür entwickelte Spiele erst ein halbes Jahr nach Verfügbarkeit von Hard- und Software erschienen, soll der Umstieg diesmal schneller laufen. Huddy erwartet die ersten Titel schon zum Weihnachtsgeschäft. Noch davor sollen die ersten DirectX-11-Karten in den Läden stehen.
"DirectX-11 kommt schneller als man denkt" sagte Huddy. Ein Grund dafür soll auch ein DirectX-11-Paket für Windows Vista sein, das Microsoft nach Angaben von Richard Huddy am Tag der Markteinführung von Windows 7 zur Verfügung stellen will. Wie schon bei früheren DirectX-Versionen – nicht aber bei DirectX-10 – wird es also die neue Spieleschnittstelle zum Nachrüsten geben. Das allerdings nur für Vista; Windows XP bleibt durch das geänderte Treibermodell auch mit DirectX-11 außen vor.
Dass die Entwickler viel bereitwilliger auf DirectX-11 umsteigen als das mit Version 10 der Fall war, liegt nach den Worten von Huddy nicht nur an der längeren Erfahrung mit DirectX-10, welches ein sehr ähnliches Treibermodell mitbringt. Vielmehr soll die Umsetzung von DirectX-11-Anwendungen auf Hardware, die nur Funktionen für die Versionen 9 und 10 der Schnittstelle mitbringt, viel einfacher sein. Die unterschiedlichen "Codepfade", die Programmierer noch für DirectX-10 und -9 teils komplett getrennt voneinander entwickeln mussten, soll es in dieser Form nicht mehr geben.
Dass die sonst sehr PR-starke Firma Nvidia, die den Löwenanteil des Marktes für gesteckte Grafikkarten hält, zu ihren DirectX-11-Chips hartnäckig schweigt, hält Huddy nicht für ein schlechtes Zeichen. "Wir werden mit DirectX-11-Hardware die Ersten sein" sagte er. Dennoch: "Wir könnten auch noch überrascht werden – aber daran glaube ich nicht" . Auch Intel könnte AMD noch in die Parade fahren "aber nur, wenn sie Larrabee-Produkte noch in diesem Jahr ausliefern" meinte Richard Huddy. Dafür gebe es jedoch noch keine Anzeichen .
Wie schnell der 40-Nanometer-Chip nach DirectX-11 (Codename: RV870) ist, ließ sich Huddy nicht entlocken. Zu AMDs seit zwei Jahren verfolgter Strategie, High-End-Karten nur aus zwei GPUs zu bauen und die Monster-Chips Nvidia zu überlassen, sagte er in einer betont hypothetischen Überlegung: "Wenn wir eine GPU bauen könnten, die alleine schnell genug ist, wäre das vielleicht anders" . Huddy nannte die Begrenzung von 250 Watt elektrischer Leistungsaufnahme für PCIe-Karten – die der praktikablen Kühlung im PC-Gehäuse entspringen und nicht durch Spezifikationen festgelegt sind – als weiterhin wichtigsten limitierenden Faktor.
Demnach sei es meist besser, zwei GPUs mit 80 Prozent der Rechenleistung laufen zu lassen, die die Chips eigentlich erreichen könnten, als eine GPU zu verbauen, die maximalen Takt und maximale Spannung benötigt, um als Single-GPU-Karte die schnellste zu sein. Huddy bezog sich damit unter anderem darauf, dass die Leistungsaufnahme bei sonst identisch konstruierten Halbleitern quadratisch mit der Spannung steigt. Und für mehr Takt und damit mehr Rechenleistung sind in der Regel auch höhere Spannungen erforderlich.



