Sony schwingt das virtuelle Schwert auf der Playstation 3
Was hat Sony Computer Entertainment als Besonderheit auf der E3 im Angebot: Eine dünnere Playstation 3? Eine günstigere Playstation 3? Oder einen Bewegungssensor für die Playstation 3? Die letzte Antwort ist richtig. Denn nachdem am Vortag Microsoft sein Project Natal enthüllte, zeigte auch Sony Computer Entertainment einen Controller, der die Steuerung von Spielen mit Bewegungen erlaubt. Ganz neu ist das Konzept allerdings nicht: Es entspricht weitgehend einem Patent, das Sony am 24. Juni 2008 eingereicht hatte.
Technisch funktioniert die Bewegungserkennung mit Hilfe der bereits für die Playstation 3 erhältlichen Kamera. Sie berechnet zum einen die Raumkoordinaten, zum anderen empfängt sie per Ultraschall von den Eingabegeräten ausgesandte zusätzliche Daten. Somit lässt sich die Position des Eingabegeräts im Raum, aber auch im im Verhältnis zu anderen Controllern des gleichen Typs ermitteln. Die Prototypen, die vorgeführt wurden, verfügen noch über farbige rote Kugeln am oberen Ende – wie das fertige Produkt aussehen könnte, ist nicht bekannt.
Die Präsentation des noch namenlosen Geräts war charmant. Statt protziger Trailer, Effekte oder gar Prominenter hatte Sony zwei junge Ingenieure aus der hauseigenen Entwicklungsabteilung geladen. Sie zeigten mit spürbar viel Begeisterung ihre neue Technik. Deren Vorteil ist, dass in der virtuellen Welt der Bewegungscontroller gegen andere Dinge ausgetauscht werden kann. Also hält der Spieler plötzlich einen Tennisschläger oder einen Baseballschläger in der Hand.
Oder ein Schwert, eine Pistole, einen Stift oder Pinsel – absolut alles ist möglich. Auch Pfeil und Bogen lassen sich damit imitieren oder Schwert und Schild. Grafisch besonders imposant wirkte ein Morgenstern, der an einem Seil hing und wild zu schleudern war, sowie eine hell strahlende Peitsche, die sich vergleichsweise realistisch bewegte.
Die Technik von Sony hat Vorteile gegenüber dem von Microsoft präsentierten Gerät: Sie ist angeblich genauer und laut den Entwicklern fühlt es sich einfach falsch an, etwa bei einer Pistole keinen Knopf zum Drücken zu haben, wie es bei Project Natal der Fall ist. Außerdem funktioniere die eigene Technik ausgesprochen präzise, so Sony. Und um Bewegungen zu erfassen, muss die Kamera nicht Blick auf die Eingabegeräte haben – ein Couchtisch stört also nicht. Dafür verfügt sie, anders als Natal, nicht über eine integrierte Spracherkennung und kann nicht den ganzen Körper erfassen. Auch wenn die Konzepte der beiden Unternehmen vergleichbar scheinen: Im Grunde handelt es sich um vollständig unterschiedliche Ansätze. Wann die neuen Controller auf den Markt kommen und zu welchem Preis, ist derzeit noch völlig offen, sie befinden sich offensichtlich immer noch in der Entwicklung.
Zwei Erfolge konnte die "Abteilung exklusive Inhalte" von Sony Computer Entertainment verbuchen: Zum einen entwickelt Rockstar North ein neues Spiel nur für die Playstation 3, das den Titel Agent trägt und wenig überraschend im Spionagemilieu der 1970er Jahre angesiedelt sein wird. Weitere Informationen liegen bislang nicht vor. Außerdem ist Sony eine Retourkutsche gelungen: Microsoft hat zwar dafür gesorgt, dass Final Fantasy 13 auch für Xbox 360 erscheint – aber Teil 14 wird man in 2010 nur auf PS3 spielen können, so die etwas gewundene Formulierung von Sony. Die weist darauf hin, dass später auch andere Plattformen folgen könnten. Final Fantasy 14 wird ein Onlinespiel, ein Trailer wirkte düsterer als die letzten Spiele – mehr ist über den Titel nicht bekannt.
Ein Spielehighlight der Show – auch weil schon echter Inhalt präsentiert wurde – war allerdings Uncharted 2: Among Thieves. Dessen Hauptfigur Nathan Drake und seine Freundin Zoe lieferten sich über den Dächern eine zerstörten, aber trotzdem schön aussehende Stadt in idyllischer Berg- und Tallage ein effektgeladenes Gefecht gegen einen Kampfhubschrauber und menschliche Gegner. Das war perfekt animiert und kam explosiv rüber, zum Schluss stürzte sogar ein ganzes Haus ein.
Ebenfalls zu sehen war das Actionspiel God of War 3. Das ist alles andere als idyllisch, dafür extrem düster und brutal. Einem Gegner schlitzte die Hauptfigur den Bauch auf, Gedärm quoll hervor. Falls sich die USK nicht querstellt, kommt der Titel in Deutschland wie im Rest der Welt im März 2010 heraus.
Neu angekündigt wurde unter anderem das Rennspiel Mod Nation Racers. Dessen Figuren erinnern stark an Sackboy & Co aus Little Big Planet. Die Rennen setzen auf Action und Tempo, grafisch machte das Programm einen sehr guten Eindruck. Die eigentliche Besonderheit ist ein Editormodus, mit dem Spieler mit Hilfe des normalen PS3-Controllers in wenigen Minuten eigene Rennstrecken mitsamt Umgebung und Beleuchtung bauen können.
Besonders wichtig war Sony-Chef Kaz Hirai seine neue PSP Go – also die durch eine Datenpanne bereits im Vorfeld der E3 bekannt gewordene Playstation Portable ohne UMD-Laufwerk, die ihre Spiele über das Internet zieht. Das Gerät soll am 1. Oktober 2009 erhältlich sein, und zwar in den USA für 249 US-Dollar und in Europa für 249 Euro. Am gleichen Tag erscheint auch Gran Turismo für die PSP – das grafisch einen tollen Eindruck macht und imposante 800 unterschiedliche Autos enthält. Interessant für Entwickler: Ab der Pressekonferenz sinkt der Preis für PSP-Entwicklerkits um 80 Prozent. Sony will offensichtlich dafür sorgen, dass es mehr Inhalte für seinen Handheld gibt.
Neu angekündigt für die PSP wurde außerdem ein Metal Gear Solid mit dem Untertitel Peace Walker. Das spielt zwischen MGS 3 und 4 in Süd- und Mittelamerika, irgendwann in den 1970er Jahren im Kalten Krieg, als plötzlich eine unbekannte Streitmacht auftaucht. Außerdem wird es ein Resident Evil Portable geben – irgendwann 2010.
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