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Kurztest: Core i7 975 mit 3,33 GHz - schneller, sonst nichts

Neues Stepping bringt keine echte Senkung der Leistungsaufnahme. Nach nur einem halben Jahr am Markt ersetzt Intel sein Flaggschiff der Desktop-Prozessoren: Statt dem Core i7 965 mit 3,2 GHz gibt es jetzt das Modell 975 mit 3,33 GHz. Die neue CPU ist zwar schneller, aber kaum sparsamer als der bisherige Spitzenreiter.
/ Nico Ernst
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Eines der ungeschriebenen Gesetze des Prozessormarktes lautet: Wenn AMD 3,2 GHz hat, wie aktuell mit dem Phenom II 955 , muss Intel mindestens ein Megahertz mehr anbieten. Handelt es sich bei den von diesem ewigen Duell betroffenen Produkten auch noch um das jeweilige Spitzenmodell, wird der Wettbewerb umso verbissener geführt.

Die reine Taktfrequenz ist in den von großen Zahlen geprägten Werbekampagnen von PC-Herstellern und Händlern immer noch ein wichtiges Marketingargument, auch wenn sich die Architekturen von Core i7 und Phenom II stark unterscheiden. Die vier Kerne des Core i7 sind nicht nur bei gleichem Takt schneller, sie können zudem auch per HyperThreading acht Threads parallel bearbeiten. Im Verhältnis von Preis und Leistung kann AMD zwar dennoch mithalten, aber nur gegen den Core 2 Quad, und auch in einigen Tests gegen den kleinsten Core i7, das Modell 920.

Das Rennen um die Taktfrequenz wird zunehmend unsinnig, da der nominelle Takt des Core i7 nur die minimal garantierte Frequenz ist. Durch den Turbo-Mode – früher auch Turbo-Boost genannt – kann der Intel-Prozessor sich selbst um bis zu zwei Stufen übertakten, solange die Kühlung reicht. Das ergibt dann, wenn nur ein Kern belastet ist, 3,6 GHz für den i7 975.

Um diesen hohen Takt zu erreichen, hat Intel für die neue CPU ein neues Stepping namens D0 aufgelegt. Mit diesen kleinen Änderungen an der Schaltung, für welche der Fertigungsprozess neu gestartet werden muss, beheben Chiphersteller Fehler, sie nutzen sie aber meist auch für Weiterentwicklungen wie eine gesenkte Leistungsaufnahme.

Beim Core i7 975 standen aber laut Intel nur mehr Taktreserven, auch für kommende Core i7, und eine Fehlerbereinigung auf der Agenda. Mehr Informationen zum neuen Stepping gibt es nicht. Intel erklärte aber auch, dass eine Senkung der Leistungsaufnahme diesmal nicht auf dem Programm stand. Bei den Core 2 Duos und Core 2 Quads konnte Intel von Stepping zu Stepping den Strombedarf vor allem im Idle-Modus um einige zehn Watt drücken.

Gefertigt wird der Core i7 975, wie alle CPUs der Serie, in 45 Nanometern Strukturbreite. Sein Vorgänger 965 ist bereits abgekündigt , wie auch das Modell 940 . Als Ersatz für diesen erscheint der Core i7 950 mit 3,06 GHz, der ebenfalls im neuen Stepping D0 hergestellt wird. Nur der kleinste Core i7, das Modell 920 mit 2,66 GHz, wird weiterhin im Stepping C0 wie die beiden Auslaufmodelle hergestellt.

Testverfahren und Rechenleistung

Den Core i7 950 konnte Intel noch nicht zum Test schicken, aber das Modell 975 als "Engineering Sample". Es passt in den Sockel 1366, für den es nach wie vor nur den teuren Intel-Chipsatz X58 gibt. Da Intel die elektrischen Charakteristika nicht verändert hat, laufen die neuen Prozessoren in allen X58-Mainboards, sofern ein BIOS-Update zur Verfügung steht.

Unser zum Test benutztes P6T Deluxe von Asus beschwerte sich nach dem Einbau des 975 auch gleich, dass man diese CPU lieber erst nach einem BIOS-Update verwenden sollte. Der Rechner lief trotzdem stabil, die Messungen sowohl für 965 wie 975 haben wir dennoch mit dem BIOS 1403 durchgeführt, das den 975 erkennt.

Das Mainboard wurde mit 3 x 1 GByte DDR3-1066-Speicher von Qimonda bestückt (7-7-7-20-Timings), die Energie lieferte das Netzteil Dark Power Pro mit 850 Watt von BeQuiet. Intels SSD X25-M mit 80 GByte lieferte die Daten, und die Bilder stellte ein Referenzexemplar von AMDs Radeon HD 4670 dar. Diese Karte bremst den CPU-Test von 3DMark Vantage nicht, und nimmt im Idle-Modus laut AMD nur 11 Watt auf.

Von besonderem Interesse war bei diesem Test die Leistungsaufnahme, die gesteigerte Rechenleistung bei um knapp fünf Prozent erhöhtem Takt haben wir exemplarisch mit Cinebench R10 und dem CPU-Test von 3DMark Vantage überprüft. Erwartungsgemäß legen diese synthetischen Benchmarks, die von HyperThreading profitieren und mit der Taktfrequenz gut skalieren, zwischen vier und fast 5 Prozent an Leistung zu.

Das ist in der Praxis nicht spürbar, interessant ist aber das Verhalten des Turbo-Mode: Wie schon unser Exemplar des Core i7 965 übertaktet sich auch der 975 bei voller Auslastung aller acht virtuellen Kerne stets um eine Stufe, er läuft dann mit 3,46 GHz. Da die meisten modernen Anwendungen mindestens zwei Kerne ansprechen können, erreichen die Core i7 ihre Übertaktung auf 3,6 GHz nur selten, man kann das aber erzwingen, indem man den Cinebench R10 auf einem Kern laufen lässt oder andere Anwendungen per Task-Manager fest an einen Kern bindet.

Von Dauer sind solche Maßnahmen allerdings nicht, da der Scheduler von Windows Vista nach belieben Threads und Anwendungen auf die Kerne verteilt, die ihm gerade als frei erscheinen. Damit verhält sich auch der Core i7 975 wie seine Vorgänger: Er profitiert am stärksten von gut in Threads aufgeteilten Anwendungen. Bei allen anderen Programmen, insbesondere bei Spielen, zieht er seine hohe Rechenleistung vor allem aus der effizienten Architektur.

Kaum messbar gesenkte Leistungsaufnahme

Alle Messungen des Strombedarfs wurden primärseitig an der Steckdose durchgeführt, sie gelten also für das Gesamtsystem. Die 130 Watt TDP, die Intel für den Core i7 975 wie auch für den Vorgänger 965 angibt, reizt der Prozessor dank seines Turbo-Mode wann immer nötig aus. Wenn alle acht virtuellen Kerne wie bei Cinebench R10 ausgelastet sind, kommt die Testplattform auf 207 Watt, beim 965 sind es 204 Watt, was aber noch im Rahmen der Messgenauigkeit liegt.

Mit echten Anwendungen, wie dem Windows Movie Maker, zeigt sich immerhin eine leichte Tendenz zu etwas genügsamerer Leistungsaufnahme, da diese Anwendung die acht Kerne zwar nutzt, sie aber nicht voll belastet. Die Cores können sich dann kurzzeitig abschalten, was umso öfter vorkommt, je höher der Takt ist.

Insgesamt ist der Core i7 975 jedoch nicht sparsamer als der 965. Das ist schade, da Intel in den letzten drei Jahren mit den Core-CPUs vorgemacht hat, wie sich mit jedem Stepping die Leistungsaufnahme drücken lässt. Andererseits ist der Prozessor mit leicht gesteigertem Takt immerhin nicht deutlich stromhungriger geworden. Das lässt sich von stark übertakteten Prozessoren, wie sie bei Technik-Fans zu finden sind, nicht behaupten, sie ziehen bei gesteigerten Spannung stets deutlich mehr Strom aus der Leitung als bei serienmässigem Takt.

Enttäuschend ist jedoch, dass Intel auch die Leistungsaufnahme im Idle-Modus nicht gesenkt hat. Hier kommt das Gesamtsystem weiterhin nur knapp unter 100 Watt, weil der Prozessor werksseitig als kleinsten Multiplikator den Faktor 12 kennt und somit noch mit 1.600 MHz läuft. Das macht AMD beim Phenom II besser, er begnügt sich ohne Last mit der Hälfte dieses Takts .

Da der 975 insgesamt nur unwesentlich mehr Leistung bei hoher Last benötigt, braucht er auch keine neuen Kühler. Für unsere Tests, und auch bei manueller Übertaktung auf 3,6 GHz für alle Kerne, reichte der Boxed-Lüfter für den Core i7 für stabilen Betrieb. Für deutliche Übertaktungen jenseits der 4 GHz empfiehlt Intel aber andere Kühler mit mehreren Heatpipes oder Wasserkühlungen, für beide Bauformen stehen inzwischen zahlreiche Modelle bereit.

Fazit

Die Zeiten, in denen Intel mit jedem Stepping die Leistungsaufnahme deutlich senken konnte, scheinen vorerst vorbei zu sein. Da AMD – wenn auch nur in der Mittelklasse – wieder eine ernst zunehmende Konkurrenz darstellt, zählt für Intel wieder die Taktfrequenz, bei der man sich von AMD nicht schlagen lassen will. Nötig wäre das aus technischer Sicht nicht, die Nehalem-Architektur ist ohnehin pro Takt effizient genug.

Für den Kunden hat das Wettrennen um den schnellsten Prozessor aber immerhin den Vorteil, dass er nach nur einem halben Jahr für das gleiche Geld wieder etwas mehr Rechenleistung bekommt. Wie auch der Core i7 965 kostet der 975 für PC-Hersteller und Wiederverkäufer bei einer Mindestmenge von 1.000 Stück 999 US-Dollar, und der 950 mit 562 US-Dollar genau so viel wie sein Vorgänger 940.

Wie seit einigen Jahren Tradition liegen die Preise von deutschen Hardwareversendern beim Marktstart von High-End-Produkten deutlich über den umgerechneten US-Preisen plus Steuer. Der Core i7 965 war zuletzt schon unter 900 Euro zu haben, er dürfte aber bald vom Markt verschwinden. Und auch das Preisniveau des 975 dürfte sich in einigen Wochen stabilisiert haben, denn Intel zufolge werden die beiden Prozessoren bereits in großen Stückzahlen ausgeliefert.


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