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Spieletest: Bionic Commando - ein Arm gegen Terror

Quasi-Fortsetzung des NES-Titels Bionic Commando von 1988. Eben noch geächtet in der Todeszelle, jetzt die letzte Hoffnung der Menschheit: Nathan Spencer durchlebt in Bionic Commando ein Wechselbad der Gefühle. Dem Spieler ergeht es ähnlich, denn Licht und Schatten liegen dicht beieinander.
/ Thorsten Wiesner
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Statt als Volksheld gefeiert zu werden, wurde Spencer nach seinem Sieg über die terroristischen Truppen einst zum Tode verurteilt und ins Gefängnis gesteckt – ein paar falschen Freunden sei Dank. Als ein neuerlicher Terroristenangriff Ascent City in weiten Teilen dem Erdboden gleichmacht, besinnen sich die Machthaber aber eines Besseren und schicken ihren Liebling von früher erneut ins Gefecht. Allein soll er sich der terroristischen Übermacht stellen. Gut dass sich der Supersoldat nicht lange allein auf seinen Revolver verlassen muss, den er als einzige Bewaffnung zu Beginn des Spiels mit sich führt.

Erste Aufgabe in Bionic Commando ist es, den bionischen Arm von Spencer ausfindig zu machen. Kurze Zeit und ein gut ins Spiel integriertes Tutorial später schraubt Spencer das vielseitige Extra wieder an seinen Körper und greift fortan auf die Möglichkeiten des Hightech-Körperteils zurück. Natürlich lassen sich mit dem Arm Feinde anvisieren und attackieren. Vor allem aber hilft er Spencer, sich an Wänden hochzuziehen oder sich in Hochhausschluchten durch die Lüfte zu schwingen; Spider-Man lässt grüßen. Auch ein paar kleinere Rätsel und Actioneinlagen rund um den Wunderarm hat sich das Entwicklerteam Grin ausgedacht. So kann Spencer eine Seilbahn aus ihrer Aufhängung ziehen, bestimmte Schalter betätigen oder ganz einfach herumliegende Wurfgeschosse wie Autos aufnehmen und in Richtung Gegner schleudern.

Was sich zunächst unterhaltsam und unkompliziert anhört, erfordert im Spiel viel Einarbeitungszeit und sorgt dennoch für Frust: Ohne richtige Ausrichtung und perfektes Timing sind die Flüge durch die Luft nämlich schneller vorbei als es einem lieb ist. Statt schön anzusehender Akrobatik gibt es einen Sturz in die Tiefe, verbunden mit langen Ladezeiten und einem Zurücksetzen an den letzten Speicherpunkt.

Die teils hakelige Steuerung ist nicht das einzige Problem, mit dem Bionic Commando zu kämpfen hat. So sind die einzelnen Spielabschnitte deutlich linearer, als es die weitläufige Stadt Ascent City zunächst vorgaukelt; abseits der von den Entwicklern vorgegeben Wege ist freies Herumlaufen kaum möglich. Auch die Art der Gegner und die Spielsituationen mit ihren ausufernden Ballerpassagen gegen Terroristen und Mechs wiederholen sich schnell.

Apropos Ballern: Abseits von Pistole und bionischem Arm wird Nathan immer wieder mit Schießprügel-Nachschub versorgt und kann dann auch auf Scharfschützen- oder Maschinengewehre zurückgreifen. Allerdings ist die Munition für diese Spezialwaffen immer nur begrenzt verfügbar. Zudem lernt Nathan im Spielverlauf immer neue Fähigkeiten hinzu, kann dann den Arm wieder für neue Dinge einsetzen oder zusätzliche Angriffe ausführen.

Atmosphärisch überzeugt Bionic Commando: Die einzelnen Gebiete innerhalb der Stadt sind abwechslungsreich und bieten Abschnitte in Hochhausruinen ebenso wie Gefechte in Tunneln oder Waldgebieten. Der Detailgrad ist angenehm hoch, die Lichteffekte gelungen und Kantenflimmern selten. Zusammen mit der gelungenen Musikuntermalung entsteht so eine bedrückende Endzeitstimmung. Der Multiplayer-Modus bietet mit seinen überschaubaren Karten und Modi eher Genredurchschnitt, die Ladezeiten hingegen sind überdurchschnittlich; so lange wie hier muss selten auf einen neuen Actionlevel gewartet werden.

Bionic Commando ist für Xbox 360 und Playstation 3 verfügbar, kostet etwa 60 Euro und hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten. Ende 2009 soll eine Umsetzung für Windows-PC in die Läden kommen.

Fazit

Akrobat mit Hindernissen: Trotz des interessanten Szenarios und der im Großen und Ganzen geglückten Wiederbelebung des mehr als 20 Jahre alten Videospielklassikers kann Bionic Commando nicht uneingeschränkt begeistern. Die Schwungeinlagen mit dem bionischen Arm sind zu fummelig, manche Gefechte und Level zu monoton. Wer die Anfangshürde nimmt und sich mit Kamera und Bedienung arrangiert, kann trotzdem viel Spaß in Ascent City haben; vor allem wegen der Atmosphäre lohnt es, mit Spencer in den Kampf gegen die terroristische Übermacht zu ziehen.


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