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Pine Trail: Nächster Netbook-Atom mit Grafik in der CPU

Neue Plattform soll im vierten Quartal 2009 erscheinen. Kurz nachdem Intel einige Details der Handheld-Plattform Moorestown verriet, hat das Unternehmen nun konkrete Angaben zu dessen Netbook-Version "Pine Trail" gemacht. Die Grafikfunktionen wandern dabei in den Prozessor, sodass der Chipsatz nur noch aus einem Baustein besteht. Das hat für einige andere schon angekündigte Produkte deutliche Konsequenzen.
/ Nico Ernst
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Den groben Umriss von "Pine Trail" zeichneten bereits inoffizielle Angaben, die im Januar 2009 aufgetaucht waren - und nur das, was damals in Asien schon bekannt war, hat Intel nun bestätigt und etwas näher erläutert. Insbesondere gibt es noch keine Informationen zu Taktfrequenz, Zahl der Kerne und der Leistungsaufnahme der Pine-Trail-Plattform.

Auf einer zunächst wenig beachteten Analysten-Konferenz hatte Intel in der vergangenen Woche die beiden nächsten Handheld-Plattformen Moorestown und Medfield erklärt , und in der Folge nun ohne Ankündigung ein PDF auf seine Presseseiten(öffnet im neuen Fenster) gestellt. Es stellt nach Intels Lesart die ersten offiziellen Äusserungen zu Pine Trail dar.

Pine Trail ist der Nachfolger der Plattform " Diamondville ", die das Gros aller Netbooks antreibt. Diamondville besteht aus einem Atom-Prozessor, der Northbridge 945GSE, die Speichercontroller und Grafiklogik nach DirectX-9 enthält sowie der Southbridge ICH7. Die Ansteuerung des Arbeitsspeichers und die Grafik wandern bei der CPU "Pineview" für die neue Plattform in den Prozessor. Über Intels älteren Bus DMI wird daran noch die Southbridge "Tiger Point" angebunden, die wie bisherige Südbrücken SATA, PCI-Express, USB und den Logikteil von Audiobausteinen enthält.

Damit besteht das Pine-Trail-Paket nur noch aus zwei Chips. Das ist für Intel neu, aber als Netbook-Plattform nicht, seit Nvidia seine Ion-Lösung angekündigt hat, die bisher aber nur in stationären Rechnern wie dem Acer Revo zu finden ist. Nvidia beklagt sich folglich über angeblich unfaire Preisgestaltungen von Intels Atom-Plattformen. Bei Ion stecken jedoch Grafik und Speichercontroller zusammen mit den I/O-Einheiten in einem Chip namens Geforce 9400M .

Wie schon beim Core i7 fällt der bei Intel über ein Jahrzehnt aktuelle Frontside-Bus (FSB) mit Pine Trail weg. Für Nvidia bleibt also nur noch wenig Zeit, um den Geforce 9400M für Ion-Plattformen zu verkaufen. Bei Apple ist Nvidia mit diesem Baustein bereits gut etabliert, denn er steckt in fast allen aktuellen Rechnern der Mac-Macher.

Die Integration von immer mehr Funktionen ist besonders bei günstigen mobilen Rechnern ein Kostenvorteil, weil die Platinen und der Montageaufwand sowie die Kühlsysteme einfacher werden. Die Mainboards sollen mit den neuen Chips nur noch aus vier Lagen bestehen. Laut Intels Präsentation zu Pine Trail kann die Plattform bei gewissen "Einschränkungen der Konfiguration" lüfterlos gekühlt werden, lies: bei geringeren Taktraten. Entsprechende Netbooks mit Diamondville-Chips gibt es aber bereits, unter anderem von Dell .

Wie klein die Platinen ausfallen, hat Intel noch nicht gesagt. Laut den unbestätigten Informationen vom Januar 2009 belegt die Gundfläche der beiden Chips bei Pine Trail 773 Quadratmillimeter, bei Diamondville sind es noch 2.174 Quadratmillimeter.

Außer dem lapidaren "gesteigerte Grafikleistung" machte Intel nun keine Angaben zum Grafikkern von Pineview. Ähnliches gilt auch für den schon lange durch Netbookhersteller angekündigten Chipsatz GN40 , der immer noch nicht in Produkten zu finden ist. Intel bestätigte jedoch schon gegenüber Golem.de, dass dessen Grafiklogik 1080p-Videos wiedergeben soll, aber für Blu-ray zu schwach ist .

Beispielsweise Asus hatte den GN40 zuerst für den Eee PC 1000HE angekündigt , der dann aber doch mit dem über vier Jahre alten 945GSE erschien. Im noch nicht lieferbaren 1004DN , dem ersten Netbook mit DVD-Brenner, soll er jedoch erscheinen. Laut Asus Deutschland kommt dieses Gerät aber nicht hierzulande auf den Markt.

Damit ist der GN40 nun zum Geisterchipsatz geworden. Ob er überhaupt noch auf den Markt kommt, ist fraglich. Auf inoffiziellen Grafiken, die von Intel stammen sollen, ist er auch als "Off-Roadmap" geführt. So nennt Intel kurzfristig entworfene Sonderanfertigungen von Produkten, die nicht in die langfristige Planung der Roadmaps passen.

Sofern Intel den GN40 streicht, muss die gesamte Pine-Trail-Plattform bald erscheinen - auch dafür hat der Chiphersteller noch keinen Termin genannt. Asiatischen Berichten zufolge soll es im vierten Quartal 2009 soweit sein, sofern sich das bewahrheitet, dürften die ersten Netbooks mit den neuen Baustein aber schon auf der in zwei Wochen stattfindenden Computex in Taiwan zu sehen sein.

Als Betriebssystem für die Pine-Trail-Netbooks ist laut Intel die Linux-Distribution Moblin gedacht. Sie liegt aktuell in einer ersten Beta der Version 2.0 vor . Moblin soll mit wenig Speicher auskommen, schnell starten und für den Akkubetrieb optimiert sein. Die Oberfläche des Systems ist für die Größe von Netbooks optimiert. Der Nutzer arbeitet mit dem M-Zone genannten Startbildschirm, von dem aus er die Anwendungen erreichen kann. Dabei wird Gnome-Mobile-Technik verwendet, so dass auch bestehende Gnome-Programme unter Moblin laufen sollen.

Intel hatte Moblin ursprünglich als Plattform für die Mobile Internet Devices (MIDs) ins Leben gerufen und war dann auf Netbooks umgeschwenkt. Seit April 2009 leitet die Linux Foundation das Projekt . Intel spielt aber auch weiterhin eine zentrale Rolle in dem Projekt. [Von Julius Stiebert und Nico Ernst]


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