Französisches Gesetz zu Internetsperren beschlossen (Upd.)

Frankreich auf Konfrontationskurs zur EU

Die französische Nationalversammlung hat das umstrittene Gesetz über Internetsperren bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen gestern im zweiten Anlauf beschlossen. Das französische Gesetz widerspricht der in der vergangenen Woche im EU-Parlament beschlossenen Reform des Telekommunikationsrechts.

Artikel veröffentlicht am ,

Im zweiten Anlauf hat es dann doch geklappt. Das Gesetz über die Schaffung einer Aufsichtsbehörde zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet (la loi Hadopi) ist von der französischen Nationalversammlung verabschiedet worden. Der erste Versuch war Anfang April 2009 gescheitert. Da zu später Stunde zu wenig konservative Abgeordnete zur Abstimmung anwesend waren, wurde der Entwurf mit 21 zu 15 Stimmen abgelehnt.

Gestern wurde der Entwurf nun mit einer Mehrheit von 296 zu 233 Stimmen angenommen. Gegen das Gesetz stimmten Sozialdemokraten, demokratische Linke und die Grünen. Sollte auch der französische Senat dem Gesetz zustimmen, was in Anbetracht der konservativen Mehrheit als sicher gilt, kann das Gesetz noch dieses Jahr in Kraft treten. Die Senatoren von der Sozialistischen Partei haben angekündigt, die Abstimmung zu boykottieren, berichtet Le Figaro.

Das Gesetz zur Schaffung der Behörde Hadopi (Haute Autorité pour la Diffusion des Oeuvres et la Protection des Droits sur Internet) sieht vor, dass Internetnutzern bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen nach dreifacher Verwarnung ihr Internetzugang gesperrt wird. Die ersten beiden Verwarnungen erfolgen per E-Mail, die dritte per Einschreiben. Der Internetzugang kann den Betroffenen bis zu einem Jahr gesperrt werden. Rechtsmittel gegen die Sperrungsverfügung sind nicht vorgesehen.

Im Vergleich zur ersten Abstimmung wurde der Gesetzestext sogar verschärft: Nutzer, denen der Internetzugang gesperrt wird, müssen trotzdem weiter für den Zugang bezahlen. Die Sozialisten kritisieren das als doppelte Bestrafung.

Das Gesetz verfolgt einen Weg, den das Europäische Parlament vergangene Woche in der zweiten Lesung zum Telekom-Paket ausdrücklich abgelehnt hatte. Die EU-Parlamentarier fordern auch bei der Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen im Internet die Beibehaltung rechtsstaatlicher Mittel. Internetsperren ohne richterliche Anordnung kommen für die EU-Parlamentarier nicht infrage.

Sollte das Telekom-Paket in der endgültigen Fassung ein Verbot von Internetsperren ohne richterliche Anordnung vorsehen, würde das französische Gesetz Hadopi gegen europäisches Recht verstoßen und spätestens vor dem Europäischen Gerichtshof scheitern. Die französische Bürgerrechtsinitiative La Quadrature du Net spricht denn auch von einer Totgeburt des Loi Hadopi.

Wie in der französischen Presse berichtet wird, stellen sich die Internetnutzer in Frankreich auf ihre Weise auf die neuen Verhältnisse ein. Überall werden auf Websites Tipps gegeben, wie man sich der unerwünschten Aufmerksamkeit der Hadopi-Behörde mit technischen Mitteln entziehen kann.

Vertreter der Medienindustrien drängen energisch darauf, auch in Deutschland Internetsperren nach französischem Vorbild einzuführen. Da einer gesetzlichen Regelung unter anderem wegen verfassungsrechtlicher Bedenken wenig Chancen eingeräumt werden, setzen die Lobbyisten aus Musik-, Film- und Verlagswirtschaft auf die Beihilfe der Internetprovider. Unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums werden in diesem Sinne "zur Bekämpfung der Internetpiraterie Modelle der freiwilligen Kooperation zum Schutze der Urheber und zur Stärkung der neuen Medien gemeinsam mit den Rechteinhabern und Providern ausgelotet".

Nachtrag vom 13.05.2009, 17:10 Uhr:

Am Mittwoch hat der französische Senat dem Gesetz erwartungsgemäß mit großer Mehrheit zugestimmt. [von Robert A. Gehring]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


spanther 17. Mai 2009

lol xDDD Den meinte ich ja jetzt nichtmal :P

spanther 17. Mai 2009

Tja, schau dir doch mal den französischen "Führer" da an. Die Mafia Pfeife... xD

Jungfrau von... 14. Mai 2009

Wer möchte auch einen weiteren, vielleicht vierten, fünften, sechsten... Anlauf?

spanther 14. Mai 2009

Ich hab nie von "unüberwindbarem absoluten 100%igen Schutz gesprochen *g* Aber der...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Disney+, Netflix und Prime Video
Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen

Das aktuelle Jahr hat viele Umbrüche im Streamingmarkt erlebt - und nächstes Jahr geht es weiter. Das wird negative Auswirkungen für Anbieter und Kunden haben.
Eine Analyse von Ingo Pakalski

Disney+, Netflix und Prime Video: Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen
Artikel
  1. Kernfusion: US-Fusionslabor erreicht konsistent Zündungen
    Kernfusion
    US-Fusionslabor erreicht konsistent Zündungen

    Vor einem Jahr gelang der US-Forschungseinrichtung NIF ein wichtiger Fortschritt bei der Kernfusion. Der wurde inzwischen mehrfach wiederholt.

  2. Aufkauf der Restaktien: Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen
    Aufkauf der Restaktien
    Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen

    Das Angebot des Investors für die restlichen Anteile liegt vor. Die Software AG trennt sich derweil von zwei Produkten.

  3. 49-Euro-Ticket: Stendal könnte doch zum Deutschlandticket zurückkehren
    49-Euro-Ticket
    Stendal könnte doch zum Deutschlandticket zurückkehren

    Während weitere Landkreise ebenfalls über ein Aus für das Deutschlandticket nachdenken, gibt es für Stendal einen möglichen Ausweg.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /