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Frankreich: Kündigung nach Kritik an Internetsperren

Webdesigner verliert seinen Job bei TF1. Das französische Gesetz über Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen ist noch nicht in Kraft, da gibt es schon ein erstes Opfer. Dem Webdesigner Jérôme Bourreau-Guggenheim wurde nach privater Kritik an dem Gesetzentwurf von seinem Arbeitgeber TF1 gekündigt.
/ Christian Klaß
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Kritik ist in Frankreich gefährlich, wenn es um das Urheberrecht geht. Das musste der Webdesigner Jérôme Bourreau-Guggenheim jetzt am eigenen Leib erfahren. Bourreau-Guggenheim verlor seinen Arbeitsplatz, nachdem er sich als Bürger über das Gesetz für Internetsperren (Loi Hadopi) kritisch geäußert hatte. Die Umstände der Kündigung haben dem Fall große Aufmerksamkeit in der Presse verschafft. Die Tageszeitung Libération(öffnet im neuen Fenster) machte die Vorgänge kürzlich publik.

Der Libération zufolge hatte sich Bourreau-Guggenheim Mitte Februar 2009 per E-Mail privat an seine Abgeordnete Françoise de Panafieu gewandt und den Gesetzentwurf zum Loi Hadopi kritisiert. Zwei Monate später wurde er zu seinem Vorgesetzten ins Büro gerufen. Dieser las ihm den Text der E-Mail an die Abgeordnete Wort für Wort vor und teilte ihm dann mit, dass er gekündigt sei.

Panafieu hatte die E-Mail an das für das Loi Hadopi zuständige Kulturministerium weitergeleitet. Von dort aus ging sie wiederum an die Senderkette TF1(öffnet im neuen Fenster) , bei der Bourreau-Guggenheim arbeitete. So kam es zur Kündigung. Das Ministerium erklärte, von dem Vorgang außerordentlich überrascht zu sein.

Die Fernsehsenderkette TF1 gehört einem Konsortium um den Milliardär Martin Bouygues(öffnet im neuen Fenster) , den Forbes zusammen mit seiner Familie zu den 300 Reichsten in der Welt zählt. Bouygues ist Pate des Sohnes von Präsident Nicolas Sarkozy. Das Loi Hadopi wird von Präsident Nicolas Sarkozy energisch befürwortet und vorangetrieben. [von Robert A. Gehring]


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