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Wie teuer ist Atomstrom?

Versteckte Subventionen drücken den Preis für Strom aus dem Atomkraftwerk. Die Betreiber von Atomkraftwerken werben damit, dass der Strom aus ihren Kraftwerken günstiger sei als der aus erneuerbaren Energiequellen. Das Magazin Zeit Wissen hat die Angaben der Betreiber unter die Lupe genommen – und kam zu ganz anderen Strompreisen.
/ Werner Pluta
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In Zeiten des Klimawandels und der Verteuerung des Öls wird der mit wenig Emissionen erzeugte günstige Atomstrom wieder interessant. Einige Länder bauen deshalb gerade neue Atomkraftwerke. Auch in einigen europäischen Ländern sollen neue Kernreaktoren vom Typus des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) entstehen, unter anderem in Schweden und Italien. Hersteller und Betreiber locken damit, dass der Strom aus dieser neuen Generation von Atomkraftwerken nicht nur umweltfreundlich, sondern auch sehr günstig sei.

3 bis 4 Cent soll die Kilowattstunde kosten, versprechen die Energieversorger. Zum Vergleich: Strom aus kohlendioxidemittierenden Kohlekraftwerken kostet zwischen 2,5 und 5 Cent pro Kilowattstunde. Umweltfreundlicher Strom aus erneuerbaren Energiequellen hingegen ist teurer: Windstrom kostet 6 bis 9 Cent, Solarstrom 9 bis 50 Cent je Kilowattstunde.

Dieser von den Betreibern angegebene Strompreis sei jedoch nicht realistisch, berichtet das Magazin Zeit Wissen in seiner aktuellen Ausgabe. "Auf solch niedrige Kosten pro Kilowattstunde kommen AKW-Betreiber allerdings nur, wenn sie versteckte Subventionen berücksichtigen", sagte Wolfgang Irrek, Energieexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie dem Zeit-Ableger.

Zu den von Irrekt erwähnten versteckten Subventionen gehören beispielsweise besonders günstige Kredite, wie sie Finnland bietet. Wer dort einen EPR baut, bekommt einen Zinssatz von nur 2,6 Prozent. Auf die von den Betreibern angenommene Laufzeit von 60 Jahren gerechnet, kostet der Kredit 5 Milliarden Euro. Nimmt man hingegen einen marktüblichen Zinssatz von 7 Prozent an, liegen die Finanzierungskosten bei 13 Milliarden Euro.

Dazu kommt, dass die Betreiber ihre Kraftwerke nicht ausreichend versichern. Im Falle eines Unfalls haftet der Betreiber in unbegrenzter Höhe. Experten schätzen die Schäden eines sogenannten größten anzunehmenden Unfalls (GAU) auf bis zu 5 Billionen Euro. Der tatsächlich versicherte Wert liegt jedoch meist darunter. In Deutschland etwa brauchen die Kraftwerkbetreiber nur einen Schaden bis zu einer Höhe von 2,5 Milliarden Euro zu versichern. Auch das ist eine Subvention: Müssten die Betreiber den geschätzten Schaden eines Unfalls in voller Höhe versichern und würden diese Kosten auf den Strompreis umlegen, stiege der nach den Berechnungen von Zeit Wissen um 5,5 Cent pro Kilowattstunde.

Um einen weiteren halben Cent schließlich steigt der Preis, wenn die Bedingungen der Stromerzeugung berücksichtigt werden: Die Betreiber rechneten damit, dass ihre Kraftwerke 60 Jahre mit einer jährlichen Auslastung von 87 Prozent liefen. Realistisch seien jedoch Laufzeiten von 40 Jahren mit einer Auslastung von 80 Prozent. Bezieht man alle diese Faktoren mit ein, so Zeit Wissen, koste die Kilowattstunde Atomstrom zwischen 8,7 und 10,3 Cent.

Die Baukosten eines EPR liegen bei etwa 4,7 Milliarden Euro. Über seinen gesamten auf 60 Jahren ausgelegten Lebenszyklus kostet ein Reaktor jedoch mehr als das 15fache: Die Kosten für Instandhaltung, die Wartung und das Personal beziffert die Zeit mit etwa 6 Milliarden Euro über die gesamte Laufzeit. Um die Technik des Kraftwerks und der Sicherungssysteme auf dem aktuellen Stand zu halten, werden gut 800 Millionen Euro fällig. Für den Brennstoff, das spaltbare Uran 235, müssen die Betreiber etwa 2,6 Milliarden Euro zahlen, für die Zwischen- sowie die spätere Endlagerung der ausgebrannten Brennstäbe weitere 3,9 Milliarden Euro.

Ist das Kraftwerk am Ende seiner Laufzeit angekommen, muss es aufwendig abgebaut werden – das kostet etwa 600 Millionen Euro. Rechnet man schließlich die Finanzierungskosten von 13 Milliarden Euro sowie eine nichtsubventionierte Versicherung, die 40,2 Milliarden Euro betragen würde, ein, zahlt der Betreiber für sein Atomkraftwerk knapp 72 Milliarden Euro.


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