Erste zivile Drohnen-Weltmeisterschaft

Unbemannte Flugobjekte (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) sind in erster Linie eine Domäne des Militärs: Drohnen wie Predator oder Global Hawk gehören zum Standardrepertoire vieler Armeen. Der Verein Motodrone will diesen Bereich aber nicht den Militärs überlassen. Seiner Vorstellung nach sollen UAVs auch für zivile Zwecke eingesetzt werden. Motodrone veranstaltet deshalb die erste freie Weltmeisterschaft für zivile UAVs.
Der Wettbewerb findet am 13. und 14. Juni 2009 im Luftfahrtmuseum im brandenburgischen Finowfurt statt. Teilnehmen können Teams mit "Fluggeräten in Form von Rotationsflüglern mit Elektromotor in einer Größe von höchstens 80 cm" . Die Teams können aus Unternehmen stammen, aus Universitäten oder sich aus Privatleuten zusammensetzen.
Die Fluggeräte müssen entweder autonom fliegen, also von einem Bordcomputer gesteuert werden, oder sie können von einem Menschen ferngesteuert werden; der darf dann aber keinen Sichtkontakt zum Fluggerät haben. Die UAVs müssen mehrere Aufgaben bewältigen: Sie müssen automatisch starten und landen, bei wechselnden Windbedingungen stabil schweben, bestimmte Wegpunkte anfliegen, Objekte mit einer Kamera aufnehmen sowie einen unerwarteten freien Fall abfangen und sich wieder stabilisieren.
Da die Veranstalter die Open Source Community fördern wollen, empfehlen sie den Teilnehmern, ihre Konstruktionen offenzulegen. Zwar dürfen auch Teams teilnehmen, die ihre Programmcodes nicht dokumentieren wollen. Allerdings können diese Teams laut Teilnahmebedingungen(öffnet im neuen Fenster) nicht prämiert werden.
Zum Rahmenprogramm des Wettbewerbs gehören ein Workshop, in dem Interessierte lernen können, selbst Quadrokopter zu bauen, sowie Vorträge und Diskussionen mit Technikern, Politikern und Behördenvertretern, darunter auch die Polizei, über die Situation von Drohnen.
Ziel des auf dem Chaos Communication Camp 2008 gegründeten Vereins Motodrone ist es nach eigenen Angaben, "den zivilen, nichtkommerziellen Einsatz von Flugrobotern der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und auf diesem Wege dem negativen, weil meist an tödliche Einsätze in Kriegs- und Krisengebieten gekoppelten, Image entgegenzuwirken." Die Technik biete viele Chancen im zivilen Bereich, etwa bei Katastropheneinsätzen wie bei Waldbränden oder nach Überschwemmungen. 2005 nach dem Wirbelsturm Katrina etwa suchten militärische Drohnen in New Orleans nach Überlebenden. Andere Anwendungsgebiete seien die Beobachtung der Verkehrssituation, die Überwachung und Wartung von Hochspannungsleitungen oder die Erfassung seltener oder bedrohter Tierarten.
Neuregelung des Luftraumes?
Das Problem für die UAVs ist, dass sie nach dem gegenwärtigen deutschen Luftfahrtrecht nur bis zu 100 Fuß, also etwa 30 Meter hoch fliegen dürfen. Danach kommen sie in den Luftraum, der für diese Flugobjekte gesperrt ist. Allerdings hat das Bundesverkehrsministerium kürzlich in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen angedeutet(öffnet im neuen Fenster) , diese Regelung ändern zu wollen. Das Ministerium rechnet "im Hinblick auf die Komplexität des Sachverhalts" nicht mit einer schnellen Entscheidung.
Matthias Brucke, Bereichsleiter Business Development beim Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstituts für Informatik-Werkzeuge und -Systeme (Offis), hält eine Neuregelung des Luftraums für unerlässlich, um solche Fluggeräte als kommerzielle Produkte anbieten zu können. Andernfalls sei der Markt auf Abnehmer wie Bundeswehr oder Bundespolizei beschränkt und damit zu klein. Offis entwickelt selbst UAVs für zivile Anwendungen .
2008 hatten sich die zivilen Drohnenbauer schon einmal in Finowfurt getroffen . Die letztes Jahr geplante Weltmeisterschaft wurde jedoch auf 2009 verschoben, weil die Teams, wie der Veranstalter seinerzeit Golem.de mitteilte, mehr Zeit für die Vorbereitung auf den Wettbewerb brauchten.



