Radeon HD 4770: Mehr Grafikleistung unter 100 Euro

Auch wenn der Name die neue Karte zwischen der 4670 und 4830 einordnet, ist die neue AMD-Grafikkarte preislich gesehen der Nachfolger der Radeon HD 4830 , die inzwischen zu Preisen um 90 Euro angeboten wird. Laut vereinzelten Angaben in Preisvergleichen, die vor dem Fall der Sperrfrist auftauchten, bewegt sich auch die 4770 in diesem Rahmen. Als empfohlenen Verkaufspreis für die USA sieht AMD 99 US-Dollar vor.
Dafür bietet die neue Grafikkarte eine Ausstattung, die fast an das Modell 4850 mit 512 MByte heranreicht – der Speicherbus ist bei der 4770 aber nur 128 Bit breit, die 4850 hat ein doppelt so breites Speicherinterface. Der Takt der GPU der 4770 liegt sogar bei 750 MHz, bei der 4850 sind es 625 MHz. Der Speicher ist jedoch nur mit 800 MHz getaktet, beim größeren Modell sind es 1.000 MHz. Bei der Zahl der Streamprozessoren, durch die Grafikkarten hauptsächlich differenziert werden, kommt die 4770 auf 640 Einheiten, bei der 4850 und größeren Modellen sind es 800 Rechenwerke.
Bei der Vorstellung der Karte erklärte AMD, warum die neue Strukturbreite zuerst für ein Mittelklasseprodukt genutzt wird, und nicht für Highend-Modelle, mit denen sich noch höhere Taktfrequenzen erreichen lassen könnten. Dem Chiphersteller zufolge werden in der Preisklasse um 100 Euro die meisten Grafikkarten im Einzelhandel verkauft. Dieses lukrative Retail-Geschäft will AMD folglich zuerst bedienen.
Bei den OEM-Karten, die an PC-Hersteller für Komplettrechner verkauft werden, sind freilich noch höhere Stückzahlen üblich. Gefragt sind hier aber noch günstigere Modelle, bei denen zudem die Margen noch niedriger liegen. Der Chiphersteller und der Lieferant der Karte verdienen daran insgesamt weniger.
Obwohl die 4770 so günstig ist, hat sich AMD für ein Design entschieden, dessen Slotblende zwei Steckplätze belegt. Die Konstruktion des Kühlers ähnelt stark dem Modell der Radeon HD 3870. Das verwundert zunächst, da auch das Referenzdesign der 4850 nur einen Slot belegt. Diese Karte erntete jedoch anfangs einige Kritik, da sie sehr heiß wurde und ihre Wärme nicht über das Slotblech abführen konnte. Die Kartenhersteller schoben schnell eigene Kühlungslösungen nach, die häufig zwei Steckplätze belegten.
Ein von AMD gestelltes BIOS vom 20. April 2009 änderte das, der Lüfter wurde nun stetig nachgeregelt und auch unter hoher Last mit 3DMark Vantage in der Voreinstellung "Extreme" blieb die Karte nach mehreren Durchläufen sehr leise. Ein echter Stromsparer ist die Karte aber nicht. Unsere Testplattform für Grafikkarten mit dem Core i7 965 auf dem Asus-Mainboard P6T Deluxe kam im Extreme-Modus von 3DMark Vantage auf 155 Watt. Mit einer 4670 erreicht dieses System beim gleichen Test aber nur 135 Watt. Im Idle-Modus sind es mit dieser Karte, die ihren GPU-Takt auf 165 MHz senkt, nur 97 Watt, die Plattform benötigt mit der 4770 schon 124 Watt. Als typische Leistungsaufnahme unter Last gibt AMD für die 4770 80 Watt an, sie benötigt zusätzlichen Strom über eine 6-polige Buchse.
Dafür ist die 4770 aber viel schneller als die 4670. Die neue Karte erreicht in der Einstellung "Performance" des 3DMark Vantage 7.855 Punkte, die 4670 kommt hier nur auf 3.754 Zähler. Hauptgrund ist der schnelle GDDR-5-Speicher, die 4670 ist nur mit GDDR-3 bestückt. Damit ist zumindest in diesem Test die 4770 nur wenig langsamer als die 4850, die auf 8.120 Punkte kommt.



