Russen wollen mit deutschem Staat bei Qimonda einsteigen
Russische Staatsfonds, die sich an dem insolventen Dresdner Chiphersteller Qimonda beteiligen wollen, knüpfen Bedingungen an das Engagement. Das Nachrichtenmagazin der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) berichtet, dass Deutschland sich mit mindestens zehn Prozent an der Fabrik beteiligen müsse. Die sächsische Staatskanzlei hatte bislang keine direkte Beteiligung gewollt.
Vergangene Woche hatte Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) mit Premierminister Wladimir Putin über das Projekt gesprochen. Tillich erklärte der Presse, Putin zu einem Vierauengesräch in Moskau getroffen zu haben. "Darüber hinaus signalisierte Ministerpräsident Putin ein Interesse Russlands am insolventen Speicherchiphesteller Qimonda" , so Tillich. "Es war ein sehr gutes Treffen" , sagte Tillich nach dem Gespräch. Putin wolle sehr zügig und konkret prüfen lassen, welche Möglichkeiten es für russische Investoren bei Qimonda gebe. Putin habe den russischen Minister für Industrie und Handel, Viktor Christenko, teilweise zum Gespräch hinzugezogen und ihn mit der Sache beauftragt. Qimonda hatte am 23. Januar 2009 Insolvenz angemeldet .
Insolvenzverwalter Martin Jaffé und die sächsische Staatsregierung stehen unter Zeitdruck: 2.450 Qimonda-Beschäftigte befinden sich derzeit in einer Auffanggesellschaft, die nur bis zum Sommer 2009 finanziell abgesichert ist. Danach müsste Jaffé beginnen, Patente und Unternehmensteile zu verkaufen. Die Gespräche mit dem ebenfalls interessierten chinesischen Konzern Inspur (ehemals Langchao) würden in Verhandlungskreisen inzwischen nur noch als "unspezifisch" eingestuft.
Auch die russische Angstrem-Unternehmensgruppe aus dem Moskauer Verwaltungsbezirk Selenograd hatte schon Interesse an Qimonda gezeigt. Angstrem errichtet seit Sommer 2008 eine Auftragsfertigung für Halbleiterkomponenten mit 0,18 bis 0,13 Mikrometer Technik, die Ende 2009 die Produktion aufnehmen soll. Ein Partner ist hier der Stuttgarter Anlagenbauer M+W Zander. Angstrem kaufte ältere Maschinen aus dem Dresdner AMD-Werk.