Auf dem Weg zur künstlichen Nase
Künstliche Nasen sind sogenannte Nano-Elektromechanische Systeme (NEMS), Chips, auf denen viele dünne Nanosaiten mit einem Durchmesser von 100 Nanometern (ein Zehntausendstel Millimeter) angebracht sind. Diese Saiten sind so beschichtet, dass sie jeweils eine bestimmte Molekülsorte anziehen. Zum Messen werden die Saiten in Schwingungen versetzt. Setzt sich ein Molekül daran fest, wird die Saite schwerer und schwingt messbar langsamer. "Eine Messung der Schwingungsperiode ermöglicht also, chemische Substanzen molekülgenau nachzuweisen" , erklärt Quirin Unterreithmeier, Physiker an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.
Die Münchner Wissenschaftler haben nun Nanosaiten aus Silizium-Nitrid konstruiert, die bessere Messergebnisse erbringen. Da dieses Material jedoch nicht leitend ist, bedürfte es einer anderen Methode, um die Saiten zum Schwingen zu bringen. Dieses Problem lösten die Wissenschaftler, indem sie sich das Prinzip der dielektrischen Wechselwirkung zunutze machten: Zwei Goldelektroden erzeugen ein elektrisches Feld, das die Saiten in Schwingungen versetzt. Diese werden von zwei weiteren Elektroden gemessen.
Den Aufbau hätten die Wissenschaftler im Ätzverfahren hergestellt, erklärt die Physikerin Eva Weig. Es sei ohne großen Aufwand möglich, ihn auch "in zehntausendfacher Wiederholung auf einem Chip" zu realisieren. Außer als künstliche Nase seien weitere Anwendungen für Silizium-Nitrid-Nanosaiten denkbar, etwa in der Messtechnik oder als Taktgeber für Uhren.
Die Münchner Forscher beschreiben ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature(öffnet im neuen Fenster) .



