Browsergames: Die Zukunft für deutsche Entwickler ist Afrika

Kersting berichtet, dass Gladiatus, Wild Guns und das jüngst mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnete Ikariam sowie die anderen Titel seines Unternehmens mittlerweile übersetzt in über 50 Sprachen überall auf der Welt erscheinen. Jüngst kam sogar das afrikanische Idiom Kisuaheli mit dazu. Den Schwarzen Kontinent sieht Kersting als potenziellen Boommarkt, in dem er besonders expandieren möchte. In vielen dieser Länder sind Highend-PCs mit schnellen Grafikkarten so gut wie nicht verbreitet und Konsolen der großen Hersteller wie Nintendo oder Sony oft nur als extrem teurer Luxusimport erhältlich. Aber es gebe genug Kundschaft, die durchaus ein bisschen Geld für interaktives Entertainment - oft in Kaffeehäusern - auszugeben bereit ist. Er erzählt, dass sich ein Team aus fünf Spezialisten darum kümmert, den internationalen Zahlungsverkehr zu überwachen - die Spieler bezahlen mit Kreditkarten, mit Handyabbuchungen und zahllosen anderen Mitteln.
Kersting ist einer, der an sein Produkt glaubt. Mit dem Handel - für klassische Spielepublisher unverzichtbar - möchte er am liebsten gar nichts zu tun haben, nicht mal für möglicherweise denkbare Merchandisingartikel. Er findet, dass im klassischen Geschäftsmodell der Spielebranche "die Entwickler, die ja die eigentliche kreative Leistung erbringen" , eine "sehr schwache Position" haben. Bei Browsergames sei das anders. Er beschäftige gerade mal um die sechs Marketingmitarbeiter, aber derzeit rund 140 Entwickler. Und gewinnt 70 bis 80 Prozent seiner Kunden viral, also über Mund-Propaganda. Auch das Lob für die Enwicklungsarbeit erhalten seine Entwickler nicht mehr über Wertungen aus der Fachpresse - "aber dafür rund um die Uhr Live-Feedback von Millionen von Spielern - und das macht Spaß und bestätigt."
Die großen Konzerne wie Electronic Arts und Activision-Blizzard machen Kersting gelegentlich Sorgen - irgendwann könnten diese Unternehmen sich schließlich mit ihren geballten finanziellen Ressourcen in den Browsergamesmarkt einkaufen. Aber derzeit sei bei einer Firma das Thema "Online" immer noch nicht durchgesetzt. Da seien halt auch Salesabteilungen, die ihre Bonuszahlen nur dann bekommen, wenn sie Verpackungen in den Handel stellen: "Nicht umsonst haben einige Titel auf Abobasis große Probleme, auf ihre Mitgliederzahlen zu kommen. EA hat bei Warhammer Online sicherlich nicht das erreicht , was sie sich vorgenommen haben."
Konsolen findet Kersting für Browsergames allerdings spannend. In seinen Planungen für die nächsten Jahre "gehören die Konsolen der nächsten Generation natürlich mit dazu - es ist nur die Frage, wann die ihre Plattform endlich öffnen." Auch das zuletzt viel diskutierte Cloud-Computing hält er für interessant - hat aber die Erwartung, dass Dienste wie Onlive sich in erster Linie in westlichen und asiatischen Märkten verbreiten könnten. Afrika hingegen verfüge schlicht nicht über die benötigten schnellen Internetbandbreiten.



