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Phenom II X4 955 erreicht 3,2 GHz - auch mit DDR3-Speicher

Neue Black Edition für den Sockel AM3. AMD hat an der Taktschraube gedreht: Der schnellste Phenom II läuft nun mit 3,2 GHz statt bisher 3,0 GHz. Zusätzlich ist das Modell 955 der erste Phenom II mit großen Caches, der in Mainboards mit dem Sockel AM3 auch mit DDR3-Speicher umgehen kann. Im Kurztest überzeugt der Prozessor weitgehend.
/ Nico Ernst
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Kurz nach der erfolgreichen Markteinführung des Phenom II , der mit seinen vier Kernen zu Intels Mittelklasse der Core 2 Quads aufschloss und bisweilen auch dem kleinsten Core i7 Konkurrenz machte, hatte AMD Phenom-II-Prozessoren für den Sockel AM3 nachgeschoben. Die wichtigste Neuerung: Mainboards mit dieser CPU-Fassung können auch mit DDR3-Modulen bestückt werden. Diese sind durch den anhaltenden Preisverfall bei DRAMs inzwischen bezahlbar geworden.

Diese schnelle Abfolge ist möglich, weil der in der CPU integrierte Speichercontroller des Phenom II sowohl mit DDR2 als auch DDR3 umgehen kann. Allein der Sockel entscheidet, in welchem Modus der Speichercontroller arbeitet. Denn anders als manchmal in Foren behauptet laufen AM3-Prozessoren sehr wohl in Mainboards mit dem Sockel AM2+. Die Spannungsversorgung für die bis zu 125 Watt TDP fordernden CPUs muss aber ausreichend sein, und zusätzlich ein BIOS-Update für AM3-CPUs zur Verfügung stehen.

Prozessor für AM3 Takt L3-Cache TDP (Watt) Preis
Phenom II X4 955 BE 3,2 GHz 6 MByte 125 W 245$
Phenom II X4 945 3,0 GHz 6 MByte 125 W 225$


Umgekehrt funktioniert das jedoch nicht: Prozessoren für den Sockel AM2+ passen durch zwei zusätzliche Pins, die den AM3s fehlen, schon mechanisch nicht in die neuen Mainboards, die inzwischen zahlreich zur Verfügung stehen. Das ist bei genauer Betrachtung für Aufrüster nur ein Nachteil, wenn eine ältere CPU in einem aktuellen Mainboard betrieben werden soll, beispielsweise, um neue Schnittstellen nutzen zu können. In der Regel kaufen die meisten PC-Selbstbauer aber auch ein neues Board, wenn eine schnellere CPU gewünscht wird.

Dennoch hatte die Sache bisher einen Haken: Die AM3-Prozessoren waren in der Quad-Core-Ausführung als Phenom II X4 810 mit 2,6 GHz oder bei 2,8 GHz, dann aber mit nur drei aktivierten Kernen beim Phenom II X3 720 den größeren Modellen in der Rechenleistung unterlegen. Zudem hatte AMD auch noch bei den Vierkernen für den Sockel AM3 den Cache mit 4 MByte um ein Drittel beschnitten.

Der Phenom II X4 955 mit 3,2 GHz, vier Kernen und 6 MByte L3-Cache ist nun der erste Prozessor, der den Sockel AM3 voll ausreizen kann. Ein Wechsel der Plattform wird damit erst so richtig interessant, steht doch die schnellste Desktop-CPU von AMD nun mit aktuellen Mainboards und zukunftssicherem Speicher zur Verfügung. Diese Plattform nennt AMD immer noch "Dragon", zu ihr gehört nun auch die Grafikkarte Radeon HD 4890 .

HyperTransport mit 2,0 GHz, aber kein neues Stepping

Der Wechsel zum Sockel AM3 ist der wichtigste Vorteil des Phenom II X4 955. Den gegenüber dem Modell 940 um 6,7 Prozent gesteigerten Takt bemerkt man in der Praxis nicht, für Übertakter dürfte die neue CPU aber mehr Spielraum bieten. Allzu große Hoffnungen darf man sich hier aber nicht machen, denn ein neues Stepping bringt der 955 nicht mit.

Unser von AMD gestelltes Exemplar mit Serienbeschriftung, das von BIOS und CPU-Z auch nicht als "Engineering Sample" ausgewiesen wurde, basiert auf dem Stepping 2 (RB-C2), in dem auch der Phenom II X4 940 bisher verkauft wurde. Statt 1,376 Volt beim 940 wollte der 955 aber 1,456 Volt bei vollem Takt vom Mainboard erhalten. Mehr Strom sorgt also wieder einmal für mehr Takt. Die Spezifikationen sehen aber immer noch 125 Watt TDP für den 955 vor, der bisher bei Golem.de verwendete Kühler von Akasa mit vier Heatpipes konnte auch die neue CPU problemlos kühlen.

Keinen messbaren Vorteil bringt auch der von 1,8 GHz auf 2,0 GHz gesteigerte Takt des HyperTransport-Links, über welchen der Phenom II nun den PCI-Express-Bus anspricht. AMD hatte den gegenüber den Shanghai-Opterons, die auf dem gleichen Die basieren, geringeren Takt der ersten Versionen auch als Schönheitsfehler bezeichnet , der nun offenbar korrigiert ist.

Neben dem Modell 955 gibt es auch noch einen Phenom II X4 945, der bei 3,0 GHz ebenfalls in den Sockel AM3 passt und quasi eine Ausgabe des 940 für den neuen Sockel ist – er kostet mit einem OEM-Preis von 225 US-Dollar auch genauso viel wie der 940. Beim Modell 945 ist jedoch der Multiplikator fest eingestellt, so dass für eigene Taktexperimente nun zwei Black Editions mit freiem Taktvervielfacher zur Verfügung stehen: der 940 für den Sockel AM2+ und der 955 für AM3.

Speicherprofile "BEMP" und Anwendungserkennung

Zusammen mit dem 955 hat AMD auch das Übertaktungstool "Overdrive 3.0" überarbeitet. Es kennt nun selbst die "Black Edition Memory Profiles" (BEMP), mit denen es den Speicher automatisch übertakten kann. Anders als bei den Konzepten "XMP" von Intel oder "SLI Memory" von Nvidia müssen die Daten dafür nicht in den Modulen stecken, vielmehr testet AMD selbst Speicher und aktualisiert die Datenbank des Overdrive-Tools. Dabei können aber auch die Speicherhersteller Daten einreichen.

Obwohl der Speichercontroller laut Spezifikation nur auf effektiv 1.333 MHz ausgelegt ist, will AMD auch mit den Dominator-Modulen von Corsair 1.600 MHz stabil erreicht haben. Da dabei die Spannung des Speichercontrollers und der Module erhöht wird, ist das aber von der Garantie nicht abgedeckt, auch wenn Overdrive 3.0 von AMD stammt – darauf weist das Programm mehrfach hin.

Die zweite neue Funktion der Übertaktungssoftware sind die "AMD Smart Profiles". Dabei lassen sich Profile für Anwendungen erstellen, die dann einzelne Kerne übertakten, wenn die Anwendung nicht alle Cores nutzen kann. Das ist vor allem bei vielen Spielen nützlich, die nur schlecht in Threads aufgeteilt sind. Beim Start eines solchen Programms ändert Overdrive anhand der Profile die Taktfrequenzen und bindet die Anwendungen an die Kerne, wie sich das von Hand auch mit dem Taskmanager erledigen lässt.

Dass sich dabei Marketingdiagramme ergeben, die denen von Intels Turbo-Boost beim Core i7 stark ähneln, ist AMD sicher mehr als recht. Tatsächlich ist der Turbomodus von Intels Schnellsten aber viel raffinierter und wird von der CPU selbst gesteuert, er ist nicht auf die Mithilfe eines ständig laufenden Programms angewiesen. Die Intel-Funktion ändert zudem abhängig von den thermischen und elektrischen Zuständen des Prozessors den Takt ständig selbst nach und versucht so das maximale aus der CPU zu holen, solange Kühlung und Stromversorgung reichen.

Synthetische Tests und Aufrüstmöglichkeiten

Da AMDs Muster des 955 erst kurz vor dem Fall der Sperrfrist eintraf, blieb nur Zeit für einfache synthetische Benchmarks. Wir haben dafür wie beim Phenom II 940 das Gigabyte-Mainboard GA-MA790GP-DS4H für den Sockel AM2+ in der gleichen Plattform verwendet. Mit DDR3-Speicher kann der 955 zwar noch etwas schneller sein, der Taktvorteil zeigte sich jedoch auch schon mit den DDR2-1.066-Modulen von Kingston bei 5-5-5-18-Timings.

Im Cinebench R10 ergaben sich so 10.454 Punkte für den 955, beim 940 waren es noch 9.791 Punkte – AMD knackt hier erstmals ohne Übertaktung die Marke von 10.00 Zählern. Die CPU-Tests des 3DMark Vantage (Performance) ergeben 11.136 zu 10.334 Punkte für 955 zu 940. Und die Kreiszahl berechnet SuperPi 1.5 XS nun in 21,715 Sekunden bei einer Million Iterationen, zuvor waren es 23,447 Sekunden.

Zwischen 5 und knapp 7 Prozent schneller ist damit der Phenom II 955 als das Modell 940 in den synthetischen Tests, was dem Rahmen seiner Taktsteigerung entspricht. Zudem lief die CPU im Gigabyte-Board problemlos, nachdem das BIOS F4(öffnet im neuen Fenster) eingespielt wurde. Wir haben das absichtlich zu Beginn nicht getan, auch mit der früheren Betaversion F30 startete das Board. Der Multiplikator blieb jedoch dabei stets bei 8, was 1.600 MHz und der kleinsten Stufe der Stromsparfunktion Cool'n'Quiet entspricht. Das blieb auch so, wenn der Modus "Höchstleistung" in den Energieeinstellungen von Vista gewählt wurde, die CPU lief nur halb so schnell, wie sie eigentlich könnte.

Generell empfiehlt es sich, vor dem Wechsel einer CPU das BIOS aufzuspielen, das für den neuen Prozessor vorgesehen ist. Oft starten Mainboards nicht mit ihnen unbekannten CPUs oder stellen diese beispielsweise durch zu hohe Spannung falsch ein, was irreparable Schäden nach sich ziehen kann.

Der Phenom II X4 955 ist laut AMD ab sofort verfügbar und kostet als Boxed-Version samt passendem Kühler 245 US-Dollar für PC-Hersteller und Wiederverkäufer. Erste Preisvergleichseinträge zeigten vor dem Marktstart im Schnitt 240 Euro für den neuen Prozessor, der Vorgänger Phenom II X4 940 ist nach AMDs letzten Preissenkungen in der Regel unter 190 Euro zu haben. Wieder einmal kosten damit die letzten Prozent mehr Leistung überproportional mehr Geld, wenn auch nicht in den weit höheren Dimensionen der Intel-Prozessoren.


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