Zukunftsforscher Horx und das WoW-Phänomen
Besonders starke Auswirkungen erwartet Horx darauf, was die Beurteilung etwa von Leistungen in der Arbeitswelt angeht. Wer als Spieler gewohnt sei, dass sich seine Leistungen und Erfolge im Detail anhand seiner Skills und Fähigkeiten sowie der Achievements darstellen lassen, erwartet das womöglich auch – in abgemilderter Form – in anderen Bereichen. Im Arbeitsleben seien solche Einstufungen, Horx nennt sie "Recalls" , besonders relevant.
Auch zur Debatte um Onlinesucht und anderer Kritik an MMORPGs wie World of Warcraft äußert sich Horx. "Es gibt keine einzige Kulturerrungenschaft, die nicht mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert wurde" , meint er dazu und zieht Vergleiche etwa mit Romanen, die zur Zeit der Entstehung dieser literarischen Form ebenfalls heftig kritisiert und als Bedrohung für Anstand, Sitte und Gesellschaft gesehen wurden. Dass es sich bei World of Warcraft um Kultur handelt, daran zweifelt Planetarius nicht. Er findet besonders die Möglichkeit interessant, wie im Theater Rollen zu spielen, in der Erschaffung von Avataren den eigenen Charakter zu verdoppeln oder gefühlte Schwächen zu kompensieren: "Das ist ein Empowerment, wie es einem andere Kulturtechniken nicht geben." Es sei kulturhistorisch neu, dass wir eine Rolle erschaffen können, "in der wir uns als Person spiegeln."
Horx ist überzeugt, dass sich der Streit um Computerspiele früher oder später legt – spätestens dann, wenn die Gamer aufgrund ihres Alters gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. In naher Zukunft könnte er sich aber vorstellen, dass die Kritik noch mal eskaliert: Nämlich dann, wenn irgendwer eine virtuelle Welt erschafft, in der narrative Handlung und andere Elemente so überzeugend und verführerisch seien, dass große Teil der Bevölkerung in die Parallelwelt umziehen und die virtuelle Zeit zugeteilt werden muss. Aber das hat Planetarius nicht ganz ernst gemeint.