EU-Kommission will mehr IT-Forschung
Obwohl die Länder der Europäischen Union für ein Drittel der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf der Welt verantwortlich zeichneten, mache die Forschung auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nur ein Viertel der weltweiten Forschung aus, beklagte Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, in einer Ansprache zum Auftakt der ersten europäischen Konferenz über Zukunftstechnologien in Prag. Die Konferenz steht unter dem Motto " Science Beyond Fiction(öffnet im neuen Fenster) ".
Derzeit führen die USA, China und Japan auf diesem Gebiet, während Europa im Rückstand ist. Diese Lücke will Reding schließen. "Europa muss sich gerade in Krisenzeiten einfallsreich und mutig zeigen. Forschung führt zu Innovation, die wiederum der Schlüssel für die langfristige globale Wettbewerbsfähigkeit Europas ist. Revolutionäre wissenschaftliche Durchbrüche bieten enorme Chancen, und wir müssen die besten Köpfe zusammenbringen, um diese Chancen bestmöglich zu nutzen" , sagte die Kommissarin.
Das Ziel, das sich die EU gesteckt hat, ist ehrgeizig: Würde aus den Forschungsideen konkrete Technik, dann könne Europa laut Reding eine Führungsposition in der künftigen Informationstechnik einnehmen. Technik könnte "auf Gebieten wie Gesundheit, Klimawandel, Bevölkerungsalterung, nachhaltige Entwicklung oder Sicherheit grundlegend neue Lösungen für den europäischen Bürger hervorbringen."
Das könne jedoch nur erreicht werden, wenn alle ihren Beitrag leisteten. Nach Vorstellungen der Kommission sollen die Investitionen für die Grundlagenforschung bis 2015 verdoppelt werden. Reding versprach, die EU-Fördermittel bis 2013 auf 170 Millionen Euro pro Jahr zu steigern. Derzeit gibt die EU pro Jahr 100 Millionen Euro für IKT-Forschung aus.
Außerdem rief Reding die Mitgliedsstaaten dazu auf, ihre Forschungsanstrengungen zu bündeln. Die EU-Kommission will selbst bis 2013 mindestens zwei länderübergreifende, interdisziplinäre Vorzeigeinitiativen starten.
Dazu könnte zum Beispiel die Entwicklung eines Computers gehören, der wie das Gehirn arbeitet. Oder die Entwicklung eines Rollstuhls, der über eine Gehirn-Maschinen-Schnittstelle mit Gedankenkraft gesteuert wird, und eines Quantencomputers. An allen drei Projekten wird bereits geforscht. Diese sowie eine Reihe weiterer europäischer Forschungsarbeiten werden auf einer Ausstellung, die die Konferenz begleitet, präsentiert.
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