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Kriminelle zahlen 25.000 Euro für Nokia-Handy aus Bochum

Kann Nokia 1100 zum Ausspähen von Bankkontodaten missbraucht werden? Bis zu 25.000 Euro wurden für ein altes Nokia 1100 geboten. Wichtig dabei: Das Mobiltelefon muss in Bochum produziert worden sein. Nur diese Geräteserie soll einen Fehler enthalten, den Kriminelle ausnutzen wollen, um an Bankkontodaten zu gelangen.
/ Ingo Pakalski
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Das Nokia 1100 kam 2003 auf den Markt und wurde seinerzeit für rund 100 Euro verkauft. Das Mobiltelefon ist schon lange nicht mehr im Sortiment von Nokia und daher nur als gebrauchtes Gerät zu bekommen.

Das niederländische Unternehmen Ultrascan Advanced Global Investigations(öffnet im neuen Fenster) wurde von der Polizei beauftragt zu prüfen, weshalb dieses Einsteigerhandy zu sehr hohen Preisen die Besitzer wechselte. Schon im Januar 2009 wurden bis zu 300 Euro für ein Nokia 1100 bezahlt. In den vergangenen Monaten wurden sogar Verkaufspreise von 7.500 bis 10.000 Euro beobachtet. Zuletzt wurde mit einem Nokia 1100 sogar ein Preis von 25.000 Euro erzielt.

Ultrascan hat ermittelt, dass diese Preise nur für eine bestimmte Baureihe des Nokia 1100 erzielt wurden. Und zwar wurden alle fraglichen Modelle im mittlerweile geschlossenen Nokia-Werk in Bochum gefertigt. Ultrascan geht davon aus, dass diese Modelle gehackt werden können, um das Mobiltelefon mit einer anderen als der über die SIM-Karte zugewiesenen Rufnummer zu betreiben. Damit wollen Kriminelle an mTANs gelangen, um darüber Zugriff auf ein fremdes Konto zu erlangen.

Beim Onlinebanking über das Mobiltelefon wird eine mTAN an die Rufnummer des Kontoinhabers per SMS gesendet. Diese mTAN ist nur für die angeforderte Transaktion sowie für kurze Zeit gültig. Damit soll Missbrauch verhindert werden. Hier wollen nach Erkenntnissen von Ultrascan kriminelle Banden aus Osteuropa ansetzen. Sie wollen die versendete mTAN abfangen, indem sie das Nokia 1100 mit der Mobilfunkrufnummer des Opfers betreiben und die betreffende SMS erhalten.

Bislang kam Ultrascan aber noch nicht in den Besitz eines fraglichen Nokia 1100, um die Angriffsmöglichkeit abschließend bestätigen zu können. Die bisherigen Informationen stammen nur von Informanten, gestand Ultrascan dem Magazin PCWorld.com(öffnet im neuen Fenster) .

Der PCWorld.com(öffnet im neuen Fenster) erklärte Nokia, dass kein Fehler in der Firmware des Nokia 1100 bekannt sei, mit dem sich die Rufnummer auf der SIM-Karte ändern lasse. Der Handyhersteller betont, dass Sicherheitsmechanismen auf einer SIM-Karte verhindern, dass die Rufnummer der Karte über ein Mobiltelefon modifiziert werden kann.

Dem widerspricht der zuständige Sicherheitsspezialist von F-Secure teilweise: Nach Aussage von Sean Sullivan ist es technisch möglich, in einem Mobilfunknetz zwei Mal mit der gleichen Nummer eingebucht zu sein. Üblicherweise wird dann eine Kurzmitteilung an das Mobiltelefon gesendet, das zuletzt im Mobilfunknetz verwendet wurde. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass es mit dem Nokia 1100 tatsächlich möglich ist, die Rufnummer der verwendeten SIM-Karte zu ändern.

Ultrascan wartet derzeit auf eine Lieferung des fraglichen Nokia 1100, die sie von einer Finnin erhalten werden. Dann können die Spezialisten prüfen, ob sich die Firmware so manipulieren lässt, dass die Rufnummer modifiziert werden kann.


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